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militärischer Appell Zum Abschied : : Abflug in die Krisengebiete

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Auslandseinsätze gehören für das Logistik-Bataillon in Beelitz (Potsdam-Mittelmark) zum Alltag. Jetzt werden 230 Soldaten von dort nach Afghanistan, nach Mali, in den Kosovo und in die Türkei geschickt.

svz.de von
erstellt am 17.Dez.2014 | 06:58 Uhr

Pascal Beyer wirkt unaufgeregt, wenn er über seinen neuen Dienstort spricht. Im Süden des afrikanischen Mali, das seit zwei Jahren von einem blutigen Konflikt zwischen Islamisten und Regierungstruppen erschüttert wird, soll er ab Frühjahr an einer Ausbildungsmission teilnehmen. Seine Aufgabe: die Armee beim Aufbau einer Treibstoffversorgung unterstützen.

Der Leipziger Oberbootsmann ist einer von zwei Beelitzer Soldaten, die in den Krisenstaat geschickt werden. „Es wird eine Herausforderung, allein wegen der Hitze und der anderen Kultur“, sagt der 25-Jährige. Ein Jahr lang sei er intensiv darauf vorbereitet worden. Landeskunde, Sprache, Schießtraining, aber auch das Beherrschen von Ausnahmesituationen zählten dazu.

Für ihn ist es der erste Auslandseinsatz. Seine Mutter Cornelia, die ihn nach Beelitz begleitet, hat dieselbe Hoffnung wie alle Mütter, die zum Appell gekommen sind: Ihre Söhne und Töchter sollen unbeschadet wieder zurückkehren. „Zum Glück gibt es heute Internet und Handys, man erfährt hoffentlich ständig, wie es ihm geht“, sagt sie.

Auch Philipp Teichmann wird bald den Rucksack packen, es geht in die Türkei. Neben 14 anderen Soldaten wird er einer Nato-Mission zugeordnet, die an der syrischen Grenze den Luftraum des Landes verteidigen soll. Er soll vor Ort defekte Fahrzeuge reparieren. „Es wird ein unruhiger Einsatz, die Kämpfe mit der IS sind ja nicht weit entfernt“, sagt er und runzelt die Stirn. Logistik-Truppen gehören meist zu den ersten und letzten Kontingenten, die von der Bundeswehr in Krisengebiete entsandt werden. Schwerpunkt bildet nach wie vor Masar-i Scharif in Afghanistan, dort werden bis September allein 130 Soldaten aus Beelitz eingesetzt. 80 werden zudem in den kommenden Monaten nach Prizren im Kosovo geschickt.


Ständig auf Abruf


Das Feldlager in Masar-i Scharif sei zwar fast vollständig abgebaut, sagt der Kommandeur des Logistik-Kommandos in Erfurt, Hans-Erich Antoni. „Dennoch muss die Isaf-Mission weiter versorgt werden“, erklärt der Generalmajor. „Die Anschlagsgefahr ist zwar geringer, da unsere Soldaten kaum noch Transporte durch das Land leisten. Die Gefahr ist aber nicht bei null.“

Antoni war selbst in der afghanischen Hauptstadt Kabul stationiert. Man müsse ständig wachsam sein, sonst mache man Fehler, berichtet er. Dies lasse sich nur mit einer intensiven Ausbildung trainieren. Auch der Kommandeur des Beelitzer Bataillons, Alexander Röpke, verdeutlicht: „Wenn die logistischen Abläufe vor Ort nicht stimmen, wird es schwierig.“

In Beelitz sind rund 1000 Soldaten stationiert, 100 davon sind Frauen. Nach der Gründung des neuen Logistik-Bataillons vor rund zehn Jahren erhielt die Kleinstadt-Kaserne eine Bestandsgarantie. Bis 2020 investiert die Bundeswehr dort 100 Millionen Euro. „Das ganze Gelände wird umgekrempelt“, sagt Röpke. Die Beelitzer Einheiten sind bei Auslandseinsätzen vor allem für Nachschub an Munition, Treibstoff und Ersatzteilen zuständig. Auch die Bergung von zerstörten Fahrzeugen gehört zu ihrem Job. Zu acht Missionen wurden die Soldaten bereit geschickt, zuletzt stellte Beelitz Soldaten für die „NATO Response Force“ ab, der schnellen Eingreiftruppe des Verteidigungsbündnisses.

Die Anforderungen hat Carsten Bähring verinnerlicht: „Es kann jederzeit passieren, dass wir wegmüssen. Das weiß auch die Familie, es gibt keine Diskussionen“, meint der 36-jährige Hauptfeldwebel. Die Zeiten in der Bundeswehr hätten sich eben geändert.

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