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Berufsimkerin bestohlen: : 30 komplette Völker fort

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Diebstahl von bisher nicht gekanntem Ausmaß, wie der Landesverband Brandenburgischer Imkern bestätigt.

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2015 | 08:30 Uhr

30 Bienenvölker wurden Julie Gaworski gestohlen. Ein Diebstahl von bisher nicht gekanntem Ausmaß, wie der Landesverband Brandenburgischer Imkern bestätigt. Und die Rechnung hierbei ist einfach – Völker weg, Ertrag weg: „Der wirtschaftliche Schaden ist sehr groß“, sagt die 30-jährige Berufsimkerin aus Möglin. Auf rund 15 000 Euro schätzt sie die Summe, die ihr durch den Verlust der Völker und des Ertrages entstanden ist. In Trebus hatte die junge Frau seit September vergangenen Jahres 47 Bienenvölker zum Überwintern hinter einem Getreidesilo etwas außerhalb des Ortes zu stehen. Nun sind 30 davon weg. Und Julie Gaworski ist verzweifelt. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagt sie. Und geht davon aus, dass es sich um einen geplanten Diebstahl handelt. „30 Völker transportiert man nicht mal eben mit dem Auto unbemerkt weg. Auch sind die Bienenkästen rund 20 Kilo schwer.“ Es handelt sich um dunkelbraune Holzkästen mit einem Metalldeckel. Und Julie Gaworski hofft, dass jemandem auffällt, falls diese irgendwo in großer Stückzahl auftauchen. „Denn jetzt ist eigentlich noch nicht die Zeit, um sich neue Bienenstöcke anzuschaffen“, erklärt sie. Dass es sich bei den Dieben um Imker, oder solche, die es werden wollen, handelt, daran besteht für die Berufsimkerin kein Zweifel.

Auch Holger Ackermann vom Landesverband Brandenburgischer Imker geht davon aus. „Das ist schmerzhaft“, sagt das Vorstandsmitglied. „Es kommt leider immer wieder mal vor, dass Kollegen andere Imker bestehlen.“ Ein Vorfall in dieser Größenordnung sei ihm jedoch noch nicht bekannt. Allerdings steige die kriminelle Energie nach dem Winter, so Ackermann. „In der Regel gehen 30 Prozent der Bienenvölker kaputt.“ Grund für die hohen Winterverluste ist die Varroa-Milbe.

Gegen die musste auch Julie Gaworski etwas tun und schaut daher regelmäßig nach ihren Bienenvölkern. Hinter dem Getreidesilo in Trebus, einem Ortsteil von Fürstenwalde, standen ihre 47 Völker bis zur letzten Woche. Dann kam der besorgte Anruf des Landwirtes. Nun hofft Julie Gaworski, dass jemandem etwas aufgefallen ist. Denn auch am Donnerstag sollen die Diebe wieder vor Ort gewesen sein, erfuhr sie aus dem Dorf. „Vielleicht um die restlichen Völker zu holen“, überlegt die Möglinerin. Seit einem Jahr hat sie sich mit ihrem Kompagnon selbstständig gemacht, um bio-zertifizierten Honig für Reformhäuser und Bioläden zu produzieren. „In diesem Jahr wollten wir die erste Mitarbeiterin einstellen. Der mussten wir jetzt absagen“, sagt die junge Unternehmerin und schluckt. Wie es jetzt weitergeht? „Ich versuche, nach vorn zu schauen“, sagt sie tapfer. Und gibt die Hoffnung nicht auf, ihre Bienenvölker doch noch zurückzubekommen. „Vielleicht hat ja jemand etwas beobachtet.“ Ein rotes Auto und eine Frau, die Wache gestanden haben soll, sind die einzigen Hinweise, die sie hat. Die hat sie auch am Donnerstag an die Polizeibeamten, die den Diebstahl vor Ort dokumentierten, weitergegeben.

„Wir haben Kollegen in Westbrandenburg, die damit begonnen haben, kleine Kameras in die Bienenkästen einzubauen. Sobald sich an den Kästen etwas bewegt, bekommen die Besitzer ein Foto auf ihr Handy“, erklärt Holger Ackermann vom Imker-Landesverband eine mögliche Präventionsmaßnahme. Auch könne man einen kleinen Sender anbringen, um die Kästen orten zu können. „Da gibt es schon für wenig Geld gute technische Lösungen.“ Denn neben dem Vandalismus sei Diebstahl ein großes Problem, bestätigt er.

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