Osten - die Steckdose Europas

Aber weiter Probleme bei der Uckermark-Leitung

svz.de von
15. März 2016, 08:00 Uhr

Der ostdeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 902 Millionen Euro in Stromleitungen investiert. Dennoch kommt der Netzausbau angesichts des Zuwachses bei Wind- und Sonnenenergie noch zu langsam voran.

„2015 war das Jahr der Rekorde“, sagte der Vorsitzende der 50Hertz-Geschäftsführung, Boris Schucht, gestern in Berlin. So sei der Anteil der hier erzeugten erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Geschäftsgebiet – das die neuen Bundesländer sowie Berlin und Hamburg umfasst – von 42 Prozent im Vorjahr auf 49 Prozent gestiegen.

Mehr als ein Drittel des hier erzeugten Stroms wird ins benachbarte In- und Ausland exportiert. „Ostdeutschland entwickelt sich immer mehr zur Steckdose Europas“, sagte Schucht. Um den Ökostrom transportieren zu können, habe man gut 40 Prozent mehr in den Netzausbau investiert als 2014.

Die 902 Millionen Euro seien ein Allzeithoch. So konnte man 115 Kilometer Freileitungen fertigstellen, weitere 165 Kilometer befänden sich im Bau. Mit der Freigabe mehrerer Abschnitte der sogenannten Südwest-Kuppelleitung sei der Stromtransport von Norden Richtung Bayern verbessert worden.

Probleme gibt es dagegen bei der geplanten Uckermark-Leitung, die vom Umspannwerk Bertikow bei Prenzlau nach Neuenhagen bei Berlin (Märkisch-Oderland) führen soll. Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig erklärt, weil der Naturschutz nicht ausreichend berücksichtigt worden war. Das sei in einem Ergänzungsverfahren korrigierbar, sagte Schucht. Allerdings werde das Projekt damit um mehrere Jahre verzögert. Die 115 Kilometer lange 380-Kilovolt-Hochspannungsleitung soll künftig deutlich mehr Ökostrom von den Windkraft- und Biogasanlagen in der Uckermark in den Berliner Raum transportieren.

„Dass diese Leitung fehlt, ist eine der Ursachen für die hohen Redispatch-Kosten“, sagte Schucht. Was er damit meint, sind die Kosten sowohl für das Herauf- und Herunterregeln konventioneller Kraftwerke als auch die Abregelung von Wind-, Solar- und Biomasseanlagen zur Stabilisierung des Stromverteilungssystems. Und diese Kosten haben sich bei 50Hertz 2015 auf 346 Millionen Euro fast vervierfacht. Ein negativer Rekord, wie Schucht anmerkte. Deutschlandweit seien es eine Milliarde Euro gewesen. Diese Summe hätte besser in den Ausbau des Netzes investiert werden können.

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