Ohne Last der Vergangenheit

MatthiasLoehr
MatthiasLoehr

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17. September 2009, 01:57 Uhr

Potsdam | Der Cottbuser Matthias Loehr gehört zu den jungen Abgeordneten der Linken im Potsdamer Landtag, die Parteichef Thomas Nord gern vorzeigt, wenn er auf die Zukunft der Partei verweisen will. Tatsächlich passt Loehr so gar nicht in das Schema eines Parteifunktionärs, das dem Personal der Nachfolgeorganisation der SED gerne unterstellt wird. Loehr zählt aber auch nicht zu den exotischen jungen Wilden, mit denen sich die PDS gelegentlich schmückte. Der höfliche, eher zurückhaltende Mann von 32 Jahren ist als Nachrücker im vergangenen Dezember in den Landtag gekommen und da die Fraktion über keinen Juristen mehr verfügte auch sofort in den Rechtsausschuss geschickt worden.

Dies allein zeigt schon, dass ihm die Parteispitze einiges zutraut. Denn mit der Rechtswissenschaft verbindet Loehr nicht all zu viel. Noch am ehesten mit der ganzen Problematik verbunden, die auch Sitz und Stimme im Richterwahlausschuss bedeutet, war der Cottbuser in den drei Jahren, in denen er das Büro des linken Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic leitete. Der frühere Bundesrichter ist rechtspolitischer Sprecher in Berlin. Loehr bringt in die Politik Erfahrungen mit, die nicht alltäglich sind, zunächst im Zivildienst und anschließend als Mitarbeiter in einer Werkstatt für behinderte Menschen hat er ganz hautnah die Probleme, aber auch die Lebensfreude der Menschen erlebt, die all zu oft am Rande der Gesellschaft stehen. Diese mehrjährige Arbeit hat ihn, der ursprünglich Elektronik-Kaufmann gelernt hatte, geprägt.

Er ist mit seinen Erfahrungen nicht allein im Potsdamer Parlament. Auch in anderen Fraktionen gibt es Abgeordnete, die aus der Arbeit im sozialen oder medizinischen Bereich kommen. Ihnen allen merkt man sehr wohl an, dass ihre Lebensgeschichte sie nachdenklicher und zumeist auch kompromissbereiter macht.

Als die DDR unterging, war der Cottbuser Linke noch ein Kind. Seine Eltern hatten ihre Distanz zur SED bewahrt. Sein Weg zur PDS und mit ihr in die Linke hat so gut wie nichts mit der Vorgeschichte dieser Partei zu tun. Loehr hat auch nur wenig von dem in den neuen Bundesländern weit verbreiteten Grundmisstrauen gegenüber dem aus dem Westen gekommenen politischen System. Sein früherer Chef, Wolfgang Neskovic, kann wie kaum ein zweiter das Grundgesetz als eine wunderbare Verfassung verteidigen und Loehr würde sich dem in weiten Teilen anschließen.

Männer wie er verkörpern eine Politik jenseits der aus der Vergangenheit mitgeschleppten Lasten. Er ist ein Linker, wie man ihn auch in Baden-Württemberg oder Niedersachen wiederfinden könnte - mit einer tiefen Verwurzelung in seiner Heimatregion, aber ohne die bei vielen scheinbar heute noch notwendige Abgrenzung zum Westen. Mit seiner Generation könnte so etwas wie Normalität einkehren in das immer noch schwierige Verhältnis von Demokraten zu der Partei, die aus der SED hervorging. Was dann bleibt, ist nur noch der übliche Wettstreit in den Zielvorstellungen.

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