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Brandenburg

22. Oktober 2017 | 17:40 Uhr

Flughafen Berlin : Offene Wunden am BER

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Berliner Landesärztekammer warnt vor mangelhafter Notfallversorgung für künftigen Flughafen

Die Berliner Landesärztekammer sorgt sich um die medizinische Versorgung der Reisenden am künftigen Flughafen in Schönefeld: Keine Ärzte vor Ort, bürokratische Regelungen im Ernstfall und ungeklärte Fragen, wie im Seuchenfall zu handeln ist. Die Liste an Vorwürfen ist lang.

Den klassischen Fall schildert Nicolai Schäfer, Vorsitzender des Bundesverbandes der Honorarärzte, so: Ein Passagier muss mit Fraktur oder gar Herzinfarkt mit dem Rettungswagen des Flughafens ins nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden. An sich kein Problem, wenn dem nicht das brandenburgische Feuerwehrgesetz in die Quere kommen würde. Das verbiete Schäfer zufolge dem BER-eigenen Rettungswagen, das Betriebsgelände zu verlassen. Am Flughafentor müsse er auf ein Fahrzeug des Landkreises Dahme-Spreewald warten, der den Kranken übernimmt. „Der Patient muss von einer Trage auf die andere umgelagert werden, obwohl man so etwas im gesamten Rettungsdienst vermeidet“, wundert sich Schäfer und hat dafür nur zwei Worte. „Völlig hirnlos.“

Nicht nur aus diesem Grund kommt auch der Präsident der Landesärztekammer Berlin, Günther Jonitz, zu der Einschätzung, dass die reibungslose Versorgung von Notfallpatienten am neuen Flughafen nicht gewährleistet ist. In einem Brandbrief hat er den Finger auf vermeintlich offene BER-Wunden gelegt, die Kompetenz des für medizinische Notfälle zuständigen Landkreises Dahme-Spreewald infrage gestellt.

Am Amtssitz in Lübben erinnert das Donnern und Grollen der Berliner Ärztekammer Wolfgang Starke „ein wenig an Panikmache“. Dezernent Starke ist als Stellvertreter von Landrat Stephan Loge (SPD) für die rettungsdienstliche Versorgung zuständig und hat sich das erst jüngst durch ein Gutachten bestätigen lassen. „Natürlich wird ein Patient mit Herzinfarkt sofort ins Krankenhaus gebracht“, widerspricht er dem Vorwurf der Berliner Kammer. Aber der Flughafen sei nun mal ein Flughafen und nicht frei befahrbar. Rettungsfahrzeuge des Landkreises würden im Notfall auf dem BER-Gelände von einem Lotsenfahrzeug zum Einsatzort gebracht. 16 Transporter sind im gesamten Landkreis in Bereitschaft. Einen davon wolle der Landkreis jetzt direkt am Flughafen stationieren.

Während sich die Brandenburger Landesärztekammer zurückhält und nach Aussagen ihres Sprechers erst im März über die Thematik debattieren will, feuern die Kollegen aus Berlin aus allen Rohren. Ein mit Sanitäter und Assistent besetzter Rettungswagen sei für rund 75 000 Passagiere und 20 000 Angestellte zu wenig, kritisiert der Berliner Kammerpräsident und verweist auf bessere Beispiele am Airport in Frankfurt am Main. Bei einem Katas-trophenfall, vermutet Nicolai Schäfer vom Bundesverband der Honorarärzte, würde das System schnell zusammenbrechen. Aufgrund der Weite des Landkreises könnten die Rettungsfahrzeuge nicht schnell genug an den BER beordert werden, sodass Berlin einspringen müsse. Der Flughafen selbst beschwichtigt. Nach Aussage von BER-Sprecher Ralf Kunkel seien „alle erdenklichen Notfälle erfasst, Alarmierungsverfahren und -checklisten festgelegt sowie Notfallverfahren zur Behandlung der Notfälle beschrieben“.

Aber selbst im Alltag hält Schäfer einen leitenden Arzt vor Ort für unabdingbar. Investoren für ein einst von der Flughafengesellschaft angedachtes medizinisches Versorgungszentrum hatten sich nach der erneuten Verschiebung zurückgezogen. Angeblich soll es Gespräche zwischen dem BER und dem Bergmann-Klinikum in Potsdam geben. Offen ist auch noch eine Entscheidung des Landes, den Airport als Sanitätsflughafen für Seuchenfälle auszurüsten.

 

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