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Prozess: Brandstiftung Kyritz : Offene Rätsel nach Geständnis

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Beim Prozess um Kyritzer Brandstiftungen räumt der Angeklagte die Taten ein / Das Motiv bleibt weiter unklar

svz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Monatelang haben Großfeuer die Stadt Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) in Atem gehalten. Der 31-jährige Christoph M. hat gestern vor dem Landgericht Neuruppin gestanden, mehrere Fahrzeuge an Autohäusern, einen Bus auf dem Wässering-Parkplatz und die Abfall-Annahmestelle in Strüwe in Brand gesteckt zu haben. Der Kyritzer selbst ist Mitglied der Feuerwehr. Er war auch bei den Löscheinsätzen dabei, als es galt, die Feuer unter Kontrolle zu bringen, die er gelegt hatte.

Angefangen hatte alles am 14. September 2014. Nach einer Party fuhr er zum Garten seines Vaters. Auf dem Nachbargrundstück stand ein VW Käfer. M. nahm ein Feuerzeug, brachte es in Gang und hielt die Flamme an ein Kunststoffteil dieses Wagens. Dann nahm er Reißaus. Nicht nur der Käfer, sondern auch ein unweit stehender Wartburg brannte ab. Im Oktober 2014 verursachte er die gefährlichste Brandserie. Wieder hatte er gefeiert. Statt nach Hause zu fahren, fuhr er in der Nacht zum 1. Oktober leicht alkoholisiert und ziellos in der Stadt umher. Am Autohaus Füllgraf hielt er an und sein entflammtes Feuerzeug an den Schmutzfänger eines VW Polo. Das damit entfachte Feuer griff auf einen Van über. Danach war M. schon in den Wagen gesprungen und auf dem Weg zum nächsten Autohaus. Nach derselben Methode steckte er einen Renault Traffic an. Auch dort verbrannten zwei Fahrzeuge.

Den schwersten Großbrand verursachte M. in der Nacht zum 3. Oktober. Wieder war zuvor groß gefeiert worden. M. brach von der Partygesellschaft auf und fuhr zum Parkplatz am Wässering. Dort steckte er einen Bus an. Daneben standen zwei Lkw – einer war ein Gefahrgut-Transporter. Der Feuerwehr gelang es, bei diesem kreuzgefährlichen Einsatz Schlimmeres zu verhindern. Aber der Bus und ein Lkw brannten komplett aus.

Viel Aufsehen hatte auch der Brand in der Abfall-Annahmestelle in Strüwe in der Nacht zum 6. Oktober erregt. Das ganze Lager brannte aus – inklusive einem Radlader. Einen Monat später zündelte M. erneut – auf dem Gelände der Firma Rösicke. Ein Audi brannte ab. Beim letzten Brand am 21. Juni vorigen Jahres wurde M. gesehen. Eine 50-Jährige erkannte, wie er um eine ungenutzte Garage schlich, etwas aus seiner Hose holte und damit am Dach herumfuhrwerkte. M. türmte. Als die Polizei eintraf, ließ sich der Brand rasch löschen.

Mehr als eine Stunde redete M. über seine Taten. Dennoch bleiben Rätsel. Vor allem das Motiv scheint unklar. Der 31-Jährige hatte Arbeit, lebte bei seinen Eltern in vergleichsweise sicheren Verhältnissen und war integriertes Mitglied der Feuerwehr. Bei Zusammenkünften mit Freunden wurde erzählt, mit der Playstation gespielt und Alkohol getrunken – aber nicht übermäßig viel, wie M. und die Zeugen aussagten. Streit hat es nie gegeben, wenn er von der Party losfuhr. M. sprach immer von „Zufall“, wenn ihn die Vorsitzende Richterin Grit Burzer danach fragte, warum er zu diesem und jenen Ort fuhr, um ein Feuer zu legen. „Es war nie geplant“, so der 31-Jährige. War er nicht vielleicht dennoch frustriert? M. sprach von „viel Stress bei der Arbeit“. Kurz vor Beginn der Brandserie war zudem seine langjährige Beziehung gescheitert. Es sind noch zwei Verhandlungstage angesetzt – am kommenden Freitag und am Dienstag nächster Woche. An letzterem Tag ist auch mit einem Urteil zu rechnen.

Christian Schönberg (MOZ)

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