Basdorf-Mord : Özil A. stand unter Drogen

In diesem Mercedes wurde Ende März Dirk K. erschossen.
In diesem Mercedes wurde Ende März Dirk K. erschossen.

Angeklagter im Basdorf-Mord ist laut einem Gutachten vermindert schuldfähig

svz.de von
17. September 2015, 16:16 Uhr

Zwei Männer, zwei Schüsse – ein Toter: Der Mordanschlag auf einen Automaten-Unternehmer Ende März in Basdorf (Barnim) scheint sonnenklar. Özil A. hatte sich unmittelbar nach der Tat auf einer Berliner Polizeiwache gestellt und verraten, wo er die Schusswaffe entsorgt hat. Der Prozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) könnte eine reine Formsache sein.

Doch kurz vor Ende der Beweisaufnahme dreht sich alles um die Frage, ob der seit 1993 in Deutschland lebende Türke die Todeschüsse unter erheblich verminderter Steuerungsfähigkeit abgegeben hat, was entscheidend für das zu erwartende Strafmaß ist.

Özil A. räumte ein , Stunden vor der Tat zwei Gramm Kokain konsumiert zu haben und seit 2011 regelmäßig Drogen zu nehmen. Ein Gutachter kam gestern zum Schluss, dass dies zu paranoiden Zuständen, Gereiztheit und Aggressivität geführt haben könnte und empfahl die Unterbringung in einer Entzugsanstalt.

Ob der Angeklagte die Drogen vor oder erst nach der Tat eingenommen hat, kann der Sachverständige vom Gropius-Krankenhaus Eberswalde nicht mit Sicherheit sagen.
Özil A. war am 29. März mit Dirk K. auf der Fahrt zu einem Döner-Imbiss in Basdorf in Streit geraten. Es ging um geliehenes Geld. 600 Euro hatte der Automatenaufsteller ihm vier Wochen zuvor geborgt und forderte das Geld unterwegs zurück. Özil A. konnte nicht die ganze Summe zahlen, woraufhin Dirk K. 200 Euro zusätzlich an Zinsen verlangte. Mehrere hundert Meter vor dem Tatort soll Özil A. den Entschluss gefasst haben, den am Steuer des Mercedes sitzenden Dirk K. unter einem Vorwand in eine Seitenstraße zu lotsen und zu erschießen.

„Wenn ich so einen Plan mehrere hundert Meter zuvor fasse, fällt das noch unter Minderung der Steuerungsfähigkeit?“, fühlte Nebenklage-Vertreter Jan Stübing dem Gutachter auf den Zahn, der sich seiner Diagnose nicht mehr so sicher war.

Opfer und Täter hatten eine Geschäftsbeziehung. Özil A. arbeitete in einem Imbiss, in dem Dirk K. Spielautomaten aufstellte. Da der gebürtige Türke Frau und drei Kinder ernähren muss und Geld für seinen Drogenkonsum benötigt, baute er nebenbei Möbel auf und übernahm kleinere Reparaturarbeiten an den Automaten im Basdorfer Döner-Imbiss, in dem er nur angestellt ist.
Das Verhältnis beider war von Misstrauen geprägt. Özil A. will Dirk K. auf manipulierte Automaten angesprochen und mit dem Finanzamt gedroht haben, woraufhin der Türke eingeschüchtert worden sei. Er habe verdächtige Personen vor seiner Wohnung gesehen und Anrufe von Dirk K. als Drohung interpretiert, gibt der Sachverständige Aussagen des Angeklagten wieder. Daher habe Özil A. in jener Märznacht eine Waffe bei sich getragen.

Am Freitag nächster Woche will der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs die Beweisaufnahme schließen. Möglicherweise werden dann die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehalten.

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