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Wensickendorf : Ölverschmierter Jungstorch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Roland Heigel will das Leben eines Zugvogels retten und sucht die Ursache für das verklebte Gefieder

svz.de von
erstellt am 02.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Der Oranienburger Storchenbetreuer Roland Heigel hat schon einiges erlebt mit den Zugvögeln. In diesem für Störche schwierigen Sommer kommt eine traurige Premiere hinzu. In seiner Voliere in Wensickendorf versucht Heigel, einen total ölverschmierten Weißstorch zu reinigen und aufzupäppeln.

„Das hatte ich noch nie“, sagt der seit vielen Jahren beim Naturschutzbund tätige Betreuer. Am Sonntag hat er nach einem Anruf einen Storch eingefangen, dessen gesamtes Federkleid voller Öl klebte. Schnabel, Hals, Bauch und Flügel sind braun verschmiert. Ob der Vogel die Verunreinigung überlebt, weiß Heigel nicht. Er hat den Storch mit nach Hause genommen und wäscht ihn jeden Morgen mit Spülwasser. Feder für Feder – eine halbe Stunde dauert die Prozedur. „Das Öl ist kaum abzubekommen“, sagt Heigel. Durch das Waschen verliere das Federkleid aber die Isolierung. Die Hoffnung, das Jungtier zu retten, hält er aufrecht.

Der Betreuer weiß auch nicht, woher der Vogel gekommen ist, ob er sich auf der Durchreise befand oder möglicherweise schon auf seinem Flug in den Süden war. Wichtiger ist Roland Heigel derzeit, die Ursache für die Verunreinigung zu finden. Ist das Tier in einen ölverschmierten Tümpel oder Teich gefallen? Weil der Vogel komplett verklebt ist, kann es sich nicht um eine kleine Pfütze handeln. Heigel hat rund um Wensickendorf, Schmachtenhagen und Zehlendorf nach einem ölverseuchten Gewässer oder einer offenen Tonne gesucht. Fündig wurde er nicht und hofft daher auf einen Hinweis aus der Bevölkerung.

Die Gefahrenquelle müsse abgedeckt werden. Denn der vermeintliche Ölteich soll nicht weiteren Tieren zum Verhängnis werden. Schließlich könnten auch andere Störche, Kraniche, Greif- und Singvögel in das verunreinigte Gewässer geraten. Den zuständigen Behörden für Wasser, Bodenschutz und Umwelt beim Landkreis ist ebenfalls nichts bekannt.

Der Wensickendorfer Jungstorch hatte Glück, von Heigel gerettet worden zu sein. „Er erträgt die tägliche Reinigungsprozedur“, sagt Heigel. Denn am Ende jedes Putzens wartet eine kleine Essensbelohnung. „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut“, sagt der Storchenexperte. Er wisse aber nicht, ob der Vogel durch eventuell verschlucktes Öl doch noch an einer Vergiftung sterben könnte. Heigel, der auch schon halb verhungerte Störche im Schnee gefunden und dann über den Winter gebracht hat, gibt so schnell nicht auf. Die Hoffnung, den Storch retten zu können, treibt ihn jeden Tag an. Bei aller Liebe zu den Störchen bleibt das Verhältnis Heigels zu seinen Schützlingen professionell und namenlos. Die Vögel sind für ihn Wildtiere, die irgendwann wieder in Freiheit entlassen werden, um selbstständig leben zu können.

 

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