Verkehr : Odyssee zum Ausflugsziel

Experten diskutieren über eine bessere Verzahnung von Nahverkehr und Tourismus

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12. November 2015, 20:20 Uhr

Wenn Touristen auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, haben sie immer wieder Probleme, ihr Ziel zu erreichen. Erste Firmen in der Region arbeiten bereits an einer besseren Vernetzung von Mobilitätskonzepten und Freizeitangeboten.

Für Judith Kammerer geriet die Planung für einen Wochenendausflug zur stundenlangen Recherche. Lohnende Ziele waren schnell gefunden, allerdings sind viele schöne Ecken in Brandenburg nur schwer oder gar nicht mit Zug und Bus erreichbar. „Das ist ein großes Hindernis für Touristen, die kein Auto haben“, sagt sie. Dies treffe auf über 40 Prozent der Berliner Haushalte zu.

Zusammen mit ihrem Bekannten Hermann Weiß kam die studierte Geografin auf die Idee, die Suche nach interessanten Orten umzudrehen. Sie haben zusammen mit einer Potsdamer Softwarefirma eine Online-Plattform entwickelt, in der Ausflugsorte mit Fotos aufgrund von Stichworten angezeigt werden – innerhalb eines bestimmten zeitlichen Radius. Die Erfahrung von Kammerer lautet: „Entfernung ist nicht immer gleich Erreichbarkeit.“

Beide Berliner Unternehmer präsentieren mit ihrem Internet-Portal „naturtrip.org“, das vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert wird, maßgeschneiderte Lösungen. Dafür können sie auch auf sämtliche Fahrplandaten des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) zurückgreifen, die für Entwickler freigegeben wurden. 900 Ziele hat das Unternehmen schon erfasst und in einer interaktiven Karte eingearbeitet – weitere Anregungen sind erwünscht. Ebenso ist eine Handy-App in Planung. Dabei ist für die Macher des Portals neben der Anbindung auch die Qualität ein entscheidendes Merkmal. „Die Leute wollen sicher gehen, dass sich die oft lange Anreise lohnt“, sagt Kammerer.

Um Lösungen, mit denen Tourismus und Nahverkehr besser verzahnt werden können, ging es auch auf einer Fachtagung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. Die digitale Vernetzung wird von Experten als große Chance gesehen, um Mobilitätskonzepte auf eine neue Basis zu stellen. „Ein Smartphone, eine App, dabei wird es nicht bleiben“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Mario Tobias. Es müssten dem Individualverkehr mit dem Auto andere Dienstleistungen entgegengesetzt werden.

Auch VBB-Chefin Susanne Henckel spricht von einer riesigen Chance, durch die Digitalisierung mehr Informationen für die Kunden zu bündeln. „Die Fahrgäste können heute in Echtzeit die Verspätung der Züge verfolgen, aber sie wollen auch angezeigt bekommen, ob die Anschlüsse erreicht werden und ob die Fahrkartenautomaten in Betrieb sind“, sagt sie. Dabei will der VBB künftig auch Carsharing oder Fahrradverleihstationen in das Auskunftssystem „VBB-Fahr-info“ einbinden.

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