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Landräte in Potsdam : Nur einer poltert noch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Von Brandenburgs Landräten ist in Potsdam kaum noch etwas zu vernehmen – außer von Gernot Schmidt

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 23:00 Uhr

Brandenburg gilt als Landräterepublik. Der Einfluss der Verwaltungschefs könnte im Zuge der Kreisreform sogar noch weiter wachsen. In der Regel agieren sie eher hinter den Kulissen. Nur einer scheut die offene Auseinandersetzung nicht: Gernot Schmidt.

In dieser Woche nahm sich der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD), wieder einmal den Naturschutzbund vor. Es ging um die Zahl der Störche im Land, und Schmidt wies die Kritik des Nabu zurück, die Bauern seien am angeblichen Rückgang der beliebten Vögel schuld. Schmidt forderte eine Entschuldigung bei den Landwirten.

Er tat dies nicht als Landrat sondern als Chef des Forums Natur, eines Zusammenschlusses von Bauern, Waldbesitzern und Fischern. Ein Gremium, das dem streitbaren Sozialdemokraten regelmäßig Gelegenheit gibt zu poltern. Und das tut er mit markigen Worten, beispielsweise wenn es um den Biber geht, dessen Schutz aus seiner Sicht in Potsdam über die Interessen der Einwohner der Region gestellt wird.

Auch in der Flüchtlingsdebatte nimmt der Landrat kein Blatt vor den Mund. So drohte er Ende 2015, keine weiteren Zuweisungen von Asylsuchenden zu akzeptieren, wenn das Land nicht die offenen Finanzfragen klärt.

Schon bevor Schmidt 2005 zum Landrat gewählt wurde, hatte er als Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Landtag das Anecken zum politischen Stil erkoren. Damals ging es ihm darum, die Potsdamer Kreise zu stören – sprich: das Agieren des Küchenkabinetts um den damaligen Regierungschef Matthias Platzeck (SPD), der politische Fragen gern im kleinen Kreis klärte. Als Schmidt als Verwaltungschef in die Heimatregion im Oderbruch zurückkehrte, atmete mancher Parteifreund in Potsdam auf. Ruhe gegeben hat er aber auch aus der Ferne nicht.

Schon gar nicht, seit er 2013 bei der Direktwahl für weitere acht Jahre im Amt bestätigt wurde, was ihn in der eigenen Partei stärkte. 2014 gehörte er sogar zum Kreis derjenigen, die nach der Landtagswahl den Koalitionsvertrag mit den Linken ausgehandelt haben.

Dem 53-Jährigen wird in der Region Bodenständigkeit und ein offenes Ohr für die Belange der Bürger bescheinigt. Er wich kritischen Fragen von Journalisten nicht aus und zeigte sich auch vor den Kameras, als es im vergangenen Herbst bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu ungemütlichen Auseinandersetzungen kam.

Das Agieren von Schmidt fällt besonders auf, weil er sich als letzter Landrat zu landespolitischen Themen zu Wort meldet. In den 90er-Jahren gehörte Kantigkeit gegenüber der Landesebene noch zum Berufsprofil der märkischen Landräte.

Aus der Zeit noch im Amt befindliche Kollegen,Burkhard Schröder im Havelland oder Bodo Ihrke im Barnim (SPD), sind merklich ruhiger geworden. Schröder hat seinen Rückzug angekündigt. Am ehesten hat sich der Hang zum Poltern beim Landrat von Oder-Spree, Manfred Zalenga (parteilos), bewahrt. Die anderen pflegen eher Kontakt in die Ministerien, als sich im politischen Raum zu Wort zu melden.

Bis vor zwei Jahren war Karl-Heinz Schröter (SPD) als Landrat von Oberhavel und Präsident des Landkreistages noch eine feste Größe in der Landespolitik. Das ist er immer noch. Jedoch hat er die Seiten gewechselt und setzt als Innenminister die Kreisreform durch, an deren Sinn er als Landrat gezweifelt hatte. Zugleich trägt er mit der umstrittenen Übertragung von Landesaufgaben an die Kreise zur Stärkung der ehemaligen Kollegen bei.

Schmidt war als Nachfolger Schröters als Präsident des Landkreistages gehandelt worden. Dann wurde der Landrat von Potsdam-Mittelmark, Wolfgang Blasig (SPD), ins Amt gehievt – der unauffälligste und stillste unter den aktuellen Amtsinhabern.

Ulrich Thiessen (MOZ)

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