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Pannenflughafen BER : Nun sind es die Türen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Flughafen wird nicht in diesem Jahr eröffnet. Hinweise auf Probleme womöglich schon seit Längerem vorhanden

von
erstellt am 23.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Am Samstag war es eine kleine Bombe: Am Rande einer Fraktionsklausur der Berliner SPD im thüringischen Erfurt gab Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bekannt, dass sich eine Eröffnung des Pannenflughafens BER in diesem Jahr nicht mehr realisieren lässt. Und als sich gestern der Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags im Bürgerhaus von Dahlewitz (Teltow-Fläming) zu einer auswärtigen Sitzung traf, war die Ratlosigkeit noch immer groß.

Wie lange halten die neuen Verzögerungen den Bau auf? Welche Mehrkosten gibt es? Wann geht der Flughafen endlich an den Start? Auf alle diese Fragen hatten Flughafenchef Karsten Mühlenfeld, der Flughafenkoordinator der Staatskanzlei, Rainer Bretschneider, und nicht zuletzt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gestern keine wirklich belastbaren Antworten zu bieten. „Es ist ein weiteres, großes Problem, das auftaucht“, sagte Woidke während der Ausschussitzung. „Es ist ein klarer Rückschlag für das Projekt.“ Probleme seien aber dazu da, gelöst zu werden – „und dafür ist die Geschäftsführung zuständig“. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld erklärte, im Laufe des fünften Nachtrags zur Baugenehmigung des BER hätte es Änderungen an der elektronischen „Ansteuerung der Türen“ gegeben. Die Türen müssten computergesteuert im Brandfall geschlossen werden können. „Diese Änderungen mussten nachträglich integriert werden“, sagte Mühlenfeld. Dass es dabei Fehler gab, sei herausgekommen, als man damit begonnen habe, die ersten Türen in Betrieb zu nehmen. Nicht alle Anschlüsse seien korrekt verkabelt gewesen, einige Türen wurden auch beim Umbau beschädigt. Nun müssten alle Exemplare noch einmal überprüft werden. Zudem mussten zusätzliche Sprinkler eingebaut werden. Man könne im Moment nicht sagen, dass die Sprinkleranlage funktioniere. Doch das Türproblem scheint den Verantwortlichen schon längere Zeit bekannt zu sein. Zum einen nämlich ist es Teil der Brandschutzproblematik: Schon als 2012 der Flughafen eröffnet werden sollte, war die Rede von der legendären „Mensch-Maschine-Lösung“, bei der Studenten die Brandschutztüren im simulierten Brandfall manuell bedienen sollten. Das konkrete Problem ist dann laut Mühlenfeld im Herbst bekannt geworden. Eine Firma sei beauftragt worden, die Probleme zu lösen. „Man hat zusätzliches Personal auf die Baustelle gebracht, aber nicht so viel, wie nötig war, um den Zeitplan zu halten“, sagte Mühlenfeld. Der Aufsichtsrat sei im Dezember darüber informiert worden, dass es hier ein Problem geben könnte. Zudem hätten alle Aufsichtsratsunterlagen seit Januar 2016 Hinweise auf den Baufortschritt an dieser Stelle enthalten – was ein ausnehmend schlechtes Licht auf den Berliner Regierenden Bürgermeister wirft, der im Wahlkampf stets so tat, als gebe es beim Flughafen keinerlei Probleme mehr. Brandenburgs Flughafenkoordinator Bretschneider jedenfalls erklärte gestern: „Ich fühle mich nicht hinter das Licht geführt.“ Im Aufsichtsrat sei man „über Zahlen, Daten und Fakten je nach Kenntnis der Geschäftsführung und nach Kenntnis der handelnden Personen immer sachgerecht informiert worden“.

Die Opposition zeigte sich während der Sitzung schockiert. „Wenn der Aufsichtsrats-Vorsitzende nicht in der Lage ist, die Papiere so zu bearbeiten, dass er daraus Rückschlüsse ziehen kann, muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er in der Lage ist, diesen Posten zu bekleiden“, sagte der CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke. Er rechnet mit noch mehr schlechten Nachrichten am BER: „Ich habe Sorge, wenn man bedenkt, was wir da alles eingebaut haben, und noch nie getestet haben.“ Die Flughafengesellschaft betonte, dass erst alles fertig werden solle, und dann die Tests stattfinden würden.  
 

Kommentar: "Abbaggern  statt eröffnen" von Benjamin Lassiwe

Türen, die klemmen und Sprinkler, die nachträglich montiert werden müssen. Beim neuen Großflughafen BER geht auch weiterhin alles schief, was schiefgehen kann. Weswegen der Eröffnungstermin für den Flughafen vermutlich auch frühestens im Jahr 2025 genannt werden wird – wenn die bergrechtlichen Planungsverfahren zur Abbaggerung des Terminals und zur Eröffnung des Braunkohlentagebaus Schönefeld-Süd mit einem ersten Spatenstich des dann regierenden Ministerpräsidenten feierlich in die Wege geleitet werden.

 Nein, im Ernst. Dass es beim Großflughafen kurz nach der Berlin-Wahl eine neue Verschiebung des Eröffnungstermins geben würde, war so sicher, wie das Amen nach dem Vaterunser. Dass die Flughafengesellschaft noch eine gewisse Form der Kontrolle auf der Baustelle ausübt, ist ein Gerücht, um dessen Widerlegung sich Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld auch in der gestrigen Sitzung des Sonderausschusses nach Kräften mühte. Höhepunkt: Die Feststellung, dass die Baufirmen nach Arbeitsstunden bezahlt werden – Kunststück, dass sich dann niemand bemüht, irgendwie schneller fertig zu werden.  Die einzige Hoffnung, die es in Verbindung mit dem BER derzeit noch gibt, ist deswegen das Berliner Volksbegehren für den Erhalt des Flughafens Tegel. Denn wer heute immer noch ohne Not einen funktionierenden Flughafen schließen und sich auf die Bauruine im Süden der Hauptstadt verlassen will, kann auch zum Lotto-Schein greifen. Die Chancen auf einen Hauptgewinn dort dürften höher sein, als die Chancen darauf, dass nach der Eröffnung des BER nicht das ganz große Chaos im Berliner Luftverkehr ausbricht. 


 

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