Nummer eins mit Abstrichen

Viel Schelte hat Regierungschef Platzeck hat nach dem Zusammengehen mit der Linken einstecken müssen - auch aus den eigenen Reihen. Nun stellt er sich wieder zur Wahl als SPD-Landesvorsitzender.
Viel Schelte hat Regierungschef Platzeck hat nach dem Zusammengehen mit der Linken einstecken müssen - auch aus den eigenen Reihen. Nun stellt er sich wieder zur Wahl als SPD-Landesvorsitzender.

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12. Juni 2010, 01:57 Uhr

Potsdam | Die Angriffe waren ungewöhnlich scharf: Vor zwei Jahren nahm SPD-Landeschef Matthias Platzeck die aufstrebende Linke für das "Fiasko der abgewirtschafteten DDR" in Verantwortung. Der Ministerpräsident erinnerte bei einem Parteitag an die "kaputten Städte" und die "zerstörte Umwelt" nach 40 Jahren SED-Herrschaft. Als Nachfolger der SED wolle nun die Linke an die Macht. Doch dafür gebe es "weit und breit keinen Grund". Platzeck erntete damals viel Beifall bei seinen Genossen - und wurde mit fast 92 Prozent zum fünften Mal als Landesvorsitzender gewählt.

Heute will sich Platzeck bei einem Parteitag in Velten erneut bestätigen lassen. Massive Angriffe auf die Linke werden in seiner Rede vor den 135 Delegierten in der Ofen-Stadt-Halle aber nicht zu hören sein. Platzeck hat eine Kehrtwende vollzogen. Nach der Landtagswahl im Herbst hat er erstmals eine rot-rote Regierung geschmiedet. Dabei warb er ausdrücklich für Versöhnung auch mit ehemaligen Stasi-Zuträgern. Platzeck rief damit Empörung hervor.

Als dann nach der Regierungsbildung neue Stasi-Fälle innerhalb der Linken bekannt wurden, musste sich Platzeck zum Teil heftige Beschimpfungen anhören. Ihm ging das nahe, das war zu spüren. Doch er blieb bei seiner Entscheidung. Die CDU schien ihm mit dem Weggang wichtiger Führungspersönlichkeiten wie den ehemaligen Parteichefs und Ministern Jörg Schönbohm und Ulrich Junghanns nicht mehr zuverlässig genug.

Dem Ansehen des Ministerpräsidenten in der Bevölkerung hat die Kehrtwende zur Linken nicht geschadet. Im Frühjahr lag der 56-Jährige bei einer Umfrage weiter unangefochten auf Rang eins der Beliebtheitsskala. Die SPD legte im Vergleich zur Wahl sogar um zwei Punkte auf 34 Prozent zu. Zudem befürworteten 70 Prozent der Brandenburger Platzecks Versöhnungskurs.

Dass Platzeck auch innerhalb der SPD weiter die Nummer eins ist, steht außer Frage. Ob er bei seiner Wahl heute jedoch erneut die 90-Prozent-Marke knacken wird, bleibt abzuwarten. In seiner Rede wird er jedenfalls noch einmal das Thema Aufarbeitung aufgreifen. In einem Leitantrag räumt die SPD Fehler ein. Gerade die Sozialdemokraten mit ihren tiefen Wurzeln in der Opposition der DDR hätten sich stärker mit der Aufarbeitung beschäftigen müssen, heißt es.

Dass die SPD weiter die stärkste Kraft ist, liegt aber in der Schwäche der Opposition begründet. Abgesehen von der Linken gibt es keine ernste Konkurrenz. Die CDU hat sich als drittstärkste Kraft zu lange in parteiinternen Machtkämpfen aufgerieben. Nach Schönbohm und Junghanns ist Parteichefin Johanna Wanka abhandengekommen.

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