Ersatz für den Pfarrer : Novum: Roboter segnet Gläubige

Bless 2U wird beim Kirchentag in Wittenberg gezeigt.
Bless 2U wird beim Kirchentag in Wittenberg gezeigt.

Mit blitzenden Händen: Kirche lässt jetzt eine Maschine ran. Pfarrer sollen jedoch nicht ersetzt werden

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02. Mai 2017, 05:00 Uhr

Mit einem lauten Brummen hebt der Roboter seine Arme hoch. Die Hände breiten sich aus, mit einem Blitz beginnen sie zu leuchten. „Der Herr segne Dich und behüte Dich“, tönt eine noch etwas blechern klingende Stimme aus dem Inneren der Maschine. „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über Dir und gebe Dir Frieden.“ Die rund 1,80 Meter große Blechkiste mit einem großen Touchscreen in der Mitte ist „Bless 2-U“, Deutschlands erster Segensroboter. Eine Maschine, die die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau speziell für die Ende Mai in der Lutherstadt Wittenberg beginnende „Weltausstellung der Reformation“ entwickelt hat.

Besucher der Ausstellung können sich von der Maschine segnen lassen. Der Benutzer hat die Wahl zwischen einer Männer- und einer Frauenstimme, unterschiedlichen Segenssprüchen und Sprachen. Sogar hessisch babbeln kann der „Bless 2-U“. Und am Ende kann man den Segensspruch ausdrucken lassen und als Souvenir mit nach Hause nehmen. Doch dass ausgerechnet die Kirche den Segen Gottes durch eine Maschine verbreiten lässt, ist dabei zunächst einmal irritierend. Soll der Roboter künftig etwa das Pfarrpersonal ersetzen?

Nein, es habe nichts mit Pfarrermangel und Gläubigenschwund zu tun, sagt der Projektleiter der EKHN auf der Weltausstellung, Fabian Vogt. Es solle vielmehr eine „charmante Provokation“ sein. Heute lebe man in einer Zeit, in der beständig über künstliche Intelligenz debattiert werde. Vor diesem Hintergrund sollten sich die Besucher einmal Gedanken über ihr Verständnis des Segens machen, sagt Kirchenpräsident Volker Jung. Selbst bei Fernsehgottesdiensten werde heute noch darüber diskutiert, ob ein Segen eigentlich wirke, wenn er zeitversetzt gesendet werde.

„Aus evangelischer Sicht ist aber das Wort entscheidend, das transportiert wird“, sagte Jung. „Es hängt nicht an der sprechenden Person.“ Die „Weltausstellung der Reformation“ findet im Rahmen des Reformationsjubiläums vom 20. Mai bis 10. September in der mitteldeutschen Lutherstadt Wittenberg statt.

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