Rettungsdienst : „Notarzt-Light-Version“ stößt auf Kritik

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Ausbildung im Rettungsdienst wird erweitert. Mediziner fürchten jedoch negative Auswirkungen.

svz.de von
20. Dezember 2013, 22:04 Uhr

Die Ausbildung der Rettungsdienst-Mitarbeiter wird deutlich aufgewertet. Sie sollen in Zukunft teilweise Leistungen erbringen, für die früher allein Notärzte zuständig waren. Dafür tritt ab Januar eine entsprechende Gesetzesänderung in Kraft, an der Ärzte bereits jetzt scharfe Kritiküben. In brandenburgischen Rettungsdiensten wird die Novelle jedoch begrüßt. „Die Qualität der Ausbildung steigt deutlich“, sagt Armin Viert, Geschäftsführer des kommunalen Unternehmens in Märkisch-Oderland. Notfallsanitäter, wie sie künftig heißen, sollen medizinische Maßnahmen selbst durchführen, etwa Kanülen legen, Beatmungsschläuche einführen und starke Medikamente geben. Dies war bislang allein Notärzten vorbehalten.

Axel Fachtan, Chef des Rettungsdienstes in Oder-Spree, erhofft sich eine Entlastung der Notärzte. „Die Zahl ihrer Einsätze steigt, aber nicht die Zahl der Mediziner“, sagt er. „Wir brauchen Sanitäter mit hoher fachlicher Kompetenz, die auch schwierige Fälle beherrschen.“ In Brandenburg sei allerdings noch unklar, wann die neuen Richtlinien in Kraft treten. Im Potsdamer Gesundheitsministerium heißt es, dass erste Gespräche in einer Arbeitsgruppe stattgefunden hätten. Wann die Verordnung für die dreijährige Ausbildung in Kraft tritt, konnte Sprecher Achim Wersin nicht sagen. Dazu müssten erst bundesweite Festlegungen getroffen werden, so der Sprecher weiter.

In der Landesärztekammer ist man jedoch skeptisch. Die Politik versuche, mit anderen Mitteln den Medizinermangel abzufedern, sagte Sprecher Mark Berger. Die Ärztlichen Leiter der Rettungsdienste würden weiterhin die volle Verantwortung tragen, also sollten sie in die Ausbildung eingebunden werden.

Im Notfallsanitäter-Gesetz sei eine „viel zu weitgehende Freigabe“ von ärztlichen Leistungen vorgesehen, kritisierte die Bundesärztekammer in einer Stellungnahme. Dies führe zu einer Überforderung der Berufsgruppe. Es sei eine „Verminderung der Patientensicherheit“ zu erwarten. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie spricht von einer „Notarzt-Light-Version“ mit gravierenden Mängeln.

Diese Bedenken kann Marco König nicht nachvollziehen. „Es geht um die Rettung von Leben, und Sanitäter sind meist zuerst vor Ort“, sagt der Vorsitzende des Berufsverbandes der Rettungsdienste. Künftig könnten seine Kollegen auch diagnostisch arbeiten und gesundheitliche Schäden abwenden. Notärzte hingegen würden laut Statistiken immer später am Unfallort eintreffen, so König. Überhaupt lassen sich aus seiner Sicht die Standorte für Notärzte bündeln, da 40 Prozent ihrer Einsätze medizinisch nicht notwendig seien.

Das Gesundheitsministerium erwartet, dass 2014 die ersten Notfallsanitäter ausgebildet werden können. Personal lässt sich laut Geschäftsführer Viert leicht finden. „Wir haben Dutzende Bewerbungen für wenige Stellen.“

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