zur Navigation springen

Arge-Chefin über ihre Arbeit : Noch lange nicht am Ende

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Chefin der Neuruppiner Agentur für Arbeit blickt auf eine bewegte Karriere zurück – ihr Ehrgeiz ist bis heute geblieben

Die Zahl der Frauen in Führungspositionen liegt in der privaten Wirtschaft deutlich unter der der Männer. In der öffentlichen Verwaltung hingegen kann dieses Verhältnis anders sein, wie auch die Vorsitzende der Geschäftsführung der Neuruppiner Arbeitsagentur beweist. Cornelie Schlegel hat in ihrem Leben schon viele Herausforderungen gemeistert.

Wenn sie anfängt, über Maler wie Picasso zu reden, kommt sie aus dem Schwärmen kaum noch heraus. Besonders angetan hat es Cornelie Schlegel die Abstraktheit des Expressionismus. In Büro in der dritten Etage der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit hängen zwischen der sonst schlichten Büroeinrichtung zwei Werke des Brandenburger Künstlers Klaus Handschuh. „Die habe ich gesehen und meinte, dass ich gern ausprobieren würde, wie die in meinem Büro wirken. Seitdem hängen sie hier“, erzählt die 62-Jährige.

Seit zehn Jahren lebt die gebürtige Recklinghäuserin in Neuruppin. Als Vorsitzende der Geschäftsführung sorgt sie in der Agentur für Arbeit mit dem flächenmäßig größten Bezirk im Bundesgebiet für klare Strukturen. Für rund 400 Mitarbeiter trägt sie Verantwortung, in ihrer Anfangszeit waren es 720. „Sie sitzen noch alle im Haus, gehören durch Umorganisation aber zu anderen Agenturen.“

Cornelie Schlegel hat viele Veränderungen mitgemacht - bewusst. Wenn die Frau mit den kinnlangen, grauen Haaren ihren Werdegang erzählt, stellt sich das Gefühl ein, dass sie immer wieder die Herausforderung sucht.

Begonnen hat ihre Karriere in der Heimatstadt im Ruhrgebiet. Nach zwei wenig erfüllenden Semestern Lehramtsstudium entschied sie sich, an der Berufsakademie den Weg der „Beratungsanwärterin“ einzuschlagen. „Ich glaube, heute wäre ich damit Fallmanager.“ Das Studium, das ihr Kenntnisse in Betriebswirtschaftslehre, Methodik der Gesprächsführung und rechtliche Aspekte vermittelte, legte den Grundstein für eine bewegte Karriere. Die führte sie von 1975 bis 1990 zunächst in die Arbeitsvermittlung nach München.

Mit der Wende bot sich ihr eine große Chance. Cornelie Schlegel ging nach Chemnitz und half mit, die Struktur der Arbeitsämter aufzubauen.

„Da gab es den Job, den ich unbedingt wollte und den ich in München nie bekommen hätte. Das hat Spaß gemacht, ich war von der ersten Stunde an dabei“, erinnert sie sich. In wenigen Monate hatte Cornelie Schlegel mehr als 200 Personalgespräche. Dabei stieß sie oft auf Missverständnisse, die aus Unterschieden zwischen Ost und West herrührten. „Die Verwaltung, die ich aus München kannte, gab es dort einfach nicht“, sagt sie.

Das eine oder andere Missverständnis ließ sich nicht vermeiden. Dass sie von den Eltern früh gelernt hatte, Entscheidungen gut zu durchdenken und dafür die Verantwortung zu übernehmen, kam ihr in der Situation zugute. „Ich habe alles mit Überzeugung gemacht. Das hilft einem auch in schwierigen Situationen weiter“, erklärt sie mit fester Stimme.

Mit Vorurteilen, denen sie als Westbürgerin begegnete, lernte sie schnell umzugehen. Dennoch war es für sie eine größere Herausforderung, als sich als Frau durchsetzen zu müssen. „Ich hatte Glück, dass ich immer Befürworter hatte, die mich gefördert haben. Ich war nie in der Situation, in der ich dachte, wie viel Mann muss ich sein, um eine gute Frau zu sein.“

Der Umzug von West nachOst reichte Cornelie Schlegel nicht. Um sich beruflich zu entwickeln, wechselte sie 1994 als Leiterin der Leistungsabteilung, die unter anderem Arbeitslosengeld und Familienkasse verwaltet, nach Ost-Berlin. Dass sie gern Dinge macht, die ihr völlig neu sind, bewies sie mit dem Ausflug ins Controlling, für den sie nach eigenem Bekunden alles andere als prädestiniert war. Ende 2002 bekam sie die Chance, Vorsitzende einer Geschäftsführung zu werden: zuerst für sechs Monate in Frankfurt (Oder), dann in Helmstedt bei Wolfsburg.

Im Januar 2006 folgte für Cornelie Schlegel der vorerst letzte Arbeitsort-Wechsel – nach Neuruppin. „Ich hatte die Stadt aus meiner Zeit in Berlin in guter Erinnerung. Als die Stelle ausgeschrieben wurde, habe ich die Chance ergriffen.“ Nicht nur die höher dotierte Stelle, auch die Nähe zur Hauptstadt gefiel ihr. Heute, gibt sie zu, nutzt sie diese kaum noch. Sie lebt gern in Neuruppin. „Ich finde es toll, wie sich die Stadt in den letzten zehn Jahren entwickelt hat.“ Neben beruflicher Karriere sei ihr immer ein schönes Privatleben wichtig gewesen, betont sie.

Mit ihrem Lebensgefährten, den sie 1998 in Berlin kennenlernte, führt sie meist eine Fernbeziehung. Heute pendelt das Paar zwischen Magdeburg und Neuruppin, sieht sich an den Wochenenden. „Das hat den enormen Vorteil, dass ich mich wochentags auf meine Arbeit konzentrieren kann“, sagt sie. Kinder hat Cornelie Schlegel keine.  

zur Startseite

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 08:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen