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Brandenburg

11. Dezember 2017 | 06:56 Uhr

Noch ist Platz unter der Deichkrone

vom

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erstellt am 19.Mai.2010 | 07:07 Uhr

Frankfurt/Potsdam | Auf der Frankfurter Oderpromenade ist es trocken. Der Grenzfluss führt am Dienstag reichlich Wasser, bis zum oberen Rand der nach der Jahrhundertflut von 1997 erneuerten Kaimauern ist bei einem Pegel von gut 3,30 Meter aber noch viel Platz. Die unterste Hochwasser-Alarmstufe 1 wird in Frankfurt an der Oder erst bei 4,20 Meter ausgerufen. Das wird in den nächsten Tagen geschehen, denn die Wasserstände im polnischen Oberlauf der Oder sind in den vergangenen Stunden dramatisch gestiegen. Die Hochwasserwelle soll laut Prognosen voraussichtlich am Pfingstwochenende Deutschland erreichen.


Der südlichste polnische Oder-Pegel nahe der tschechischen Grenze in Miedonia schnellte nach Daten des Brandenburger Landesumweltamts seit Sonntag um fast 3,70 Meter in die Höhe. Der Wasserstand erreichte dort am Dienstag 8,83 Meter, das sind nur noch rund 1,60 Meter unter dem 97er Höchstwasserstand von 10,45 Meter. Bis gestern blieb er aber konstant.

Die Flutwelle soll Deutschland voraussichtlich an den Pfingstfeiertagen erreichen. Im südlichsten deutschen Oder-Ort Ratzdorf wurden gestern mit 4,07 Meter lediglich neun Zentimeter mehr als am Vortag gemessen. Das Landesumweltamt prognostiziert bis morgen einen weiteren Anstieg auf maximal 4,20 Meter. Das wären immer noch 45 Zentimeter unter dem Richtwert für die niedrigste Alarmstufe.


Noch kann niemand exakt voraussagen, wie hoch die Wasserstände an der deutschen Oder diesmal ausfallen werden. Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) erwartet "wahrscheinlich keine so kritische Situation wie 1997". Derzeit seien Pegelanstiege bis in den Bereich der - zweithöchsten - Alarmstufe 3 zu erwarten. Tack verweist darauf, dass die polnischen Experten ihre Prognosen für den Pegel Miedonia von einem Höchststand von rund 9,50 Meter um einen halben Meter nach unten korrigiert hätten. Der Scheitel komme dann am Pfingstmontag auf die Region zu. Mit den polnischen Behörden gebe es eine gute Zusammenarbeit. "Alle drei Stunden werden Daten ausgetauscht", sagte sie. "Wir wollen die Menschen in der Region ein bisschen beruhigen." Demnächst werde entschieden, ob Polder geöffnet werden.


Sicherer sei die Lage heute auch deshalb, weil in Polen Rückhaltebecken entstanden und die Brandenburger Deiche seit 1997 weitgehend saniert worden seien, sagt Tack. Das Landesumweltamt empfiehlt dennoch, die Ländereien vor den Deichen zu räumen. Zudem müssten möglicherweise Flutungspolder an der Oder geöffnet werden.


In der Region um Ratzdorf, wo die Oder Deutschland erreicht, bereitet man sich auf die Flut vor. "Wenn die Hochwasser-Alarmstufe 3 ausgelöst werden sollte, wird hier ein Kontrollsystem durch Deichläufer aktiviert", sagt der zuständige Neuzeller Amtsdirektor Hans-Georg Köhler (parteilos). Ein Hochwasser der Stufe 3 werde beherrschbar sein. Er fühle sich sicherer als 1997, weil Teile der Deiche inzwischen saniert seien. Insbesondere die Deichlücke in Ratzdorf, wo man bei einer Flut mit Sandsäcken arbeiten müsste, sei geschlossen worden.

Biber sind schon ausgezogen
Der Termin der alljährlichen Deichschau im Oderbruch in Brandenburg war für gestern bereits seit langem angesetzt. Mit dem Hochwasser der vergangenen Tage in Polen und Tschechien gewann die reguläre Kontrolle aber besondere Brisanz. Der anhaltende Nieselregen beunruhigte die Fachleute nicht, die vom frühen Morgen an den 70 Kilometer langen Abschnitt zwischen Hohensaaten und Groß Neuendorf im Märkisch-Oderland in Augenschein nahmen. "Es ist alles in Ordnung. Die Deiche sind sicher", stellte der Referatsleiter Hochwasserschutz und Wasserbau im Landesumweltamt, Thorsten Thaddey, fest. Dann war aber doch noch etwas nicht ganz normal: Die sonst am Wasser hausenden Biber zeigten sich nicht den Kontrolleuren. Die etwa 80 Röhrengänge - und nicht nur die Eingänge - der unter Schutz stehenden Tiere liegen unter Wasser. Sie suchen sich nun trockenes Terrain für ihre Bauten. Im Deich, der dann Schaden nehme, seien sie aber noch nicht beobachtet worden, sagte Thaddey.


Experten der betroffenen Landkreise, des Landesumweltamtes, von Katastrophenschutz, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr schauen sich zweimal im Jahr genau um. Im Land gibt es rund 1365 Kilometer Deiche - der Großteil mit 180 Kilometern am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder. Knapp 80 Kilometer sind es an der Elbe, der Rest an Nebenflüssen wie Havel, Spree, Schwarze Elster oder Stepenitz.

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