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Cottbus sucht neues Leitbild : Nicht nur der Postkutscher

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Cottbus will das eigene Image für Touristen, aber auch für sich selbst kräftig aufpolieren. Wie soll das gehen?

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2017 | 05:00 Uhr

„Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten“ - Der Zungenbrecher über Brandenburgs zweitgrößte Kommune ist vielen geläufig. Aber was fällt zu der Stadt noch ein? Cottbus arbeitet gerade am eigenen Profil. Stärker als familienfreundliche Stadt zwischen Berlin und Dresden wahrgenommen werden, mehr mit dem grünen Erbe von Fürst Pückler wuchern und es damit auf die Liste des Unesco-Welterbes schaffen. Das sind einige Ziele des neuen Leitbilds.

Cottbus ist eng verknüpft mit der Braunkohlenindustrie. Zu DDR-Zeiten galt die Stadt als Kohle- und Energiebezirk, wie das Cottbuser Stadtmuseum zeigt. Heute liegt in der Lausitz immer noch das zweitgrößte Revier in Deutschland. Der Tagebaubetreiber Leag hat seinen Sitz in der Stadt. Wegen der Klimaziele, die sich Deutschland gesteckt hat, befindet sich die Region mitten in einem Strukturwandel. Im Umland wird Braunkohle derzeit in zwei Gruben gefördert. Ende 2015 schloss die bis dahin noch dritte Grube Cottbus-Nord.

Die Stadt hat seither ein mächtiges Projekt vor der Tür: Aus dem riesigen Tagebau-Loch entsteht in den nächsten Jahren der laut Tagebau-Betreiber größte künstliche See Deutschlands mit einer rund 1900 Hektar großen Wasseroberfläche. Ab 2018 wird voraussichtlich geflutet. Baden statt baggern - viele erhoffen sich touristische Effekte für die Region.

Der Cottbuser Ostsee - so der Name - war ein Grund, warum sich viele Akteure der Stadt mit Bürgern zusammensetzten, um ein neues Leitbild zu erstellen, erläutert Stadtmarketing-Geschäftsführerin Gabi Grube.

Das See-Projekt schlage eine Brücke zu Fürst Pückler (1785-1871), der Mitte des 19. Jahrhunderts damals noch vor den Toren von Cottbus eine Parklandschaft aus dem Boden stampfen ließ, in der sich heute das Wahrzeichen der Stadt befindet: Die Erdpyramide in einem See, die auch Ruhestätte des exzentrischen Fürsten ist.

Im Leitbild wird immer wieder auf die Pyramide verwiesen. Die Stadt will sich dafür einsetzen, dass der Branitzer Park Unesco-Welterbe wird. Der Pückler-Park in Bad Muskau in der Oberlausitz ist es bereits. „Wir wollen Cottbus neu in die Vermarktung bringen, weil wir immer noch ein Imageproblem haben“, so Grube. Eine bundesweite Umfrage, die die Stadt veranlasste, habe ergeben, dass vielen zu Cottbus nur wenig einfalle. Der Fußballverein Energie Cottbus zum Beispiel, der längst aus der 1. Bundesliga bis in die Regionalliga abgestiegen ist.

Es habe auch Befragte gegeben, denen zur Kommune in der Grenzregion zu Polen gar nichts eingefallen sei. „Viele haben kein klares Bild von der Stadt“, sagt Grube. „Als liebenswerte und lebenswerte Stadt sind wir zu wenig bekannt.“ Doch gerade das biete die Kommune, die derzeit um den Erhalt der Kreisfreiheit im Zusammenhang mit der von der Brandenburger Landesregierung geplanten Verwaltungsstrukturreform kämpft.

Zur Wendezeit lebten in Cottbus 130 000 Einwohner. Heute sind es mit den Eingemeindungen seit einiger Zeit wieder knapp über 100 000. Die Stadt in der Niederlausitz ist auch das kulturelle Zentrum der Sorben und Wenden in Brandenburg. Es gibt mehrsprachige Kitas und Schulen sowie zweisprachige Straßen- und Ortsschilder.

Als ein wichtiger Motor gilt die Uni. Dabei hatte es auf dem Campus noch vor Jahren einen Aufschrei gegeben, als die technisch geprägte Hochschule mit der Fachhochschule Lausitz (FH) zur Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) fusionierte. Die Kritiker sind leiser geworden, von vielen wird der Zusammenschluss inzwischen als Erfolg angesehen. Im Leitbild wird die BTU als Impulsgeber beschrieben. Geplant sind unter anderem Räume für Existenzgründer und ein Coach, der Kontakt zur Kreativszene sucht.  

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