Weniger Aktive aber mehr Einsätze : Nicht mehr voll einsatzfähig

Personeller Notstand: Ohne neue Impulse und Entlastungen drohen die märkische Feuerwehren personell weiter auszubluten.
Personeller Notstand: Ohne neue Impulse und Entlastungen drohen die märkische Feuerwehren personell weiter auszubluten.

Der Rückgang der Aktiven macht den freiwilligen Feuerwehren zu schaffen /Helfen soll das neue Brand- und Katastrophenschutzkonzept

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02. März 2019, 05:00 Uhr

Der Gedanke an die Zukunft der freiwilligen Feuerwehren treibt Werner-Siegwart Schippel manche Sorgenfalte ins Gesicht. „Durch den Mitgliederrückgang sind Ortsfeuerwehren in den ländlichen Regionen schon jetzt tagsüber stellenweise nur noch zu 25 Prozent einsatzfähig, sagt der Präsident des Landesfeuerwehrverbands Brandenburg.

Wenn das Innenministerium in wenigen Wochen Angaben zu den 199 freiwilligen Feuerwehren im Land macht, erwartet Schippel wieder einen Rückgang der Aktiven. „Ich rechne mit etwa 37 200.“ Das wären abermals 1000 weniger als vor einem Jahr.

Deutschlandweit sinken die Mitgliederzahlen der freiwilligen Feuerwehren. Während der Rückgang im Bundesschnitt von 2010 bis 2015 bei vier Prozent lag, erreichte die Mark mit einem Minus von 14 Prozent einen Spitzenwert. Das sei vor allem der gestiegenen Mobilität der Brandenburger geschuldet, erklärt Schippel, der seit 1972 Feuerwehrmann ist. „In keinem Bundesland gibt es so viele Berufspendler wie hier. Die Leute stehen dann tagsüber nicht zur Verfügung.“

Durch den Rückgang der Einsatzkräfte mussten viele Ortsfeuerwehren aufgeben. Ende 2010 gab es noch 1904, im September 2018 nur noch 1751. Früher habe man einen Wohnungsbrand mit einem Löschzug bekämpft, erinnert sich Schippel. Heute müssten mehrere Wehren alarmiert werden, um voll einsatzfähig zu sein.

Holger Neumann, Chef der Freiwilligen Feuerwehr Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) mit zwölf Ortswehren und rund 540 Aktiven, sieht in den zunehmenden Bagatellfällen eine Belastung. „Teilweise haben wir doppelt so viele Einsätze wie vor zehn Jahren“, berichtet er.

Es würden viele unnötige Alarme ausgelöst, so wenn beim Nachbarn mal das Fensterrollo unten bleibt oder der Briefkasten überquillt. „Manche Türnotöffnung könnten die Schlüsseldienste übernehmen.“ Oft rufen Pflegebedürftige nachts die Feuerwehr an, weil sie den Pflegedienst nicht erreichen. „Das muss in den nächsten Jahren zurückgefahren werden“, fordert Neumann.

Verbesserungen erwartet Schippel von der Neuordnung des Brand- und Katastrophenschutzes im Land, die in einer ersten Stufe bis 2020 umgesetzt werden soll. Künftig sollen Kommunalbedienstete auch Feuerwehraufgaben übernehmen und das Dienstalter in den Einsatzabteilungen von 65 auf 67 Jahre steigen. Auch das System der Stützpunktfeuerwehren soll weiterentwickelt werden. Weitere Schritte sind für die kommende Legislaturperiode vorgesehen.

Noch vor der Sommerpause soll ein neues Prämien- und Ehrenzeichengesetz in Kraft treten, wonach die Aktiven für ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei Feuerwehren, Katastrophenschutz und Technischem Hilfswerk alle zehn Jahre eine Prämie von 500 Euro erhalten würden. Zudem ist eine jährliche Aufwandsentschädigung von 200 Euro geplant.

Nach dem vom Kabinett bereits beschlossenen Entwurf für das Brandenburgische Brand- und Katastrophenschutzgesetz soll die Feuerwehr künftig auch für Leistungen, die nicht zu ihren Kernaufgaben gehören, vermehrt Rechnungen ausstellen können. Von den rund 33 000 technischen Hilfsleistungen der Freiwilligen Feuerwehren entfielen 2017 nach Angaben des Innenministeriums rund 2400 auf die Beseitigung von Ölspuren auf Straßen, knapp 2800 auf Türnotöffnungen und rund 2700 auf Tragehilfen für andere Rettungsdienste.

Schippel zufolge wäre es möglich, die Fahrbahnreinigung von Ölspuren den Verursachern in Rechnung zu stellen; und für die Tragehilfen müssten die Krankenkassen aufkommen. Mit den Einnahmen könnten dann die Feuerwehren besser ausgestattet werden.

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