Land braucht mehr Palliativbetreuung : Nicht allein in den letzten Stunden

Jeder Mensch sollte am Lebensende eine Hospiz- und Palliativversorgung erhalten.
Jeder Mensch sollte am Lebensende eine Hospiz- und Palliativversorgung erhalten.

Die Hospiz- und Palliativversorgung in Brandenburg ist weiter ausbaufähig besonders in Krankenhäusern und Pflegeheimen

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12. April 2018, 05:00 Uhr

Irgendwann ist es für jeden Menschen soweit: Gut 30 000 Brandenburger sterben jedes Jahr, manche im hohen Alter, viele auch nach schwerer Krankheit. Oft werden sie monatelang in Krankenhäusern behandelt, erhalten Chemotherapien und liegen an Medizintechnik angeschlossen auf der Intensivstation. Um diesen Patienten zu helfen, gibt es Palliativmedizin und Hospizbetreuung – auch in Brandenburg.

Doch noch kann nicht jeder Sterbenskranke im Land diese Angebote so in Anspruch nehmen, wie es wünschenswert wäre. Das wurde am Mittwoch bei der Anhörung im Potsdamer Ausschuss für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Frauen deutlich: Dort ging es um die 2010 verabschiedete „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“. Sie regelt, dass jeder schwerstkranke und sterbende Mensch ein Recht „auf eine umfassende medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung und Begleitung“ habe, die „seiner individuellen Lebenssituation und seinem hospizlich-palliativen Versorgungsbedarf“ Rechnung trage. Doch während die Charta bundesweit von fast 2000 Organisationen und Institutionen unterzeichnet wurde - in Bayern beispielsweise vom Freistaat, vielen Landkreisen, Städten und Gemeinden – haben in Brandenburg neben dem Fachministerium nur knapp 20 Pflegeheime und Hospizvereine unterschrieben.

Das sei ausbaufähig, sagte Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Jeder, der die Charta unterzeichne, verpflichte sich, ihre Ziele voranzubringen. Und einen Ausbau könnten die Hospiz- und Palliativangebote Brandenburgs vertragen.

„Die Idee des Gesetzgebers, Palliativdienste in Krankenhäusern zu implemtieren scheint zu scheitern, weil außer in Schleswig-Holstein keine auskömmliche Finanzierung da ist“, so Melching. Wichtig sei es auch, die Palliativversorgung in Pflegeheimen zu verbessern. „Kein Pflegeheim kann aus den dafür vorgesehenen Mitteln eine vernünftige Palliativversorgung bezahlen.“

Deutlicher wurde die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ursula Nonnemacher. Die Ärztin beklagte, Sterben werde in unserer technokratischen Logik als Wettbewerbsnachteil angesehen.. „Es gibt Pflegeheime mit der Philosophie: Das Krankenhaus ist fünf Minuten weg - bei uns wird nicht gestorben“, sagte Nonnemacher. Der CDU-Abgeordnete Raik Nowka verwies darauf, dass viele Angehörige Angst vor einem Drehtüreffekt haben, bei denen Patienten immer wieder neu ins Krankenhaus eingeliefert werden, und dort dann schließlich sterben.

Hilfreich wäre es, wenn ein ambulanter Hospizdienst grundsätzlich immer bei der Entlassung unheilbar kranker Patienten aus dem Krankenhaus eingebunden würde, sagte Renate Schwarz von der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Brandenburg.

Hilfreich wäre auch, wenn Krankenhäuser und Hospizdienste enger kooperierten. „Es ist doch schön, dass jemand, der am eigenen Leib erfährt, zu den Sterblichen zu gehören, nicht sofort Angstattacken kriegen muss“, sagte Melching. „Es ist doch schön, dass wir den Menschen versichern können, dass sie auch im Sterben nicht alleine sind.“

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