Weniger Brutvögel in Brandenburg : Nicht alle Vögel sind noch da...

Wo ökologischer Feldbau betrieben wird, nimmt zumindest die Population der Feldlerche nicht so stark ab wie andernorts in Brandenburg.
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Wo ökologischer Feldbau betrieben wird, nimmt zumindest die Population der Feldlerche nicht so stark ab wie andernorts in Brandenburg.

Die Antwort der Landesregierung auf eine „Große Anfrage“ der Grünen offenbart dramatische Rückgänge bei Brutvögeln

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18. September 2017, 05:00 Uhr

Die Blauracke, die Kornweihe und der Triel sind in Brandenburg schon ausgestorben. Der Spießente, dem Birkhuhn oder dem Kampfläufer könnte das gleiche Schicksal drohen. „Wohl erloschen“ heißt es in einer Übersicht der Brandenburger Landesregierung zu den Brutvorkommen seltener Vogelarten, die das von Jörg Vogelsänger (SPD) geführte Umweltministerium im Rahmen einer Antwort auf eine „Große Anfrage“ der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag gab.

Bei insgesamt 35 Vogelarten hat es demnach in den letzten Jahren eine Abnahme der Brutpaare um mehr als 50 Prozent gegeben – bei gut 34 Arten nahm die Zahl der Brutpaare um 50 Prozent zu. Ein Beispiel ist der Seggenrohrsänger: Obwohl das Land zusammen mit Polen und Mecklenburg-Vorpommern umfangreiche Schutzmaßnahmen für die bedrohte Art ergriffen hat, ist seit 2015 in Brandenburg kein Brutpaar mehr nachweisbar.

Dabei ist es auch abhängig von der Art der Landnutzung, wie es den Vögeln geht: Während es bei Vogelarten, die an Gewässern leben, laut Ministerium eine „überwigend stabile bis positive Situation“ gab, und auch bei den Waldvögeln eine „etwa ausgeglichene Bilanz“ herrschte, sei bei Vogelarten im Siedlungsbereich und in der Agrarlandschaft eine „rückläufige Bestandsentwicklung“ zu verzeichnen gewesen. Der zunehmende Maisanbau in Brandenburg habe beispielsweise eine Negativrolle gespielt. „Die Zunahme von Mais nach der Abschaffung der konjunkturellen Stilllegungen fand oftmals auf vorherigen Brachen statt“, schreibt das Potsdamer Umweltministerium in seiner Antwort. „Besonders artenreiche Lebensräume wurden durch eine besonders artenarme Kultur ersetzt.“ Viele Feldvogelarten könnten in Mais nicht erfolgreich brüten, „da die Bestellung jahreszeitlich sehr spät erfolgt, die Kultur schnell, dicht und hoch aufwächst, sehr beikraut- und insektenarm gehalten wird und damit nahrungsarm ist.“

Anders sieht es beim ökologischen Landbau aus. Als ein Positivbeispiel nennt das Ministerium die Gemarkung Brodowin, wo das gleichnamige Ökodorf seit 1990 ökologisch wirtschaftet: „Untersuchungen des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und des Ökodorf Brodowin e.V. haben ergeben, dass die meisten typischen Vogelarten der Agrarlandschaft, etwa die Feldlerche, der Neuntöter oder die Grauammer in der Gemarkung Brodowin etwa zwei- bis fünffach so hohe Dichten erreichen, wie in der ähnlich strukturierten, aber nicht ökologisch bewirtschafteten Nachbargemarkung Groß-Ziethen.“ Ein Lieblingsthema der Grünen aus den letzten Jahren wird dagegen zurückgewiesen: Auch in der Antwort auf die „Große Anfrage“ verneint das Ministerium, dass der Spargelanbau unter Folie Auswirkungen auf das Vorkommen von Vogelarten in Brandenburg hat. In Ortschaften dagegen ist es besonders die Gebäudesanierung und der Umbau von Scheunen und Ställen in Wohngebäude, der negative Auswirkungen auf den Bestand vieler Vogelarten hat. Dem könne aber durch das Anbringen künstlicher Nisthilfen begegnet werden.

Auf Nachfrage des „Prignitzer“ bewertete der Grünen-Abgeordnete Benjamin Raschke das Ergebnis der Anfrage seiner Fraktion als „frappierend“. „Von 39 Brutvogelarten in der Agrarlandschaft haben 30 abgenommen, der Bestand bei Kiebitz oder Rebhuhn ist nur noch halb so groß wie 1995“, sagte Raschke. „Die Landesregierung hat uns schwarz auf weiß bestätigt, dass das etwas mit der Intensität der Flächennutzung zu tun.“ Aus Sicht der Grünen müssten deswegen die sogenannten Agrarumweltmaßnahmen aufgestockt werden. So sollte es verstärkte Bracheprämien für Landwirte geben.

„Das Beispiel Brodowin zeigt auch, dass es Sinn macht, den Ökolandbau auszubauen“, sagt Raschke. „Denn der Ökolandbau hat einen deutlichen Effekt auf die Brutvögel.“
 

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