Wiedereröffnung nach zwölf Jahren : Neustart für Freyensteins Kaufhalle

Hans-Herbert Gutz steht vor der früheren Kaufhalle. Der Konzertveranstalter will die Einkaufsstätte nach zwölf Jahren Leerstand als soziokulturelles Zentrum wiedereröffnen.
Hans-Herbert Gutz steht vor der früheren Kaufhalle. Der Konzertveranstalter will die Einkaufsstätte nach zwölf Jahren Leerstand als soziokulturelles Zentrum wiedereröffnen.

Mit ihrer Schließung starb auch das Gemeindeleben /Neustart als Vorbild auch für andere ländliche Regionen?

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26. März 2019, 05:00 Uhr

Noch bis vor ein paar Tagen klebten alte Kunststofffolien an den Fenstern, hingen Elektrokabel von der Decke. Im Ostprignitz-Ort Freyenstein stand die 200 Quadratmeter große einstige Kaufhalle zwölf Jahre lang leer. Doch mit der ortsweiten Aktion „Frühjahrsputz“ am Sonnabend halfen viele Einwohner, diese Spuren zu beseitigen. „Am 6. April wird die Halle wieder eröffnet“, sagt Hans-Herbert Gutz, der diesem Tag seit Wochen entgegenfiebert und dafür alle Hebel in Bewegung gesetzt hat.

Vorerst sonnabends soll die Halle aber mehr bieten als nur kulinarische Spezialitäten der Region. „Neben dem Einkaufen und Genießen soll das ein Ort werden, wo sich die Einwohner treffen und Neuigkeiten austauschen können, der aber hoffentlich auch überregional Besucher anziehen wird“, sagt der Kulturmanager, der mit seiner Frau Ellen Mädler-Gutz im August 2017 aus dem niedersächsischen Vechta nach Freyenstein zog. Bis zum Ruhestand im nächsten Jahr arbeitet die Bildhauerin und Grafikerin Mädler-Gutz noch als Professorin für Kunstpädagogik an der Universität Vechta.

Längst haben die zwei Neubürger des 800 Einwohner zählenden Ortes, der seit 2003 zu Wittstock/Dosse gehört, weitere Projekte im Blick. Profitieren kann der 69-Jährige dabei von seinen Erfahrungen als Kulturmanager. Anfang der 1980er Jahre organisierte er in West-Berlin zwei Großveranstaltungen der Initiative „Künstler für den Frieden“, für die er die Dirigentenlegende Herbert von Karajan als Schirmherren gewinnen konnte, wie er berichtet.

Mit seiner später gegründeten Agentur KulturInitiative organisierte er ein legendäres Konzert der Rockband Scorpions auf einer schwimmenden Bühne in der Wesermündung. In seiner Kundenkartei finden sich Namen bekannter Schauspieler und Musiker, darunter Hanna Schygulla, die er mehr als 20 Jahre lang betreute, Hardy Krüger, mit dem er etliche Lesungen veranstaltete, Karl Dall und Ulrich Tukur.

Zu den vielen Bürgern, die Gutz unterstützen, zählt Andrea Müllenberg vom Förderverein Freyenstein. Sie findet es toll, „dass endlich jemand kommt, der nicht nur etwas ankündigt, sondern es auch macht - und das auf kurzem Wege“. Auch etliche Mitglieder ihres Vereins hätten geholfen, die Markthalle wieder in Schuss zu bringen.

Auch die Stadt Wittstock greift Gutz unter die Arme, zahlt Strom und Wasser in der Halle. „Ich bin froh, dass mit Herrn Gutz wieder Hoffnung am Marktplatz aufkommt“, sagt Bürgermeister Jörg Gehrmann (parteilos) und fügt hinzu: „So eine Initialzündung von außen scheint dem Ort gefehlt zu haben.“ Gehrmann hofft, dass sich aus der Markthalle „etwas erwächst, was hilft, die Lebensqualität auch in anderen ländlichen Gemeinden zu fördern“.

Noch etwas skeptisch ist Manfred Engel. „Wenn das klappen würde, wäre es eine tolle Sache“, sagt der Ortsvorsteher Freyensteins. „Ich sehe schon seit über zehn Jahren, wie es hier bergab geht.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass jemand, den im Ort niemand kennt, das ändern könnte. „Natürlich unterstütze ich Herrn Gutz, wir wollen alle, dass es hier voran geht.“ Dafür kandidiert Gutz auch als parteiloser Kandidat auf der Linken-Liste fürs Stadtparlament in Wittstock.

Helfen könnte das auch seinem Projekt „Kreativquartier“, für das er ein leerstehendes Schulgebäude in Freyenstein nutzen will. Dort sollen Künstler, Architekten, Maler und Autoren mit einem Stipendium residieren und Ideen entwickeln, um ländliche Regionen attraktiver zu machen. In einem benachbarten einstigen Garagenbau könnten kleine Ateliers für Künstler entstehen.

Mit Bürgermeister Gehrmann habe er bereits über die künftige Nutzung des leerstehenden Schulgebäudes gesprochen. Germanns Büro helfe ihm auch, Anträge für eine EU-Förderung auszuarbeiten, verrät Gutz. „Wenn die Markthalle auf den Beinen steht, geht es weiter mit dem Kreativquartier.“

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