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Brandenburg

21. November 2017 | 20:35 Uhr

Neues Leben in Zippelsförde

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Deutsche Gesellschaft für tiergestützte Therapie ist Besitzerin / Vorsitzende möchte Archehof einrichten / Schulklassen willkommen

svz.de von
erstellt am 28.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Seit April gibt es wieder Bewegung in der ehemaligen Umweltbegegnungsstätte in Zippelsförde (Ostprignitz-Ruppin). Wo früher Schulklassen untergebracht waren, sollen ab kommendem Jahr vor allem Tiertherapeuten ausgebildet werden. Doch auch ein Archehof ist geplant. Und auf eines legt die neue Besitzerin Wert: Wenn alles läuft, sind auch Besucher gern gesehen.

Es hat sich schon viel verändert in den Räumen, in denen früher die Schüler ihre Experimente machen konnten. Die untere Etage ist renoviert. Die Zimmer wirken weit, hell und freundlich. In der großen Küche mit langem Tisch und einigen Stühlen steht Angela Zimmermann. Sie ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für tiergestützte Therapie. „Seit April haben wir einen Schlüssel für das Haus und sind seitdem täglich hier“, verrät die 41-jährige Psychologin, die früher in Berlin eine Praxis für Traumatherapie hatte. Durch einen Zufall hatte die Gesellschaft von dem Kaufangebot erfahren. „Wir wollten uns ohnehin verändern und einen größeren Standort im Bildungsbereich aufbauen. Als wir uns das Grundstück angesehen haben, haben wir uns sofort verliebt“, so Zimmermann. Vorher hatte der Verein in Teltow-Fläming seinen Sitz. Doch zum einen ließen sich die geplanten Angebote räumlich nicht umsetzen. Zum anderen war der Verein dort nur Mieter.

Seit dem Frühjahr wurden auch die Außenanlagen gepflegt und die ersten Weiden für die Tiere abgezäunt. Dort leben 13 Moorschnucken als natürliche Rasenmäher und zwei Therapiepferde,der 16-jährige Haflinger Rico und das 22-jährige Brandenburger Warmblut Ali. Später sollen weitere Pferde für die Ausbildung hinzukommen.

Der Grund, warum die Gesellschaft den Ort erworben hat, ist vorrangig die Aus- und Weiterbildung von Tiertherapeuten. Zimmermann wirkt bereits eng mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) zusammen. So wird ein bundeseinheitlicher Standard für den IHK-zertifizierten Abschluss entwickelt. geht alles gut, soll es noch 2017 einen ersten Pilot-Lehrgang für die Ausbildung in Zippelsförde geben. Dabei geht es um Tierschutz und Patientensicherheit. Zimmermann ist zudem Mitglied des IHK-Kompetenzzentrums „Freizeitwirtschaft Mensch und Tier“. Auf lange Sicht soll es um mehr als die Therapeuten gehen. Ab 2018 hofft sie auf zwei Azubi-Stellen für Tierpfleger. Schon jetzt gibt es zwei Stellen für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Eine ist seit September durch Lisa Richter aus Barnim besetzt, die sich intensiv um die Tiere kümmert.

Bevor der Seminarbetrieb auf Hochtouren laufen kann, muss in die ehemalige Umweltbildungsstätte noch viel Arbeit gesteckt werden. Die obere Etage muss renoviert werden. Das Sommerhaus, das noch ohne Heizung dasteht, muss umfassend saniert werden. Langfristig sollen dort eine Gäste- und eine Verwalterwohnung – etwa für Freiwillige und Dozenten – entstehen. Übernachtungen sind für die Seminarteilnehmer nicht geplant. „Das wollen wir auch gar nicht“, sagt Zimmermann. Dafür soll es eine Zusammenarbeit mit Anbietern der Region geben. Beim ersten Seminar, bei dem eine Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern über Schmerzreduktion in der Pflege informiert wurde, übernachteten die Gäste in einem Alt Ruppiner Hotel.

Angela Zimmermann hat schon Vorstellungen, die über den allgemeinen Bildungsbetrieb hinausgehen. Sie möchte einen Archehof einrichten – also einen Ort, an dem vom Aussterben bedrohte Tierarten gehalten werden. Exmoor-Ponys, zwei Emmener Landgänse, Sundheimer Hühner sollen im Frühjahr auf den Hof kommen. Drei Wasserbüffel könnten vielleicht ab Mitte 2017 auf dem Gelände Platz finden. Es gibt auch ein Kooperationsprojekt mit dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land zur Landschaftspflege mit Tieren.

Ohnehin ist Zimmermann nach wenigen Monaten bereits sehr gut vernetzt. Sie erzählt von einem Projekt mit dem Sonnenhof der Jugendhilfe Nordwest-Brandenburg in Radensleben, in dem Jugendliche dauerhaft wohnen. „Das hat sich alles sehr schnell entwickelt“, so Zimmermann. „Wir haben eine gute Resonanz von den Fachpartnern vor Ort und auch vom Landkreis.“ Die Zusammenarbeit mit der IHK Potsdam habe ebenfalls hervorragend funktioniert. Nicht zuletzt von der Regional-Entwicklungsgesellschaft Nordwest-Brandenburg sei sie gut unterstützt worden.

Wenn irgendwann alles so läuft, wie es soll, möchte Zimmermann das Grundstück für Interessierte öffnen. So könnten etwa Schulklassen kommen und mit den Tieren arbeiten. Auch Lehrgänge für Hundehalter sind im Gespräch. Innerhalb der Woche werden Fachkräfte unterrichtet, am Wochenende die Tierhalter. „Wichtig ist uns einfach, dass wir den Standort ganzjährig nutzen werden“, sagt Zimmermann.

 

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