Dorfkultur : Neues Leben im alten Autokino

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Wiedergeburt des einst populärsten DDR-Autokinos mitten in der Corona-Zeit

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31. Juli 2020, 05:00 Uhr

Die Känguru-Chroniken liefen in den Kinos an, als der Corona-Lockdown kam. Erst langsam fahren die Lichtspielhäuser ihren Betrieb wieder hoch. Dass die Nordbrandenburger die Komödie von Dany Levy dennoch sehen konnten und das sogar auf einer riesigen Leinwand, ist dem Engagement des Dorfkulturvereins Zempow zu verdanken. Dessen Mitglieder spuckten in die Hände und erweckten das seit Jahren geschlossene Autokino Zempow zu neuem Leben. Möglich wurde das auch durch eine Finanzspritze des Potsdamer Wirtschaftsministeriums. Mit den Lottomitteln konnte der Verein die Kosten für die Instandsetzung der Leinwand stemmen.

Das Autokino Zempow hat Tradition: 1977 eröffnet, war es das erste Kino dieser Art in der DDR. Mit seinem ausgewählten Programm machte es auch überregional von sich reden. Nicht nur aus dem damaligen Bezirk Potsdam, sondern auch aus den Bezirken Schwerin und Neubrandenburg kamen Besucher in den kleinen Ortsteil von Wittstock.

Zudem brachte es die Konstruktion der Leinwand, basierend auf einer Idee von Kinogründer Heinz Mögelin, zu einiger Berühmtheit: eine riesige Stoffleinwand, mit Drahtseilen gespannt zwischen zwei Traversen. Als Mitte der 1990er-Jahre ein neuer Pächter das Autokino übernahm, wurde diese Leinwand durch eine Alu-Wellblechwand ersetzt. „Stabil, aber verbunden mit Einbußen bei der Bildqualität“, konstatiert das Wirtschaftsministerium. Seit 2017 gab es keine Kinovorführungen mehr, die Leinwand blieb Wind und Wetter ausgesetzt, rottete vor sich hin.

„Darauf hätten wir keine Filme mehr zeigen können“, sagt Swantje Schäkel, Vorstandsmitglied im Dorfkulturverein. Zumal die Bildqualität bei der Projektion auf Wellblech in keiner Weise heutigen Qualitätsansprüchen entspricht. „Zu unscharf“, erklärt sie.

Schon lange hegte der Verein den Wunsch, wieder anspruchsvolle Filme auf großer Leinwand zu zeigen. Die Mitglieder engagierten sich seit 2013 für den Erhalt des Freiluftareals und nutzen es seit einiger Zeit für Veranstaltungen. Im Zuge der Corona-Krise, als die Kinos schlossen, ging alles ganz schnell.

Der Verein entschied, die kulturelle Lücke mit der Wiederbelebung des Autokinos zu füllen. Die Alu-Wellblechwand wurde renoviert und mit glatten Schichtstoffplatten versehen. Viele Helfer packten mit an, „einige Arbeiten mussten aber von fachkundigen Handwerkern und Kinoexperten geleistet werden“, sagt Swantje Schäkel. Auch habe man sich Rat geholt zu rechtlichen Voraussetzungen beim Betrieb des Autokinos geholt. Und dann musste auch noch ein Projektor besorgt werden. Ende Mai startete der Spielbetrieb.

Bis Ende Oktober läuft die Saison. Im nächsten Jahr soll es weitergehen, was Wirtschaftsminister Jörg Steinbach freuen dürfte. Sind die Mittel aus seinem Haus doch nachhaltig angelegt. Vielleicht kommt der Minister ja selbst einmal ins Austokino

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