Jahresinspektion : Neuerlicher Griff in Reservekiste

Jetzt geht es rund: Ab Montag werden im Rahmen der obligatorischen Wintersperre fünf Seile gewechselt, so Hebewerksleiter Jörg Schumacher. Die Reserve liegt bereit.
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Jetzt geht es rund: Ab Montag werden im Rahmen der obligatorischen Wintersperre fünf Seile gewechselt, so Hebewerksleiter Jörg Schumacher. Die Reserve liegt bereit.

Am alten Schiffshebewerk Niederfinow werden während der Wintersperre ab Montag fünf weitere Trogseile gewechselt.

svz.de von
06. Januar 2018, 05:00 Uhr

Rente mit 63, 67 oder sogar 70? Diese Debatte kann ihn nicht anheben. Denn dieser Arbeitnehmer ist schon über 80. Und er verrichtet noch immer zuverlässig seinen Dienst. Damit dies bis zum Ruhestand in einigen Jahren so bleibt, wird der Schiffsfahrstuhl jetzt der obligatorischen Jahresinspektion unterzogen.

Das neue Schiffshebewerk ist noch nicht fertig. Und für das alte, 1934 in Dienst gestellte, stehen Tüv, Pflege und Instandsetzungen an. Ab Montag ist der Oder-Havel-Kanal zwischen Stettin und Berlin deshalb für voraussichtlich sechs Wochen für die Binnenschifffahrt gesperrt. Winterpause. Aber keine Betriebsferien. Weder für die Firmen noch für das Team um Jörg Schumacher.

Das Programm, das der Leiter des Hebewerkes und seine Männer abzuarbeiten haben, steht fest. Denn der Wartung sind bereits recht umfassende Begutachtungen vorausgegangen. Mit um die 150 000 Euro seien die Instandhaltungen und -setzungen in diesem Winter vergleichsweise überschaubar, so Schumacher.

Größtes und aufwendigstes Projekt sei erneut der Seilwechsel. Fünf Exemplare müssten laut Sachverständigem diesmal ausgetauscht werden. Sieben wurden bereits in den vergangenen Jahren erneuert. „Die Seile sind einfach ablegereif“, sagt Schumacher. Soll heißen: Sie haben ihr Lebensende erreicht. Einmal, 1984/85, war bei einer Generalreparatur des Schiffsfahrstuhls der komplette Satz gewechselt worden. Also alle 256 Seile. Die Laufleistung seither entspreche der in den ersten 50 Jahren. „Der Seilwechsel wird uns also auch in Zukunft beschäftigen“, so der Hebewerksleiter. Weshalb man 2018 einige neue bestellen müsse. Bislang konnte sich die Mannschaft aus der Reserve bedienen. Doch langsam gehe die zur Neige. „1984/85 hatte man 20 Seile zusätzlich geordert“, weiß Schumacher. Die wurden in der Seilscheibenhalle gelagert. Dort, wo sie gebraucht werden.

Darüber hinaus werde man ab Montag die Kanalbrücke leeren, um Holzbalken und Verschleißbohlen zu erneuern. Am oberen Haltungstor, an der Dichtleiste, müsse ein Schaden behoben werden. Schrauben sind abgerissen, infolge von Korrosion. Zu einem weiteren Schaden sei es im Frühjahr 2017 in der Kanalbrücke gekommen. Ein polnisches Schiff hat einen Ankerstein mitgeschleift. Dadurch wurde der Korrosionsschutz am Boden angegriffen. Der Hebewerksleiter hofft auf eine Regulierung im Zuge der anstehenden Sperrzeit.

Ansonsten arbeiten Schumacher und Co. ihre Wartungsliste ab. Von den Antrieben bis hin zu Dichtungsgummis. Es wird geprüft, geölt, geschmiert, gehämmert, ausgebessert, bei Bedarf gewechselt. „Und zum Schluss überprüfen wir das Sicherungssystem“, so der routinierte Fachmann. Ziel sei auf alle Fälle, das Hebewerk am 19. Februar wieder freizugeben.

Übers Jahr laufen bereits die Planungen für die Arbeiten Anfang 2019. Dann müsse nämlich der Dichtrahmen der oberen Haltung instand gesetzt werden. Das Tragwerk weise stärkere Korrosionsschäden auf. Bekanntlich hat der alte Fahrstuhl noch einige Jahre vor sich. Zumindest bis zum Ende der Gewährleistungsfrist für das neue Hebewerk muss der stählerne Koloss aus dem Jahr 1934 noch Dienst tun beziehungsweise einsatzbereit sein.

Im vorigen Jahr passierten um die 1700 Motorschiffe und Schubboote das Hebewerk. Diese transportierten gut eine Million Gütertonnen – vor allem Kohle, Schrott bzw. Stahlerzeugnisse sowie landwirtschaftliche Produkte. Das entspricht laut Schumacher etwa dem Niveau des Vorjahres. Mit einer spürbaren Zunahme sei erst mit der Inbetriebnahme des neuen Hebewerkes zu rechnen. Wenn nämlich zweilagiger Containerverkehr auf der Wasserstraße möglich ist.

Hinzu kamen 2017 knapp 4000 Sportboote sowie gut 3000 Fahrgastschiffe, die Fahrstuhl fuhren, und etwa 115 000 Touristen und Ausflügler. Während Jörg Schumacher und Kollegen den stählernen Koloss fit machen, überwacht Klaus Winter nebenan den Fortschritt am neuen Hebewerk. Die sogenannten Mutterbackensäulen sind eingebaut, inzwischen auch schon drei der vier Drehriegel. Ende Januar soll die Montage abgeschlossen sein.

Die Besucherplattform des alten Hebewerkes ist vom 8. Januar bis 18. Februar gesperrt. Das Info-Zentrum des Wasser- und Schifffahrtsamtes ist aber täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.




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