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DDR-System hat ausgedient : Neue Warnstufen für Brände

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Waldbrandwarnstufen sind abgeschafft, stattdessen gilt ein bundeseinheitliches System jetzt auch in Brandenburg.

Als letztes Bundesland hat Brandenburg mit dieser Waldbrand-Saison das alte DDR-System der Warnstufen abgeschafft. Dieses hatte eine Stufe Null und vier Warnstufen, die mit römischen Ziffern gekennzeichnet waren. „Die Null suggerierte, dass gar nichts passieren kann“, erläutert Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landesforstbetriebes einen Nachteil des alten Systems. Und natürlich kann auch bei Stufe Null ein Brand entstehen.

Die formalen Unterschiede sind ansonsten marginal. Jetzt gibt es fünf Gefahrenstufen und sie werden mit arabischen Ziffern angegeben. Statt Warnstufe Null, heißt es nun: „sehr geringe Gefahr“. Dann folgen „geringe Gefahr“, „mittlere Gefahr“, „hohe Gefahr“ und „sehr hohe Gefahr“. Letzteres entspricht der alten Stufe IV, „höchste Gefahr“.

Laut Engel wurden in den vergangenen Wochen bereits in allen Forstämtern die Hinweisschilder und Anzeigen ausgewechselt. Die Kommunen, die eigene Anzeigen betreiben, sind nicht verpflichtet auf das neue System umzustellen und neue Schilder anzuschaffen, betont der Waldbrandschutzbeauftragte.

Neu ist die Art der Berechnung der Gefahrenstufen. Bislang wurden sie vor allem nach dem letzten Niederschlag festgelegt. Der Deutsche Wetterdienst, Außenstelle Leipzig, rechnet für die einzelnen Regionen jetzt auch die Luftfeuchtigkeit mit ein. Sie kann durch veränderte Luftzuführungen stark variieren und hat einen Einfluss darauf, ob ein Feuer entsteht und wie schnell es sich ausbreitet.

Engel erläutert, dass die Gefahrenstufe nun von einem Tag auf den anderen sinken kann, weil die Luftfeuchtigkeit sich erhöht und dass obwohl es nicht geregnet hat. Das sei etwas gewöhnungsbedürftig, räumt er ein. Aus dem Landesforst waren Befürchtungen zu hören, dass die Gefahrenstufen viel öfter schwanken würden, und man viel schlechter planen kann, wann die sechs Waldbrandzentralen besetzt werden müssen. Dies ist ab der Stufe 3 – „mittlere Gefahr“ – der Fall.

Die Landesregierung schätzt das Waldbrandrisiko in Brandenburg vergleichbar hoch ein wie in den Mittelmeerländern. Vor allem die großen Kiefernbestände und die trockenen Sandböden, die kaum Niederschlag speichern, vergrößern die Gefahr. In den vergangenen Jahren lag die Ausdehnung der Brandfläche bei weniger als 100 Hektar. In extrem trockenen Sommern wird diese Grenze schnell übersprungen.

Auch wenn aus Warnstufe Gefahrenstufe und aus römischen arabische Ziffern werden, alles ändert sich trotz Angleichung an die Standards der westdeutschen Bundesländer dann doch nicht. Das Eichhörnchen als Symbol für die Gefahr bleibt erhalten. Engel verweist darauf, dass es seit den 1960er-Jahren in Gebrauch ist und inzwischen eine regional bekannte Marke darstellt. Es soll deshalb auch weiterhin mit dem roten Schwanz, der an eine lodernde Flamme erinnert, Aufmerksamkeit erheischen dürfen.

Einen Schönheitsfehler hat das neue System der Waldbrandgefahrenstufen: Es ist eingeführt worden, obwohl die gesetzliche Grundlage dazu noch gar nicht vom Landtag beschlossen wurde. Es ist Bestandteil eines Artikelgesetzes, das unter anderem die Jagdzeiten neu regeln soll und sich durch Anhörungen verzögert hat. Ende Juni könnte es die parlamentarischen Hürden endgültig nehmen.

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