zur Navigation springen

Historischer Bau lädt wieder zum Verweilen ein : Neue Mieter für Schloss Reichenow

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lange suchte die Brandenburgische Schlösser GmbH Pächter für das Denkmal – Nun beleben erfahrene Hoteliers das Kleinod wieder

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Wer Schloss Reichenow (Märkisch-Oderland) mit seiner hellen Fassade erstmals zwischen hohen Bäumen hervorlugen sieht, versteht, warum es jahrelang als erste Adresse für Hochzeiten auf dem Lande galt. Die Kulisse des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Herrenhauses von August Freiherr von Eckardstein wirkt mit seinen Türmchen und Zinnen in Anlehnung an englische Landsitze der Tudorzeit tatsächlich wie aus einem Märchenbuch. An einem Seeufer und in einer weitläufigen Parkanlage am Rande der Märkischen Schweiz gelegen, zieht nach Jahren des Leerstands wieder Leben in das traumhafte Anwesen ein.

Der Berliner Hotelier Hans Eilers und sein Sohn Jan Henrik, gelernter Koch und Hotelbetriebswirt, wollen an glanzvolle Zeiten anknüpfen und eröffnen Anfang August wieder ein Hotel. „Allerdings beschränken wir uns nicht auf Hochzeiten, auch wenn wir natürlich das Trauzimmer im Schloss bei Bedarf nutzen werden“, sagt Eilers senior. Verstärkt wollen sie an die Goldenen Zwanziger anknüpfen, als Städter an den Wochenenden in die Sommerfrische fuhren. Schließlich liege Schloss Reichenow nur eine Autostunde von Berlin entfernt und dazu am Europa-Radweg. In den großzügig geschnittenen Räumen würden sich an Wochentagen Tagungen und Seminare anbieten, meint Eilers junior.

Für Vater und Sohn ist Reichenow ein Neuanfang. „Mit kleineren Hotels kannst du in Berlin nicht mehr rentabel wirtschaften, deswegen haben wir im Umland gezielt gesucht“, sagt Hans Eilers. Über die Brandenburgische Schlösser GmbH als Vermieter kam er mit seinen Sohn nach Reichenow. „Der märchenhafte Charme des Anwesens, die gute Bausubstanz und die kurze Distanz nach Berlin ließ uns schnell handelseinig werden“, erinnert sich der 66-Jährige.

Neben den 22 Zimmern gibt es einen Wellnessbereich, ein Restaurant mit Lounge und Bar sowie eine Weinstube im Keller. Da die Pächter den Kontrast lieben, wie sie betonen, richten sie das alte Haus mit modernen, aber edlen Möbeln aus ganz Europa ein und kombinieren die Schlossgemäuer mit zeitgenössischer Kunst an den Wänden und im Park. Mehrere Hundertausend Euro haben sie nach eigenen Angaben investiert, ein Pachtvertrag ist zunächst für zehn Jahre abgeschlossen, mit der Option einer Verlängerung.

Wie die meisten Reichenower beobachtet Ortsvorsteher Wolf-Dieter Hickstein (parteilos) das neue Leben im Schloss noch etwas skeptisch. Hatten die 450 Dörfler doch in der jüngsten Vergangenheit eher schlechte Erfahrungen machen müssen. Seit 1997 hatten zwei Damen erfolgreich ein Hotel geführt. Nach 15 Jahren jedoch lief der Pachtvertrag aus, die beiden betagten Hotelfrauen und die Brandenburgische Schlösser GmbH als Eigentümer konnten sich nicht auf einen neuerlichen Zuschlag einigen. Ende 2012 war Schluss mit stilvollen Hochzeiten im Traumschloss.

Mit den neuen Mietern, vier angeblichen Geschäftsleuten mit großen Visionen, hatte die Schlösser GmbH 2015 kein Glück: Sie zahlten keine Miete und wurden wegen Betruges strafrechtlich verfolgt. „Die Eilers machen einen kompetenten Eindruck, ich habe noch nichts Negatives über sie gehört“, meint Hickstein eher zurückhaltend. Er wie auch die meisten Anwohner hoffen, dass sich die neuen Schlossherren ins Dorfleben einbringen, „nicht so viele geschlossene Veranstaltungen“ planten und das architektonische Highlight des Ortes für Neugierige öffnen, die nicht darin wohnen. In der Beziehung gibt Hans Eilers Entwarnung. „Es wird regelmäßig öffentliche Veranstaltungen geben. Am 10. September, am Tag des offenen Denkmals, gastiert beispielsweise das Berliner Jugendkammerorchester“, sagt er.

Die Skepsis der Reichenower können „die Neuen“ durchaus verstehen, wie sie betonen. „Doch wir werden sie von uns überzeugen“, meint Jan Henrik Eilers lächelnd. Wesentlich optimistischer als die Einwohner ist die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree, Ellen Rußig. Sie freut sich, dass sich „so kompetente Hoteliers“ in der Region engagieren und hier investieren. „Schlosshotels stehen hoch im Kurs bei Gästen, die Ruhe und Entspannung suchen. Gerade die Märkische Schweiz braucht als besonderer Landstrich noch mehr besondere Angebote“, ist Rußig überzeugt.

Ähnlich sieht das die Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, die einen Gewinn für die Region sieht. Auch das Interesse potenzieller Gäste gibt dem Recht. An den Wochenenden öffnete das Schloss bereits sein Café und war gut besucht, auch von Einheimischen. Am 1. September steht bereits die erste Hochzeit in Reichenow an.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen