Potsdam : Neue Idee zur Garnisonkirche

Der wiedererstehende 90 Meter hohe Kirchturm und das Ex-Rechenzentrum könnten zusammenwachsen.  Fotos: dpa/ Hirschberger
Der wiedererstehende 90 Meter hohe Kirchturm und das Ex-Rechenzentrum könnten zusammenwachsen. Fotos: dpa/ Hirschberger

Potsdams Oberbürgermeister Schubert will Rechenzentrum und Kirchturm architektonisch vereinen

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09. Juli 2020, 05:00 Uhr

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) will nach dem Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche diesen mit dem benachbarten Rechenzentrum aus DDR-Zeit architektonisch zusammenführen. So könne man den Bruch mit der Geschichte der einstigen preußischen Militärkirche in der Architektur deutlich machen, erläuterte Schubert. „Eine originalgetreue Restauration der kompletten Kirche ohne einen klaren architektonischen Bruch wäre eine Botschaft, die nicht in die Stadt passt“, betonte er.

Einen CDU-Antrag, die gesamte Kirche originalgetreu wieder aufzubauen, hatte eine Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung im Juni abgelehnt. Sie beschloss auch, eine Lösung für das Areal des früheren Kirchenschiffs zu finden. Derzeit läuft die originalgetreue Wiederrichtung des Kirchturms.

Gemeinsam mit der Stiftung und der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche hatte Schubert dem Architekten Daniel Libeskind geschrieben und zum Austausch von Ideen zum Kirchenschiff eingeladen. Libeskind hatte zuvor Interesse an dem Projekt bekundet. „Unser Brief an Libeskind stand unter der Überschrift Brüche respektieren, Brücken bauen. Das war fast das wichtigere Signal als die Antwort an Herrn Libeskind selbst“, sagte der Oberbürgermeister.

Die Spitzen von Stiftung, Fördergesellschaft und Stadt hätten sich erstmals gemeinsam und deutlich für einen Bruch am Gebäude und nicht für den historischen Wiederaufbau ausgesprochen. Der Architekt habe bei der Gestaltung des Militärhistorischen Museums in Dresden ein Beispiel gegeben, Brüche über die die Architektur deutlich zu machen.

Schubert setzt darauf, bei der Gestaltung des Kirchenschiffs Befürworter und Gegner des Wiederaufbaus der Garnisonkirche zu überzeugen. „Das kann ein Ort des produktiven Streits über Geschichte, Politik und Demokratie werden, ein Ort der Information, Bildung, der neuen Ideen und kreativen Ausdrucksformen“, so der Oberbürgermeister. „Dafür brauchen wir eine neue gemeinsame Architektursprache. “ Er hatte bereits 2019 vorgeschlagen, das Kirchenschiff künftig als internationale Jugendbegegnungsstätte zu nutzen.

Bis 2023 will sich Schubert mit allen Beteiligten über die künftige inhaltliche Arbeit in der Garnisonkirche verständigen. „Auf dieser Basis können wir nach einer Ausschreibung, bei der sicherlich viele gute Ideen präsentiert werden, einen Bau schaffen, bei dem Architektur und Inhalte miteinander korrespondieren“, betonte er.

Derzeit dient das Rechenzentrum als Kreativzentrum. Das Gebäude stehe zu einem Teil auf dem Grundriss der früheren Garnisonkirche und zu dicht an dem Turm, sodass es aus baurechtlichen Gründen nicht so erhalten bleiben könne, betonte Schubert. „Finden wir eine spannende architektonische Verbindung von Gebäude und Turm,, wäre das Problem gelöst.“

Gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche wenden sich mehrere - auch christliche - Initiativen. Sie sehen in dem historischen Bau ein Symbol des Militarismus und einen Treffpunkt rechtsnationaler Bewegungen in den 1920er und 1930er Jahren. Sie erinnern auch an den „Tag von Potsdam“, als am 21. März 1933 Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler vor der Kirche die Hand reichte. Die Stiftung betont dagegen, sie wolle in dem Neubau den Geist der Versöhnung und des Friedens pflegen.

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