Bessere Behandlungsmöglichkeiten : Neue Hoffnung für Krebskranke

Blick auf einen Linearbeschleuniger im neuen Strahlenzentrum des Carl-Thiem-Klinikums
Blick auf einen Linearbeschleuniger im neuen Strahlenzentrum des Carl-Thiem-Klinikums

Mit Linearbeschleuniger im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum kann Strahlung exakt auf den Tumor abgestimmt werden

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09. Oktober 2019, 05:00 Uhr

Die Räume sehen hell und modern aus, freundliche Lichtspiele an der Decke entfalten ihre entspannende Wirkung. Genau das brauchen Menschen, die diese Räume betreten müssen: Sie kämpfen  mit potenziell lebensbedrohlichen Krankheiten – die ab sofort etwas besser als bisher behandelt werden können. Am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus ist seit dieser Woche die modernste Strahlentherapie Brandenburgs am Netz.

In zwei neuen Strahlenbunkern, die mit knapp zwei Meter dicken Stahlbetonwänden von der Außenwelt abgeschirmt sind, stehen zwei neue Linearbeschleuniger, die, so sagt es Chefarzt Dr. Gunter Ziegenhardt, „einen Meilenstein in der Behandlung von Krebspatienten bedeuten“.

13,4 Millionen Euro hat das Klinikum in die neue Strahlentherapie investiert, die damit auf dem neusten Stand der Technik ist – was wohl auch dringend nötig war. Bei den früheren alten Geräten kam es immer häufiger zu Ausfällen, Wartungsverträge wurden gekündigt, Ersatzteile mussten zum Teil aus Amerika eingeflogen werden.

Jetzt stehen stattdessen die neuen Linearbeschleuniger im Carl-Thiem-Klinikum. „Der Mercedes der Strahlentherapie“, sagt der Chefarzt und fügt hinzu: „Natürlich gibt es auch noch einen Maybach“, der aber steht nicht in Cottbus.

Hier können die Patienten künftig mit höherer Präzision als bisher bestrahlt werden. Die neuen Geräte ermöglichen dem Arzt eine optimale Lagerung des Patienten. „Außerdem wird die Strahlung exakt auf den Tumor abgestimmt“, sagt der Arzt. So kann der Linearbeschleuniger auf die Atemfrequenz der Patienten abgestimmt werden. Dadurch verkleinert sich das zu bestrahlende Feld, folglich nehmen auch die Nebenwirkungen ab.

Die Strahlentherapie arbeitet vorrangig mit ultraharten Röntgenstrahlen, die Krebszellen zerstören sollen. Patienten müssen sich oft bis zu 40 Mal in einen der Bunker legen, damit die Behandlung wirksam ist. Ein neues Sicherheitssystem sorgt jetzt dafür, dass es zu keinerlei Verwechslungen bei den Behandlungen kommen kann. Außerdem erkennt das System, falls sich versehentlich Mitarbeiter in den Strahlungsräumen befinden. "Das ist ein wesentliches Plus an Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter", sagt Götz Brodermann, Geschäftsführer des Klinikums.

Er sei froh, dass durch die neuen Therapiemöglichkeiten die Rolle des CTK als onkologisches Zentrum gefestigt werde. Die Investition von insgesamt 13,4 Millionen Euro war dem  Klinikum allerdings nur durch eine finanztechnische Finesse möglich.

Da das Land jährlich nur rund vier Millionen Euro pauschal an das Klinikum überweist, wäre die Finanzierung der Strahlentechnik kaum möglich geworden. Erstmals hat das Carl-Thiem-Klinikum nun eine derartige Investition über einen Kredit abgedeckt, der nun aus zu erwirtschaftenden Überschüssen zurückgezahlt werden muss.

Dass die Rückzahlung kein Problem für das kommunale Krankenhaus wird, davon ist Brodermann überzeugt. Die Cottbuser Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) verbindet mit dem Projekt noch ganz andere Hoffnungen. „Es bedeutet Hoffnung für die Patienten und ihre Angehörigen, die mit einer immer noch schockierenden Diagnose fertig werden müssen. Es bedeutet aber auch Hoffnung für das Klinikum auf dem Weg hin zum digitalen Krankenhaus, das eine wichtige Säule im Strukturwandel der Region darstellt.“

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