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Bahnwerk Eberswalde : Neubeginn startet mit Kurzarbeit

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Großteil der 153 Mitarbeiter gestern nach Betriebsversammlung nach Hause geschickt. Investor Quantum aus München hüllt sich in Schweigen.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Nach einer Belegschaftsversammlung sind die meisten Mitarbeiter der EBW Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH gestern wieder nach Hause geschickt worden. Der Neustart am von der Deutschen Bahn AG übernommenen Standort erfolgt mit Kurzarbeit. Nur ein Dutzend Beschäftigte ist jetzt mit einer Inventur befasst. Nach Angaben von Betriebsratschef Andreas Hoffmann haben 153 bisherige Bahnmitarbeiter den Übergang in die neue Gesellschaft unterschrieben.

In einem Brief an diese Mitarbeiter hatte EBW vergangene Woche millionenschwere Defizite im Brandschutz beklagt, die die Deutsche Bahn zu verantworten habe, und den noch immer fehlenden Tarifvertrag mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Und mit Kündigungen sowie sogar einer Insolvenz gedroht. Davon war gestern nach Angaben von Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) aber nicht mehr die Rede gewesen. Der neue Betreiber sei entschlossen, dem Werk in Eberswalde in die Erfolgsspur zu verhelfen, beschrieb Boginski seinen wichtigsten Eindruck nach der Belegschaftsversammlung.

Laut Betriebsratschef Hoffmann sind die Mitarbeiter zu kleinen Lohnsenkungen im Gegenzug zu einer Beschäftigungssicherung bereit. Zuletzt sei es um 3,7 Prozent weniger Geld gegangen. Die EVG dagegen hatte von Einbußen von bis zu 15 Prozent gesprochen. Und eindeutig erklärt, dass die Mitarbeiter „nicht schlechter gestellt werden dürfen als vorher, ist für uns ein nicht verhandelbarer Grundsatz“. Hoffmann dagegen erwartet, dass die EVG umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Der Investor Quantum Capital Partners AG aus München selbst hüllt sich weiter in Schweigen. Man werde „aktuell keine Stellungnahme abgeben“, hieß es gestern auf Anfrage. Und auch der Projektleiter der von Quantum für die Übernahme gegründeten Tochter EBW Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH, Heiko Prötzsch, war „nicht bereit, einen Kommentar abzugeben“.

2014 waren laut Hoffmann noch mehr als 500 Menschen beschäftigt – dann entschied die Deutsche Bahn, die in Brandenburger noch Werke in Wittenberge und Cottbus hat, das Werk in Eberswalde bis Ende 2016 zu schließen. Unter Vermittlung auch des Potsdamer Wirtschaftsministeriums entschloss sich Quantum, das Unternehmen für einen Euro zu kaufen. Gestützt wird der Investor mit einer Bürgschaft des Landes. Ursprünglich hatte Quantum zugesagt, 210 Mitarbeiter zu übernehmen. Die Bahnwerker konnten sich aber auch entscheiden, bei der Bahn zu bleiben, dann aber an anderen Standorten . Einige haben laut Hoffmann andere Jobs gefunden. 
 

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