Kultur : Neuanfang im Museum Altranft

Kulturwissenschaftler Lars Fischer betrachtet historische Spinnräder in der Ausstellung im Herrenhaus Altranft.
Kulturwissenschaftler Lars Fischer betrachtet historische Spinnräder in der Ausstellung im Herrenhaus Altranft.

Wer schon immer wissen wollte, was in einem ländlichen Museum über Jahrzehnte gesammelt wurde, ist im Schloss von Altranft richtig

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22. März 2016, 08:00 Uhr

Im altehrwürdigen Schloss von Altranft (Märkisch-Oderland) sieht es auf den ersten Blick aus, als stünde eine große Entrümpelungsaktion bevor: Gleich dutzendfach sind alte Bügeleisen aufgereiht, in ebenso reicher Zahl Fleischwölfe, Kaffeekannen, Nachttöpfe, altertümliche Nähmaschinen und hölzerne Spinnräder oder verrostetes landwirtschaftliches Werkzeug.

„Wir zeigen Sachen aus Depots, die Besucher zuvor noch nie zu Gesicht bekamen. Daraus soll sich eine neue Sammlungskonzeption entwickeln“, erklärt Lars Fischer. Der Kulturwissenschaftler arbeitet im Büro für Landschaftskommunikation Schiffmühle, das ein neues Konzept für das einstige Freilichtmuseum Altranft entwickelt hat.

Eigentlich hatte der Landkreis als Träger das Museum aus Kostengründen längst schließen wollen. Schon seit Oktober 2015 war es für Besucher nicht mehr zugänglich. Nach mehrheitlichem Kreistagsbeschluss aber ist der Landkreis nun Mitglied in einem neuen Trägerverein, ebenso wie die Stadt Bad Freienwalde, der Traditionsverein Altranft und die Sparkasse Märkisch-Oderland. Fünf Jahre lang gibt es Zuschüsse von der Kreisverwaltung und der Stadt Bad Freienwalde sowie von der Bundeskulturstiftung, um zu beweisen, dass ein Erhalt des Museums lohnt.

Die Neuausrichtung beginnt schon beim Namen. Das Museum in Altranft nennt sich nunmehr Werkstatt für ländliche Kultur. Und die umfasst offenbar nicht mehr ganz Brandenburg, sondern insbesondere das Oderbruch. Mit dessen Kulturerbe soll sich künftig ein Netzwerk befassen.

„Die kulturelle Beschreibung gibt es durch das Museum. Einbezogen werden Heimatstuben, Geschichtsausstellungen und Ortschroniken in den kleinen Orten, aber auch die zahlreichen Künstler im Oderbruch“, erläutert Kenneth Anders, Leiter des Büros in Schiffmühle.

Ein neuer Schwerpunkt ist außerdem die landschaftliche Bildung. Dazu kooperiert das Museum seit Jahresbeginn mit zehn Schulen im Oderland. „Wir wollen, dass sich die Schüler mit ihrer Heimatregion beschäftigen“, erklärt der Soziologe.

Zudem wird mit Jahresthemen gearbeitet. Im Fokus 2016 steht nach Angaben der Altranfterin Petra Hemm das Handwerk: mit speziellen Handwerkertagen, einer darauf ausgerichteten Schau und thematischen Forschungsarbeiten von Studenten der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE). Die Ingenieurin und Kulturmanagerin im Ruhestand ist vorerst für ein Jahr ehrenamtliche Leiterin des neuen Museums, ihr zur Seite stehen eine Assistentin, eine Grafikerin und demnächst zwei Besu-cherbetreuer sowie zwei Hausmeister, alle auf Sparflamme per Minijob angestellt. Weitere Unterstützung wird mittels Honorarvertrag geregelt, so auch die konzeptionelle Begleitung durch das Büro für Landschaftskommunikation.

Hemm will vor allem dafür sorgen, dass Ort und Museum enger zusammenarbeiten. „Die Altranfter kennen sich in ihrem Dorf aus, würden gern Besucher durch den Ort mit den vielen Baudenkmälern führen. Und sie können mit anpacken, wenn Hilfe nötig ist“, sagt sie.

Die seit Anfang der 80er- Jahre zusammengetragene Sammlung im Schloss kann ab Ostersonntag unter der Überschrift „Revision I“ von Besuchern begutachtet werden.

Dann startet das neue Museum in die Saison. „Wir wollen wissen, welche Erinnerungen oder Erfahrungen Besucher mit den ausgestellten Dingen verbinden“, erläutert Fischer. Die Sammlung des Museums umfasst demnach mehr als 8000 Objekte, muss mit Hilfe eines Fachbeirates neu geordnet und betrachtet werden. „Dazu braucht man Geschichten und Wissen über die Dinge, um zu entscheiden: Sind sie für das Erzählen der Geschichte des Oderbruchs sinnvoll“, sagt Anders.

Das sei sicher eine ungewöhnliche Herangehens-weise, aber das Neu-Durchdenken der Sammlung sehr sinnvoll, meint Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Brandenburger Museumsverbandes. „So ein Transformationsprozess ist nicht innerhalb weniger Wochen getan“, macht sie deutlich. Gegenstände, die mehrfach vorhanden seien, könnten letztlich auch anderen aus dem Kulturerbe-Netzwerk zur Verfügung gestellt und für die museumspädagogische Arbeit verwendet werden.

Jeanette Bederke

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