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Todesschüsse auf Bauernhof : Nauen: Veterinäramt bat um Polizeihilfe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Todesschüsse auf Bauernhof: Landwirt bereitete seit Jahren Ärger

Die Staatsanwaltschaft hat gestern Haftbefehl gegen den Todesschützen von Klein Behnitz (Brandenburg) erlassen. Der 72-jährige Landwirt erschoss am Dienstag in dem Nauener Ortsteil einen 63 Jahre alten Veterinär. Bereits vor dem Verbrechen hatte das Veterinäramt um polizeiliche Unterstützung gebeten.

Gegen den Landwirt wird wegen des Verdachts des Totschlags und zugleich wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Nach Erkenntnissen von Landrat Burkhard Schröder (SPD) hatte Wilfried Z. für die Schrotflinte, mit der er auf die Mitarbeiter seiner Behörde anlegte, auch keinen Waffenschein.

Der Bauer, der bereits seit Dienstag in Untersuchungshaft sitzt, ist zwischenzeitlich vernommen worden. Auch die Zeugenbefragungen in Klein Behnitz sind gestern fortgesetzt worden. Wilfried Z. hatte dem Veterinäramt nach Aussagen des Landrats seit Jahren Ärger bereitet. „Seine 30 Rinder waren des Öfteren in Wäldern und anderen Orten unterwegs, weil das Gelände nicht eingezäunt war“, sagt Schröder. „Wir haben ihm sogar einen erfahrenen Landwirt an die Seite gestellt.“ Doch Wilfried Z. habe dessen Hilfe abgelehnt.

Bevor es zu dem Gewaltverbrechen kam, hatte sich der Landwirt offenbar geweigert, den neuerlichen Anordnungen des kreislichen Veterinäramtes Folge zu leisten. Die Behörde wollte seine Rinder beschlagnahmen. Dass er Widerstand leisten würde, sei zwar nicht zu erwarten gewesen, betont der Landrat. Dennoch habe seine Behörde vor dem Einsatz die Polizei gebeten, sich bei eventuellen Problemen bereit zu halten. „Das war keine spontane Reaktion“, glaubt er.

Von Anwohnern wird der Landwirt dagegen als freundlicher und fleißiger Mensch beschrieben. „Er hat immer gewunken, wenn er mit dem Trecker bei mir vorbeifuhr“, sagt Rita Petsch, die in Klein Behnitz Ferienwohnungen vermietet. Der 72-Jährige sei Dialyse-Patient und damit schwer krank gewesen. „Nun hat man ihm seinen Lebensinhalt nehmen wollen“, sucht Rita Petsch nach einer Erklärung für die Tat.

Das Innenministerium des Landes wies indes Kritik zurück, der Polizeieinsatz sei verspätet angelaufen. Medienberichten zufolge war die Polizei nachdem sie um 9.44 Uhr von Zeugen gerufen worden war, um 10.04 Uhr vor Ort. Das deckt sich mit Aussagen, die der Landrat von den beiden überlebenden Tierärztinnen erhalten hat. Der Zugriff ist laut Innenministerium um 10.27 Uhr erfolgt. „Die Polizei muss sich ein Bild von der Lage machen und vor Ort entscheiden“, verteidigt Sprecher Ingo Decker das Vorgehen.

Für den Landrat ist die Tat der „tragische Einzelfall eines Beknackten“. Man müsse jetzt überlegen, ob künftig eingreifende Einsätze seiner Behörde unter polizeilicher Begleitung stattfinden.

 
 

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