Stückwerk : Naturschützer fordern Plan für Spree-Sanierung

Die Grubenwasserreinigung schützt die bei Spremberg vor Tagebauwasser. Foto: Patrick Pleul
Die Grubenwasserreinigung schützt die bei Spremberg vor Tagebauwasser. Foto: Patrick Pleul

Gegenaktionen von Brandenburg und Sachsen gegen Braunfärbung des Flusses bisher erfolglos

svz.de von
16. September 2015, 14:20 Uhr

Naturschutzverbände in Brandenburg, Berlin und Sachsen haben Bund und Landesregierungen unzureichendes Stückwerk bei der Spree-Sanierung vorgeworfen. Alle bislang ergriffenen Maßnahmen würden nicht ausreichen, um den Schadstoffeintrag in den Fluss zu stoppen. Es müsse ein neuer, länderübergreifender Masterplan zur Spreerettung aufgelegt werden, verlangte Brandenburgs Nabu-Chef Friedhelm Schmitz-Jersch am Mittwoch in Potsdam.

Zentrales Erfordernis sei der Bau von Dichtwänden um die Alt-Tagebaue in Sachsen südlich von Spremberg bis in eine Tiefe von 100 Metern. Das gelte auch für die noch aktiven Braunkohletagebaue. Zudem müssten Vor- und Hauptbecken der Talsperre Spremberg stetig gesäubert werden, sagte Ökotoxikologe Werner Kratz.

Einige Spreeabschnitte werden seit zwei Jahren von braunem Eisenoxidschlamm und Sulfateinträgen durchzogen - Folgen der Braunkohleförderung. Betroffen ist unter anderem der touristische Hotspot Spreewald.

Eine Ursache sind unter anderem die steigenden Grundwasserstände in Altbergbaugebieten rund um das sächsische Nochten. Dadurch werden Schadstoffe ausgespült. Pro Jahr würden so eine halbe Million Kubikmeter Spreewasser verschmutzt, erklärte Kratz.

Außerdem werde auch das Spreewälder-Grundwasser durch Eisenoxid belastet.

Selbst Berlin sei durch die Bergbaualtlasten bereits betroffen. „An der Messstelle Berlin-Köpenick ist eine Sulfatbelastung der Spree von 300 Milligramm pro Liter festgestellt worden. Das ist weit über dem Grenzwert von 250 Milligramm den Liter“, erklärte Michael Bender von der Grünen Liga Berlin. „Das macht uns große Sorgen, weil es für die Berliner Trinkwasserbetriebe schwieriger wird, die Versorgung mit sauberem Wasser auf Dauer sicherzustellen“, betonte Bender.

Die Umweltverbände fordern die Politik auf, den schwedischen Energiekonzern Vattenfall, der in der Lausitz weiter Braunkohle fördert, an den Folgekosten zu beteiligen. Es könne nicht sein, dass der Steuerzahler für Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen aufkomme, sagte Schmitz-Jersch. „Vattenfall muss als Verursacher ausreichende Rückstellungen bilden“, verlangte er.

Der Bergbau-Sanierer LMBV wies die Vorwürfe zurück. Seit 2013 seien mit Sachsen und Brandenburg viele Anstrengungen erfolgt, um Eiseneinträge in die Spree zu reduzieren und die Wassergüte zu verbessern, sagte LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. In den vergangenen zwei Jahren seien mehr als 20 Millionen Euro aus der Braunkohlesanierung investiert worden. In einem weiteren Schritt sollen Quellen des Eiseneintritts behoben werden.  

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen