Initiative in der Uckermark : „Nähen für Regenbogenkinder“

Winzige Trostspender: Marlies Burchert (l.), Inhaberin des Handarbeitsladens in der Angermünder Rosenstraße, unterstützt die Aktion „Nähen für Regenbogenkinder & Frühchen“. Anja Beutel hat die regionale Gruppe Uckermark gegründet.
Foto:
1 von 1
Winzige Trostspender: Marlies Burchert (l.), Inhaberin des Handarbeitsladens in der Angermünder Rosenstraße, unterstützt die Aktion „Nähen für Regenbogenkinder & Frühchen“. Anja Beutel hat die regionale Gruppe Uckermark gegründet.

Bundesweite Initiative hilft Eltern von totgeborenen Kindern und Frühchen / In Angermünde unterstützt ein Handarbeitsladen eine Initiative.

svz.de von
12. August 2016, 04:45 Uhr

Ende vergangenen Jahres startete in der Uckermark eine Initiative „Nähen für Regenbogenkinder“. Frauen nähen und häkeln ehrenamtlich winzige Kleidchen und Erinnerungsstücke für totgeborene Babys und Frühchen. Jetzt meldeten sich viele weitere Unterstützer.

Im Handarbeitsladen von Marlies Burchert in Angermünde (Uckermark) ist ein Regal bestückt mit winzigen Höschen, Kleidchen, Schühchen in bunten Farben, liebevoll bestickt und verziert. Was auf den ersten Blick wie Puppenkleidung aussieht, sind Sachen für Babys, für winzige Menschlein, manche nicht größer als ein Handteller. Marlies Burchert näht für Regenbogenkinder, Kinder, die viel zu früh auf die Welt gekommen sind und nicht leben durften, Totgeburten, die in vielen Kliniken leider ohne Namen, ohne Abschied „entsorgt“ werden wie organischer Abfall“. Den Eltern bleibt nichts außer Schmerz und Trauer.

Um diesen Regenbogen- oder Sternenkindern einen würdigen Abschied zu ermöglichen und den Eltern ein Ritual des Trauerns und des Erinnerns zu geben, haben sich bundesweit ehrenamtliche Initiativen gegründet. Sie wollen damit dieses Anliegen aus dem Tabu ins öffentliche Bewusstsein rücken und betroffenen Eltern helfen.

In der Uckermark hat Anja Beutel die Initiative aufgegriffen und eine regionale Gruppe „Nähen für Regenbogenkinder“ ins Leben gerufen. Die junge Mutter, die nach einer komplizierten Schwangerschaft nachfühlen kann, was Eltern erleiden, die nach der Geburt kein Kind glücklich in den Armen wiegen dürfen, hat viele Gleichgesinnte und Unterstützer um sich geschart. Sie nähen Bekleidungsstücke, Taufkleidchen, winzige Babyschalen und Einschlagtücher, häkeln Schühchen, basteln Erinnerungsstücke wie Schmetterlinge, Bärchen oder Engel, damit die Eltern etwas in der Hand halten können. „Damit irgendetwas bleibt“, sagt Anja Beutel. Marlies Burchert gehört zu den ehrenamtlichen Unterstützern, näht, spendet Stoffreste und hat in ihrem Geschäft ein Regal für die Regenbogenkinderaktion freigemacht, stellt dort Sachen aus, nimmt gespendete Sachen an und will vor allem helfen, das Anliegen öffentlich zu machen.

Der Anlass dafür war traurig: „Ich nähe und verkaufe individuell mit Namenszug gestaltete Babydecken. Einmal kam eine hochschwangere junge Frau mit ihrer Mutter in meinen Laden und bestellte solch eine Decke“, erinnert sich die Geschäftsfrau. Kurze Zeit später kam die Mutter der jungen Frau in den Laden. Das Ungeborene starb im Mutterleib. Die Decke wurde nicht mehr gebraucht. „Ich habe daraus zwei Decken gemacht, eine für das Baby, die ihm mitgegeben werden konnte, und eine für die Mutter als Erinnerung“, erzählt Marlies Burchert.

Dieses bewegende Erlebnis sitzt bis heute tief und motiviert sie, die Aktion zu unterstützen. Inzwischen wurden schon zwei Nähmaschinen gespendet. Viele bringen sogar ihre Hochzeitskleider vorbei, damit sie einem Herzenszweck dienen. Daraus nähen die Frauen Taufaufleger und Kleidchen.

Kontakt hält die Gruppe über Facebook miteinander, wo sie auch mit anderen regionalen Initiativen im Austausch ist. Viele sind selbst in irgendeiner Weise betroffen, andere wollen einfach nur helfen. Jeder macht, was er kann und wie es die Zeit zulässt. Manchen geht es emotional an die Nieren, dass sie mal Pause machen müssen. Regelmäßig trifft man sich zu Nähstunden, tauscht sich aus, lernt neue Techniken, lacht und weint auch gemeinsam. In Kliniken, bei Hebammen oder Bestattungshäusern stellen sie die Aktion vor und bieten ihre Sachen an. Kostenlos.

Die Familien- und Schwangerenberatungsstelle von Sylvia Wendt in Angermünde ist Partner. „Viele große deutsche Kliniken unterstützen die Aktion, ermöglichen den Regenbogenkindern eine würdevolle Bestattung und fordern regelmäßig Sachen an“, erzählt Anja Beutel. Auch im Asklepios-Klinikum Uckermark habe sie die Aktion schon vorgestellt. „Da bekamen wir leider bisher keinen Fuß in die Tür. Aber wir versuchen es weiter.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen