Nächster Zwist ums Landtagsschloss

<strong>Immer wieder Wirbel</strong> gibt es um den Neubau des Landtags in Form des früheren Potsdamer  Stadtschlosses.<fotos>ddp; dpa</fotos>
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Immer wieder Wirbel gibt es um den Neubau des Landtags in Form des früheren Potsdamer Stadtschlosses.ddp; dpa

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05. Juli 2010, 08:12 Uhr

Potsdam | Vom Jahr 2013 an soll der brandenburgische Landtag im neuen Potsdamer Stadtschloss tagen. Nach langem Anlauf wurde im März dieses Jahres der erste Spatenstich für den Wiederaufbau des früheren Prachtgebäudes mitten in der Landeshauptstadt gesetzt. Doch es folgten heftige Debatten um die Fassade des Baus und die Abweichungen vom historischen Vorbild. Inzwischen gibt es auch Streit um den Plenarsaal. Nach den ursprünglichen Plänen sollte es ein heller, von Licht durchfluteter Saal werden - das Herz des Stadtschlosses, das nach Vorbild des einstigen Knobelsdorffschen Wahrzeichens auf dem Alten Markt errichtet wird. Die Innenausstattung sollte Symbol demokratischer Transparenz sein, dort, wo einst Preußens Herrscher das Sagen hatten.

Der Zwist der Landtagsführung mit dem Architekten Peter Kulka und dem Baukonzern BAM Deutschland AG dreht sich um die nun neu überarbeiteten Pläne für den Plenarsaal. Inzwischen ist parlamentsintern von der Gefahr die Rede, es könne ein Saal entstehen, der nicht "der vereinbarten architektonischen Qualität" entspricht. Zudem könnten beim Architektenwettbewerb unterlegene Mitbieter durch die Änderungen versucht sein, erneut gegen die Jury-Entscheidung vorgehen. Das jedenfalls befürchten Mitglieder und Experten des Landtags; das Präsidium des Parlaments ist alarmiert.

Mehrere mit der Sache befasste Parlamentarier und Mitglieder der Landtagsverwaltung äußerten inoffiziell den Eindruck, dass mit der nun von Kulka vorgelegten, abgespeckten Variante erhebliche Kosten gespart werden sollen, wovon das Land aber nicht profitiert.

Denn das Land Brandenburg baut das Schloss nicht selbst. Vielmehr wird der neue Landtag in Potsdams Mitte bis zum Jahr 2013 für insgesamt 120 Millionen Euro in einer so genannten öffentlich-privaten Partnerschaft (Public Private Partnership = PPP) errichtet. Bauherr ist die BAM Deutschland AG, die das Gebäude dann auch weitere 30 Jahre betreibt, also sich um die Heizung, Reinigung, Technik und Bewachung kümmert. Das Land zahlt von der Eröffnung an bis ins Jahr 2043 jährlich zehn Millionen Euro an den Konzern.

Verwunderung hatte Kulka auf der jüngsten Sitzung des Landtagspräsidiums ausgelöst, als er neue Entwürfe vorlegte, die von seinem Siegerentwurf abweichen. Der Architekt begründete die Umgestaltung mit einer besseren Akustik und mit ästhetischen Gründen. Vergangenes Jahr hatte damalige Finanz- und jetzige Innenminister Rainer Speer (SPD) noch Bilder eines überaus hellen, nach oben hin zur einer Glaskonstruktion offenen Saal präsentiert. Demnach waren für den Plenarsaal weiße Wände, silberne Vorsprünge und rote Stühle vorgesehen, das soll an die rot-weiße Brandenburg-Fahne erinnern. Kulka dagegen schlug nun eine Zwischendecke mit ovaler Öffnung und eine dunkle Holzvertäfelung vor. Im Landtagspräsidium stieß der Architekt auf Skepsis, Kulkas Aussagen zur Akustik seien nicht plausibel, hieß es. Einige Mitglieder reagieren genervt auf das Hin und Her "des Künstlers". In der internen Präsidiumssitzung sagten SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Klara Geywitz und Linke-Fraktionschefin Kerstin Kaiser, sie wollten "nicht in einer Sprelacart-Schrankwand" sitzen, also in einem in der DDR üblichen dunklen Holzimitat.

Der BAM-Konzern drängt auf eine zügige Entscheidung in dieser Planungsfrage, das Präsidium dagegen will nur unter strengen Bedingungen den geänderten Innenplänen zustimmen. Die CDU-Fraktionsspitze sieht das Landtagspräsidium ohnehin überfordert mit den Fachfragen, die Parlamentarier seien eben keine Bau-Experten. Fraktionschefin Saskia Ludwig und Fraktionsgeschäftsführer Ingo Senftleben forderten, derlei Detailentscheidungen seien in einer von ihnen geforderten Baukommission besser aufgehoben.

Kritik wurde indes auch am zuständigen Finanzminister Helmuth Markov (Linke). Dieser zeige wenig Geschick im Umgang mit Baukonzern und Architekt und verhandle nicht hart genug, hieß es von Beteiligten.

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