Spezialwissen langfristig erhalten : Nachwuchs für Landesverwaltung

Stefan Zeuner spricht im Potsdamer Finanzministerium mit Monika Seidel. Der 29jährige Wirtschaftsmathematiker ist Nachfolger von Frau Seidel, die im November in Ruhestand geht.
Stefan Zeuner spricht im Potsdamer Finanzministerium mit Monika Seidel. Der 29jährige Wirtschaftsmathematiker ist Nachfolger von Frau Seidel, die im November in Ruhestand geht.

Die nächste Generation sägt aber nicht am Stuhl der Fachleute – Künftiger Pensionär und sein Nachfolger arbeiten im Projekt „Tandem“

von
01. Februar 2018, 05:00 Uhr

In Brandenburgs Landesverwaltung läuft ein Generationswechsel. Der demografische Wandel erreicht auch den öffentlichen Dienst und die Zahl der Ruheständler nimmt weiter zu.

Wie kann verhindert werden, dass in den Behörden spezielles Fachwissen verloren geht? Wird es einen nahtlosen Übergang von einer Generation zur anderen geben? Wie es vielleicht gehen könnte, zeigt das Beispiel Stefan Zeuners. Er ist 29 Jahre alt, hat Wirtschaftsmathematik studiert und arbeitet seit März 2018 im Potsdamer Finanzministerium. Monika Seidel, die nach 27 Jahren in dem Ministerium im November in den Ruhestand geht, gibt ihm das Wissen weiter, dass er in seinem Job braucht. Der Bereich der Haushaltsabteilung nennt sich Backoffice Wertpapier- und Schuldenverwaltung sowie Derivate.

„Hätte ich ins kalte Wasser springen müssen ohne Hilfe, wäre es bedeutend schwieriger gewesen“, sagt Zeuner. Im Studium hatte er mit Mathematik zu tun. Wie eine Verwaltung funktioniert, war ihm neu, interessierte ihn aber.

Erstmals habe das Land 2010 ein Nachwuchsstellen-Konzept aufgelegt, berichtet Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski. „Alle Behörden und Ministerien haben die Möglichkeit, in ausgewählten Bereichen frühzeitig für Nachfolger zu sorgen.“ Bereits 730 Nachwuchsstellen entstanden bislang - finanziert von den Ministerien und Behörden selbst. Die „Doppelbesetzung“ einer Stelle kostet nach ihren Angaben pro Mitarbeiter etwa 60 000 Euro im Jahr. Das Geld müsse in den jeweiligen Haushalten eingestellt werden. „In öffentlichen Verwaltungen ist es kompliziert, einen Mitarbeiter für eine Stelle einzusetzen, die noch besetzt ist“, erklärt sie das Besondere des Projektes. Es gebe da strenge Regularien.

„Es sind hochkomplexe Aufgaben“, beschreibt Seidel ihren Arbeitsbereich. „Wir wickeln vereinbarte Darlehensverträge mit Banken oder Versicherungen ab und sorgen dafür, dass das Land alle Zahlungen pünktlich leistet“, erläutert sie. Derzeit werden 267 Darlehensverträge im Millionenbereich bedient. Dabei gehe es im weitesten Sinn um den Landesetat, um die Tilgung von Schulden, die Aufnahme von Krediten und die Finanzierung der Aufgaben des Landes.

Anfangs saß Zeuner immer mit am Schreibtisch seiner Kollegin. Gemeinsam verfolgten sie sechs- oder sogar siebenstellige Zahlenkolonnen, die über den Bildschirm flimmerten. „Von den Beträgen und den hohen Summen bin ich immer noch beeindruckt“, sagt Zeuner. Im Team herrsche immer das Vier-Augen-Prinzip. Es gehe immerhin um Millionenbeträge. Er sei stolz gewesen, als er seine erste Statistik, die das Land regelmäßig die zuständigen Fachbehörden weiterleiten muss, unter seinem Namen herausgeben durfte, sagt Zeuner.

Seidel, Mathematikerin, Verwaltungs- und IT-Fachfrau, macht den Job seit 27 Jahren. „Herr Zeuner ist relativ schnell in dem Thema angekommen“, sagt sie. Die Zusammenarbeit mit dem gut 30 Jahre jüngeren Kollegen habe ihr Spaß gemacht. „Es war interessant zu erleben, wie sich junge Leute in die Arbeit hineinknien.“ Zeuner muss sich nun in Verwaltungsaufgaben einarbeiten.

„Auf uns kommen in den nächsten Jahren Renten- und Pensionsabgänge in Größenordnungen zu“, sagt Trochowski. „Wissen geht unwiederbringlich von Bord, wenn wir nicht gegensteuern.“ Der Stellenabbau in der Brandenburger Landesverwaltung sei aber von der rot-roten Landesregierung erst einmal gestoppt. Ein Moratorium von 48 000 Stellen werde über den Doppelhaushalt 2019/20 abgesichert.

Seidel und Zeuner arbeiten mittlerweile nicht mehr ganz so eng wie anfangs miteinander zusammen, jeder sitzt nun in einem anderen Büro.„Ich habe jetzt schon viele Aufgaben, die ich allein erledige“, sagt Zeuner. Und seine Kollegin ergänzt: „Für Fragen und bei Problemen bin ich aber nach wie vor Ansprechpartnerin.“ Zumindest bis November - dann hat sie es als Pensionärin geschafft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen