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BER und Tegel : Nachtsitzung für die Vertagung

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Spät am Mittwochabend tagten die Gesellschafter des Berliner Großflughafens

von
erstellt am 18.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Es gibt Bratwürste und Lamm-Steaks, eine Kellnerin verteilt Gin-Tonics. Auf der Wiese vor der Landeszentrale für Politische Bildung sind Tische aufgebaut, Abgeordnete, Journalisten und Minister im Gespräch vertieft. Es ist der traditionelle „Saure-Gurken-Abend“ der Potsdamer Staatskanzlei, zu dem sich alle, die in den Sommerferien zu Hause Stallwache halten, in der Landeshauptstadt treffen. Zum zehnten Mal schon findet er in Potsdam statt.

Doch etwas ist anders an diesem Abend. Gegen 19.30 kommt Bewegung in die Feiernden. Matthias Kollatz-Ahnen, Berlins Finanzsenator, fährt vor, und wird von seinem Potsdamer Kollegen Christian Görke (Linke) auf eine Bratwurst eingeladen. Dann verschwinden beide im Finanzministerium. Denn auch in der Sommerpause muss manchmal gearbeitet werden: Auf Wunsch der beiden Bundesländer findet an diesem Abend in Potsdam eine Gesellschafterversammlung der Berliner Flughafengesellschaft statt.

Hintergrund waren die Äußerungen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der sich für eine Prüfung des möglichen Weiterbetriebs des Berliner Flughafens Tegel aussprach.

Als Dobrindt eine Stunde später in der schweren Hybridlimousine eines süddeutschen Herstellers vor dem Potsdamer Finanzministerium vorfährt, lässt er alle Beteiligten freilich erst einmal eine ganze Weile warten. Minutenlang steht das Fahrzeug mit eingeschaltetem Licht vor dem Ministerium, davor die wartenden Pressevertreter. Belustigt schauen die Feiernden von der Wiese vor der Staatskanzlei herüber. Zwischenzeitlich kommt Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) an der Limousine vorbei – auf die Frage einer Journalistin, ob er nicht seinen Ex-Kollegen begrüssen wolle, ruft er nur: „Ich hatte einen schönen Abend!“ und eilt zu seinem Auto.

Dann steigt Dobrindt aus. Das Wort „Tegel“ erwähnt er in seinem ersten Statement nicht. Es sei klar, dass der 1996 mit den beiden Ländern gefasste Konsensbeschluss zur Schließung Tegels und zur Schaffung eines Single-Airports nur gemeinsam verändert werden könne. Angesichts des rasanten Passagierwachstums und der zu erwartenden Kapazitätsprobleme am BER müsse man aber weiter darüber im Gespräch sein. Sprichts und verschwindet im Gebäude. Und es beginnt das große Warten. Im Konferenzraum mit der Nummer 222 brennt an diesem Abend lange Licht. Bis nach Mitternacht verhandeln die Gesellschafter miteinander, zuletzt reden Dobrindt, Görke und Kollatz-Ahnen ganz alleine.

Erst gegen halb ein Uhr in der Nacht gibt es wieder Arbeit für Kameraleute und Fotografen. Nacheinander kommen die Gladiatoren die Treppe hinab, Dobrindt als letzter. Er ist es auch, der besonders zögerlich zu den anderen vor die Fotowand des Ministeriums tritt – denn einen großen Erfolg kann der Kämpfer für die Offenhaltung des Flughafens Tegel an diesem Abend nicht verbuchen. Immerhin, sein Thema ist noch nicht vom Tisch.

In einer von Brandenburgs Flughafen-Staatssekretär und Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider verlesenen Erklärung heißt es, man sei sich einig, dass der Konsensbeschluss nur gemeinsam verändert werden könne. Um die rechtlichen Fragen eines Weiterbetriebs des Flughafens Tegel werde sich der Aufsichtsrat erst in seiner Novembersitzung kümmern – nach der Berliner Volksabstimmung dazu, und nach der Bundestagswahl. Dobrindt ist dann möglicherweise schon nicht mehr im Amt.

Bis dahin aber bleiben die Ergebnisse des Treffens für alle Beteiligten gesichtswahrend – man hat eine Formel gefunden, die es beiden Ländern und dem Bund ermöglicht, den Wahlkampf für das Berliner Volksbegehren zu überstehen. Mehr aber auch nicht.  

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