zur Navigation springen

Chaos-Flughafen : Nachtflugverbot ist gescheitert

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Start und Landebahnen des neuen Großflughafen BER sollen nachts nicht zeitgleich in Betrieb sein. Jeweils für die Dauer einer Woche soll zwischen 23 und 6 Uhr entweder nur von der Nordbahn oder nur von der Südbahn geflogen werden.

svz.de von
erstellt am 02.Jan.2014 | 23:30 Uhr

Die Start und Landebahnen des neuen Großflughafen BER sollen nachts nicht zeitgleich in Betrieb sein. Jeweils für die Dauer einer Woche soll zwischen 23 und 6 Uhr entweder nur von der Nordbahn oder nur von der Südbahn geflogen werden. Damit will das Land Brandenburg den vom Fluglärm geplagten Anwohnern der Start- und Landebahnen entgegenkommen, kündigte der Flughafenkoordinator der Landesregierung, Staatssekretär Rainer Bretschneider, gestern in Potsdam an. Ähnliche Modelle werden derzeit auch von der neuen schwarz-grünen Landesregierung in Hessen für den Flughafen Frankfurt erwogen. „Die alternierende Benutzung der Start- und Landebahnen könnte dazu führen, dass die Bevölkerung in Bohnsdorf, Blankenfelde-Mahlow oder Zeuthen die Hälfte der Jahres über vom Fluglärm entlastet wird“, sagte Bretschneider.

Gescheitert ist die Landesregierung dagegen bei den Verhandlungen mit Berlin und dem Bund über eine Ausweitung des Nachtflugverbots am BER. Im Februar 2013 hatte der Brandenburger Landtag der Landesregierung einen Auftrag zu entsprechenden Gesprächen erteilt, nachdem zuvor mehr als 106 000 wahlberechtigte Brandenburger ein Volksbegehren für mehr Nachtruhe am BER unterzeichnet hatten. „Ob Verhandlungen erfolgreich oder nicht erfolgreich enden, lässt nicht darauf schließen, wie engagiert man verhandelte“, sagte Bretschneider vieldeutig.

Sowohl der frühere Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als auch sein Nachfolger Dietmar Woidke (SPD) hätten mit Vertretern Berlins und des Bundes Gespräche aufgenommen, und nach Kompromissen gesucht. Dies habe aber nicht dazu geführt, „dass Berlin oder der Bund Bewegung zeigten“. Dennoch würden die Gespräche weitergeführt. Daneben kündigte der Flughafenkoordinator an, auch die rechtlichen Möglichkeiten eines brandenburgischen Alleingangs beim Nachtflugverbot prüfen zu wollen. Im Landtag war diese Forderung immer wieder von der Opposition erhoben worden, die Grünen verlangten gar eine Aufkündigung der gemeinsamen Landesplanung. Selbst äußerte sich der Flughafenkoordinator skeptisch: „Man soll nie nie sagen, aber ich sehe nur sehr wenig Chancen für einen Alleingang.“

Oppositionsvertreter zeigten sich gestern von den Ausführungen Bretschneiders wenig überrascht. „Dass die Verhandlungen mit Berlin und dem Bund scheitern, war doch absehbar“, sagte der CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke. „Das Land hat das Volksbegehren damals doch nur angenommen, weil klar war, dass der Bund und das Land Berlin schon nichts mehr ändern werden.“ Die Brandenburger seien von ihrer eigenen Landesregierung hinter das Licht geführt worden, so Genilke. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Potsdamer Landtag, Axel Vogel, und der grüne Flughafenexperte Christoph Schulze sprachen von einer „vorgezogenen Kapitulationserklärung“ und einem „Eingeständnis des Scheiterns“.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen