Nacht der Spekulationen

Am Abend des 27. September werden zuerst die Stimmen für den Bundestag ausgezählt. Klarheit über den neuen Landtag gibt es somit frühestens nach Mitternacht, so der Landeswahlleiter.

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14. September 2009, 01:57 Uhr

Potsdam | Die Ergebnisse der Landtagswahlen am 27. September werden mit hinreichender Sicherheit keinesfalls vor Mitternacht feststehen. Der Landeswahlleiter Bruno Küpper sagte in Potsdam, dies liege daran, dass gleichzeitig auch Bundestagswahlen stattfinden und die Auszählung der dabei abgegebenen Stimmen Vorrang habe. Damit werden die Brandenburger über viele Stunden hinweg den Spekulationen überlassen müssen, in wie weit die von den Meinungsforschungsinstituten um 18 Uhr veröffentlichten Prognosen zuverlässig für eine erste politische Einschätzung des Urnengangs sind.

Nach den bisherigen Erfahrungswerten kann in vielen Wahlbezirken erst ab 20 Uhr mit der Auszählung der Stimmen für die Landtagswahl begonnen werden. Ein vorläufiges amtliches Endergebnis erwartet Küpper in den frühen Morgenstunden des 29. September.

Für eine zunächst auch angedachte parallele Auszählung beider Wahlresultate fehlten die Helfer. Vorgesehen sind jetzt 30 000 Menschen, die in den gut 3600 Stimmbezirken für den ordentlichen Ablauf und die Stimmenzählung verantwortlich sind. Die doppelte Zahl an Freiwilligen aber sei keinesfalls zu mobilisieren gewesen.

Die um 18 Uhr von den großen Fernsehanstalten veröffentlichten Prognosen sind mit einigen Unsicherheiten behaftet. Sie basieren auf der Befragung von Wählern unmittelbar nach deren Urnengang. Falls Briefwähler in nennenswertem Umfang abweichend vom allgemeinen Trend abstimmen, wird dies nicht berücksichtigt. Auch ist die Fehlermarge bei solchen Nachwahlbefragungen, die bis zu zwei Prozent betragen kann, zu groß, um sichere Aussagen darüber treffen zu können, ob eine Partei knapp über fünf Prozent landet oder an dieser Hürde scheitert.

So kann dies - die letzten Meinungsumfragen zugrunde gelegt - in zwei durchaus wesentlichen zu einer Situation führen, in der auch Stunden nach Schließung der Wahllokale Unklarheit herrscht. Denn zum einen ist derzeit völlig offen, wie viele Parteien Vertreter in den nächsten Landtag entsenden. Wahrscheinlich werden die unter drei verschiedenen Formationen antretenden Rechtsextremen den Einzug verfehlen, aber dies ist genau so wenig hinreichend sicher, wie der Einzug der Liberalen und der Grünen. Und die nach den neuesten Umfragen ebenfalls offene Frage, ob SPD oder Linke vorne liegen, wird sich im Zweifelsfall mit den Prognosen ebenfalls nicht klar beantworten können.

In beiden Fällen aber können die Ergebnisse sogar direkte Auswirkung auf die möglichen Varianten einer Regierungsbildung haben. Da den Meinungsforschern in den ersten Stunden nach der Wahl auch kein neues Material für Hochrechnungen zur Verfügung steht, kann in Potsdam also mit einer langen Nacht der Spekulationen gerechnet werden. Wenn dann die ersten tatsächlich sicheren Erkenntnisse eintreffen, dürfte die Masse der Wähler längst schlafen.

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