Betriebe : Nachfolger im Handwerk gesucht

Damit es im Brandenburger Handwerk weitergeht, werden dringend Betriebsnachfolger gesucht.
Damit es im Brandenburger Handwerk weitergeht, werden dringend Betriebsnachfolger gesucht.

Viele Arbeitnehmer in Ostdeutschland haben sich nach der Wende selbstständig gemacht / In wenigen Jahren erreichen sie nun das Rentenalter

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21. April 2020, 05:00 Uhr

In den nächsten fünf Jahren werden in Brandenburg rund 6600 Unternehmensnachfolger im Handwerk gesucht. Bis 2030 gehen voraussichtlich etwa 12 500 Inhaber von Betrieben in den Ruhestand, teilten die Handwerkskammern Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) mit. Damit wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren fast jeder vierte Betrieb den Chef wechseln.

In Westbrandenburg suchen bis 2025 rund 2500 Firmeninhaber einen Nachfolger. Bis zum Ende des Jahrzehnts steht bei etwa 5300 Betrieben Besitzerwechsel an. In Ostbrandenburg werden in den nächsten fünf Jahren etwa 1500 Firmenchefs 60 Jahre alt oder älter, in Südbrandenburg rund 2600.

Viele Firmeninhaber, die 55 Jahre oder älter sind und sich auf die Betriebsübergabe vorbereiten, hatten sich in den ersten Jahren nach der Wende selbstständig gemacht. Ein großer Teil von ihnen sah sich dazu gezwungen, da viele Betriebe wegbrachen. Heute besteht in vielen Wirtschaftsbereichen Fachkräftemangel; der Schritt in die Selbstständigkeit erscheint jungen Leuten daher häufig unattraktiv.

In allen Kammerbezirken bestehe daher die Sorge, geeignete Nachfolger für die Handwerksfirmen zu finden, sagt der Präsident der Handwerkskammer Cottbus, Peter Dreißig. Bereits in den vergangenen Jahren seien Betriebe wegen fehlender Übernahmen geschlossen worden. Dies könne sich fortsetzen. „Wir arbeiten daher mit Hochdruck daran, Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, Qualifizierungen als Meister anzubieten und neue Chefs zu coachen. Firmeninhaber unterstützen wir durch Beratungen bei der Unternehmensnachfolge“, so Dreißig.

Die Handwerkskammer Potsdam startet im Mai ein bis 2022 laufendes Projekt, um Firmeninhaber frühzeitig bei der Nachfolgeplanung zu unterstützen. „In persönlichen Gesprächen versuchen wir Firmeninhaber ab 55 Jahren zu sensibilisieren“, sagt der für Betriebsberatungen zuständige Abteilungsleiter der Handwerkskammer, Michael Burg. Dazu gebe es eine Reihe von Veranstaltungen. „Ein Nachfolge-Check soll dem Betriebsinhaber bewusst machen, welche Aufgaben ihm vor einer Firmenübergabe an einen Nachfolger bevorstehen“, betont Burg. Ziel sei es, so viele Handwerksbetriebe wie möglich zu erhalten.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Potsdam unterstützten auch EU, Bund und das Land Inhaberwechsel mit Beratungen und Finanzierungsprogrammen. Aus dem Bundesprogramm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ könnten kleinere und mittlere Betriebe sowie Angehörige der Freien Berufe Zuschüsse zu Beratungen auch bei Firmenübergaben erhalten, teilte das Ministerium der AfD-Landtagsfraktion auf eine Anfrage mit.

Die Beratungsangebote für Betriebsnachfolger beinhalten auch das von der EU kofinanzierte Bundesprogramm „unternehmensWert: Mensch“ und die Existenzgründungsrichtlinie der Landesregierung. Ebenso gewährt das Brandenburger Wirtschaftsministerium Zuwendungen, um Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen frühzeitig für eine Nachfolge zu sensibilisieren.

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