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Andere Länder – andere Vorschriften : Nach Straßenüberquerung in Slubice verhaftet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Weil sie in Polen nicht den Fußgängerüberweg benutzten, machten zwei Deutsche unangenehme Erfahrungen

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Andere Länder – andere Vorschriften: Wegen einer relativ lapidaren Ordnungswidrigkeit machten zwei Deutsche äußerst unangenehme Erfahrungen mit Polens Polizei. Ihr Beispiel soll anderen zur Warnung dienen.

Der Frankfurter Jörg Liebel hatte seinen Wagen bereits neben der Slubicer Tankstelle abgestellt. „Ich musste nur noch schnell zur Wechselstube auf die andere Straßenseite, um Geld zu tauschen“, berichtet er. Doch kaum war er dort angelangt, verlangte ein polnischer Polizist seinen Ausweis und erklärte ihm: „Sie haben den Fußgängerüberweg nicht benutzt. Das macht normalerweise 100, aber heute mal 50 Zloty Strafe.“

Mit einem zweiten Mann, dem 74-jährigen Berliner Günter Wilke, verhandelten die Polizisten bereits wegen der gleichen Sache. Er wollte nicht zahlen. „Da ich mir keiner Schuld bewusst war und ich auch noch keine Zloty getauscht hatte, verweigerte ich die Zahlung ebenfalls“, berichtet Liebel. Tatsächlich befand sich ein Fußgängerweg in etwa 100 Meter Entfernung, doch die Deutschen hatten die Straße schon oft an der gleichen Stelle überquert.

Nach kurzer Debatte eskalierte die Situation: „Einer der Polizisten packte mich am Schlafittchen, riss meine Arme nach hinten, drückte meinen Oberkörper auf die Haube eines Polizeiautos und legte mir dabei Handschellen an“, berichtet der Berliner Rentner. Nicht nur, dass er sich wie ein Schwerverbrecher vorgekommen sei. „Der Polizist legte die Handschellen so brutal an, dass ich offene Wunden an beiden Gelenken bekam und meine rechte Schulter bis heute schmerzt“, beschreibt er.

Dann fuhr man die beiden Deutschen in getrennten Polizeiwagen zum Revier und erklärte ihnen, dass sie dort mindestens bis zum nächsten Tag, vielleicht aber auch zwei Tage bleiben müssten. „Es hieß, dass wir dann einem Richter vorgeführt würde, der sich mit der Sache beschäftigt“, sagt Liebel.

Da ihnen der Ernst ihrer Lage bewusst geworden war, erklärte sich der Berliner bereit, die 50 Zloty (umgerechnet zwölf Euro) zu zahlen. Liebel, dem man inzwischen erklärte hatte, dass ihm auch ein Zahlschein ausgestellt werden könne, machte von dieser Variante Gebrauch. „Nach gut einer halben Stunde waren wir zwar wieder frei. Hatten aber das Gefühl, dass wir unverhältnismäßig behandelt wurden und den Polizisten völlig ausgeliefert waren“, beschreibt der Deutsche seine Gefühle. Da er selbst Sozialarbeiter für auffällige Jugendliche ist, meint er sich gut damit auszukennen, wie man aufgeladene Situationen entspannen kann.

„Die Polizisten hätten ja nicht gleich einen auf Hardliner machen müssen. Sie hätten uns die rechtliche Situation auch noch mal erklären können“, sagt er. Die Sprecherin der Slubicer Polizei, Magdalena Jankowska, ist dagegen der Meinung, dass alles korrekt gelaufen sei. „Wenn sich ein Fußgängerweg in mindestens 100 Meter Entfernung befindet, muss dieser benutzt werden“, sagt sie. So sei nun mal die Vorschrift, weshalb es in Slubice und anderen polnischen Orten auch so viele Zebrastreifen gäbe. „Und dass die Strafen bei Ausländern gleich kassiert werden, ist doch auch in Deutschland so“, fügt sie hinzu.

Die Regelung, dass man auch bei geringen Ordnungswidrigkeiten bis zu zwei Tagen verhaftet werden kann, bevor ein Richter hinzugezogen wird, ist dagegen anders als hierzulande. Allerdings warnt auch der ADAC angesichts der bevorstehenden Reisezeit vor besonders scharfen Bußgeldregelungen in anderen europäischen Ländern.

Günter Wilke ist trotzdem noch nicht über das Erlebnis hinweg: „Ich trug zum ersten Mal Handschellen und habe meine Verletzungen von einem Arzt dokumentieren lassen“, berichtet er. Mit seinem Anwalt wolle er darüber beraten, ob es Sinn mache, Anzeige wegen der harten Behandlung gegen die polnischen Polizisten zu stellen.

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