Nach der Zeit als Majestät

Tanja Lezin Lezin sitzt als Tanja I. in ihrem blühenden Königreich.
Tanja Lezin Lezin sitzt als Tanja I. in ihrem blühenden Königreich.

Wittstocker Ex-Rosenkönigin Tanja I. ist immer noch popular und hat viel aus ihrer royalen zeit mitgenommen

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12. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Ein strahlendes Lächeln hier, ein freundlicher Gruß da, ein kurzer Stopp für ein nettes Gespräch: Tanja Lezin ist in Wittstock bekannt wie ein bunter Hund, denn sie war als Rosenkönigin Tanja I. das Gesicht der Landesgartenschau. Als diese im Oktober nach 172 Tagen ihre Pforten schloss, kehrte die einzige hauptamtliche Königin Brandenburgs in ihr bürgerliches Leben zurück. Obwohl seit ihrer Abdankung etliche Wochen vergangen sind, wird die 26-Jährige noch immer auf ihre Ära als märkische Exzellenz angesprochen. „Erst kürzlich wieder beim Einkaufen in der Nachbarstadt“, sagt die junge Frau, „und das, obwohl ich die Haare doch jetzt kürzer trage“ und auch das Rosen-Diadem darin fehlt.

Ihre Amtszeit werde sie in besonderer Erinnerung behalten, sagt Tanja Lezin. Sie sei „unendlich dankbar“ für die Erfahrung Tanja I. „Ich habe wahnsinnig viele Persönlichkeiten kennengelernt.“ Ob Einwohner oder Gäste der Gartenschau: Jeder Einzelne habe sie ein Stück weitergebracht, davon profitiere sie in ihrem Beruf als Erzieherin.

Dass sie hauptamtliche Regentin werden würde, hätte Tanja Lezin nicht im Traum gedacht, als sie im Mai 2015 zur Rosenprinzessin und im August 2016 zur Rosenkönigin gekrönt wurde. Wie sechs Königinnen vor ihr repräsentierte sie bei Empfängen und Festen in Wittstock und bei Großveranstaltungen wie der „Grünen Woche“ in Berlin die 14 500-Einwohner-Stadt ehrenamt, wie es bei „Produktköniginnen“ üblich ist.

De königliche Amtszeit hätte nach zwei Jahren geendet – wäre da nicht die erfolgreiche Bewerbung Wittstocks um die Landesgartenschau gewesen. Weil Tanja I. zu einer Marke geworden war, bat die Stadt sie, bis zum Ende der Landesgartenschau Königin zu bleiben. Und weil den Stadtvätern klar war, dass sie das nicht nebenbei konnte, wurde Tanja Lezin die erste hauptamtliche Regentin in der „Stadt der 1000 Rosen“.

Vom Job als Erzieherin in der Kita „Kinderland“ wurde sie bis zum Ende der Gartenschau freigestellt. „Was nur möglich war, weil es eine städtische Kita ist“, so die 26-Jährige, die seit dem achten Lebensjahr in Wittstock wohnt. „Hier kriegt mich keiner mehr weg.“ Rundum wohl fühle sie sich hier. „Indem ich als Rosenkönigin für Wittstock geworben habe, konnte ich der Stadt etwas von dem zurückgeben, was sie mir gibt.“

Die Regentschaft verlangte ihr einiges ab. Etwa 15 Kilometer legte sie täglich auf der Gartenschau zurück, ein echter Knochenjob. Zwar konnte sie sich die Arbeitszeit recht frei einteilen, „aber ich hatte den Anspruch, möglichst viele Gäste auf dem Areal zu begrüßen“. Weil der Andrang sonnabends und sonntags besonders groß war, blieb sie lieber mal montags zu Hause.

Letztlich gönnte sie sich in den fast sechs Monaten nur ein freies Wochenende: „Da habe ich geheiratet“, erzählt sie. Erst hatten sie und ihr Mann überlegt, die Hochzeitsfotos auf der Gartenschau schießen zu lassen. „Aber zu dem Zeitpunkt – im Juli – stand ich schon so stark in der Öffentlichkeit, da hätten wir den Moment nicht für uns gehabt“, sagt Tanja Lezin. „Und dass mein Hochzeitsfoto später bei Gartenschaugästen am Küchenschrank hängt, wollte ich nicht.“

Das sei anders bei den Tausenden Fotos, die von ihr in „Dienstkleidung“ geknipst wurden – im Kleid in Form einer Rosenblüte mit weit ausgestelltem geschwungenem Rock von Theaterschneiderin Christina Weiß. Die Berliner Profischneiderin habe sie auch ihrer Nachfolgerin Peggy I. empfohlen, der achten, wieder ehrenamtlichen Rosenkönigin. Mit Peggy Neitzel, wie die Regentin mit bürgerlichem Namen heißt, stehe sie in engem Kontakt. Zwar habe diese als Mitarbeiterin der Wittstocker Touristinformation sich einiges von Tanja I. abschauen können, „aber ich gebe ihr Tipps, bei welchen Anlässen sie keinesfalls fehlen darf“.

Natürlich verriet sie der neuen Königin auch, wo sie die Gummistiefel mit dem Rosenmuster für Regentage gekauft hat. Davon habe es nicht viele gegeben. „Aber gerade bei der ,Tour de Prignitz‘ hat es fürchterlich geschüttet, da war mein Kleid komplett durchnässt“, erinnert sich Tanja Lezin. „Nur gut, dass ich zwei komplette Sets hatte.“ Während sie die Gummistiefel weiter privat brauchen kann, bleiben die Rosenkleider vorerst im Schrank. Nicht, dass sie sich nicht mehr tragen dürfte: „Sie passen nicht mehr, weil mein Schwangerschaftsbäuchlein doch schon etwas kugelig geworden ist“, verrät die ehemalige Königin.

Das Kleid sei für sie so etwas wie Arbeitskleidung gewesen. Wenn sie es übergestreift habe, sei ihr klar gewesen: „Ab jetzt ist es meine Aufgabe, gute Laune zu verbreiten.“ Wozu sie sich nicht zwingen musste: Freundlichkeit liege in ihrem Naturell. „Und wenn Menschen zurücklächeln, geht es einem selbst gut, auch wenn man mal einen schlechten Tag hat.“ Sie habe keine Rolle gespielt, sei aus Überzeugung Tanja I. gewesen. Dass es echten Monarchen manchmal schwer falle zu lächeln, könne sie verstehen. Obwohl sie sich für Königshäuser nicht wirklich interessiert. Vor dem ersten Besuch bei Schneiderin Weiß schaute sie sich aber genau an, welche Kleider bei den britischen Royals Meghan und Kate en vogue waren. „Aber der Stil kam dann doch nicht in Frage – als Rosenkönigin muss man einfach auffälliger sein.“

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