Erdgasleitung Eugal in Planung : Nach dem Bau ist vor dem Bau

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In Ostbrandenburg wird fast parallel zur Opal-Pipeline die weitere Ferngasleitung geplant. Mammutprojekt führt 275 Kilometer durch die Mark.

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10. August 2016, 04:45 Uhr

Bei der Planung der Erdgasleitung Eugal einmal längs durch Brandenburg geht es mit großen Schritten voran. Nachdem Anfang Juni betroffene Kommunen ihre Anmerkungen zum bevorzugten Verlauf der Trasse gemacht haben, beginnt im Herbst das Raumordnungsverfahren.

Das Unternehmen Gascade zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf der ersten Phase des Mammutprojekts. „Es sind keine Hürden aufgetaucht, die Gespräche mit den Kommunen verliefen ruhig“, sagt Firmensprecherin Tatjana Bernert. Dass es einige Hinweise und Wünsche gebe, sei völlig normal.

Die auf EU-Ebene politisch umstrittene Pipeline soll ab 2019 von der Ostsee bis nach Tschechien führen. Sie wird eine Gesamtlänge von 485 Kilometern haben, von denen 275 Kilometer auf Brandenburg entfallen. Um den Flächenverbrauch gering zu halten, soll die Leitung zu mindestens 90 Prozent dem Verlauf der 2011 in Betrieb genommenen Erdgasfernleitung Opal folgen.

Geplant seien zwei unterirdische Röhren mit einer Stärke von 1,40 Meter und einer Gesamtkapazität von 51 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Eugal steht für „Europäische Gasanbindungsleitung“ und transportiert den Rohstoff aus Russland weiter, der über die geplante Nord-Stream-2-Pipeline bis an die Ostseeküste geliefert wird. Sie steht in der Kritik, weil sie Polen und die Ukraine vom Gastransport und damit von wichtigen Einnahmequellen ausschließen könnte.

Gascade-Sprecherin Bernert betont, dass Nord Stream 2 nur ein Aspekt bei der Planung von Eugal sei. Eine Umfrage am Markt habe 2015 ergeben, dass der prognostizierte Gasbedarf in Süd- und Mitteleuropa bis zum Jahr 2035 größer sei als bislang angenommen, und vor allen Dingen größer als die mit Opal und anderen bestehenden Leitungen vorhandenen Transportkapazitäten. Darauf reagiere man mit Eugal.

Von Norden nach Süden betrachtet, gibt es in Brandenburg nach derzeitigem Stand ab Gramzow (Uckermark) die ersten offenen Fragen für den Verlauf der neuen Trasse. Der Pipeline-Bauer Gascade hat selbst eine Variante ins Spiel gebracht, die anders als Opal das Oderbruch umgeht und stattdessen an Eberswalde vorbei führt und etwa ab der Gemeinde Höhenland in Märkisch-Oderland wieder dem Verlauf der Opal-Trasse folgt.

Die Prüfung dieser „Variante Eberswalde“ begründet die Unternehmenssprecherin mit dem Verweis auf die wegen der Grundwasserverhältnisse anspruchsvollen Bauarbeiten im Oderbruch. Ein Vertreter des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin gab jedoch bereits bei einer Anhörung zu bedenken, dass die Alternativroute durch das Reservat verlaufe und die entsprechenden Landschaftsschutzpläne berücksichtigt werden müssten.

Auch wie die Leitung im Falle eines Falles um Eberswalde verlaufen würde, ist noch offen, ebenso in Prädikow sowie in Garzau (beide Märkisch-Oderland), wo die bevorzugte Trasse durch einen geplanten Solarpark führen würde. Die Gemeinden Heidesee und Rietzneuendorf-Staakow (beide Dahme-Spreewald) wiederum monieren, dass sie bereits regelrecht umzingelt von Leitungen seien. Sie regen an, sich für Eugal an bestehenden Hochspannungsleitung beziehungsweise der Ferngasleitung Jagal zu orientieren, um die Orte nicht weiter zu zerschneiden. Gascade zeigt sich hier gesprächsbereit: „Wenn es irgendwo zu eng wird, suchen wir nach Alternativen.“

Die Gemeinde Baruth (Teltow-Fläming) schließlich zeigt sich nicht begeistert, zusätzlich zur bestehenden Opal-Verdichterstation auch noch eine solche laute und fußballfeldgroße Anlage für Eugal zu bekommen. Zumal die Gemeinde in der Gegend auch ein Gewerbegebiet entwickeln wolle. Die Stationen sind wichtig, um den Druck für den Transport in den Leitungen hoch zu halten.

Gascade-Sprecherin Bernert ist zuversichtlich, dass sich für diese und mögliche künftige Konflikte Lösungen finden werden. „Wir sind im Zeitplan. Mitte 2018 sollen die Bauarbeiten für die Eugal-Leitung beginnen“, ergänzt sie.  

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