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Familientradition : Musik liegt in den Genen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Wenn jemand aus der Familie Heise den Geigenbogen ansetzt, hört selbst der Laie: Hier spielen Vollblutmusiker auf hohem Niveau

svz.de von
erstellt am 07.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Caterina, Clara und Constantin Heise wirken auf den ersten Blick wie ganz normale Teenager. Die zwei Mädchen gehen gern shoppen oder treffen sich mit Freunden, ihr Bruder ist großer Filmfan und interessiert sich für das Konstruieren von Achterbahnen. In erster Linie gehört ihre Liebe der klassischen Musik. Bei Landes- sowie Bundeswettbewerben von „Jugend musiziert“ räumten die Geigerinnen und der Cellist aus Frankfurt(Oder) Preise ab.

Die 16-jährige Clara und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Constantin erhielten vor wenigen Tagen den Sonderpreis des Brandenburger Kulturministeriums für hervorragende solistische Leistungen. „Wir sammeln nicht Preise“, stellt der Nachwuchs-Cellist Constantin klar. „Aber durch die Auszeichnungen ergeben sich Konzerte“. Und die würden schließlich am meisten Spaß machen, bestätigen seine Schwestern. Das musikalische Trio hat schon von klein auf Instrumente gespielt.

Die Heise-Kinder kommen aus einem äußerst musikalischen Elternhaus: Mutter Elisabeth Heise-Glass ist Konzertmeisterin im Orchester der Deutschen Oper Berlin, Vater Jens Heise spielt Violine im Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt(Oder). „Wir haben von klein an unsere Eltern üben sehen und wollten das auch probieren“, sagt die 19-jährige Caterina. Sicher habe manchmal die Lust zum Üben gefehlt, doch alle drei seien letztlich bei der Stange geblieben.

Ihre Mutter wundert sich trotzdem, dass alle drei Kinder so viel Talent für Streichinstrumente bewiesen. „Wir haben als Eltern schon versucht, sie auch in andere Richtungen zu lenken, aber sie blieben bei der Musik“, erzählt die 45-Jährige. Dass Geschwister ähnliche musische Talente haben, sei nicht so selten, sagt hingegen Melanie Kardinar, Projektleiterin der beim Landesausschuss „Jugend musiziert“ angesiedelten Jugendphilharmonie Brandenburg. „Talent, Vererbung und Erziehung ergeben oft die richtige Mischung. Das bestätigt sich bei den Heises, die alle drei wirklich fantastisch spielen“, sagt Kardinar. Sie kennt vor allem die älteste, Caterina, seit 2012 Geigerin in der Jugendphilharmonie.

Doch davon verabschiedet sie sich gerade mit ein bisschen Wehmut. „Ich beginne nach dem Sommer ein Studium an der Musikhochschule Lübeck“, berichtet die 19-Jährige. Wie ihre jüngeren Geschwister träumt sie von einer Musikerkarriere in einem renommierten Orchester oder als Solistin. „An einen anderen Beruf hat keiner von uns bisher ernsthaft gedacht“, sagt Clara. Es klingt beinahe schon kämpferisch. Einen Plan B gebe es nicht.

Die Geschwister sind Caterina dicht auf den Fersen, werden Jungstudenten - Constantin an der Musikhochschule Weimar, Clara in Berlin. „Wir gehen weiter in Frankfurt zur Schule und bekommen darüber hinaus Unterricht von sehr guten Professoren“, erläutert der 14-Jährige. Die Zusatzbelastung schreckt beide nicht, denn sie sind es gewohnt, haben seit Jahren schon Privatunterricht. Manchmal sei es aber blöd, Freunden am Nachmittag nach der Schule mal wieder absagen zu müssen.

Doch da wären sie diszipliniert. „Angesichts der ausgedünnten Orchesterlandschaft wissen sie, dass sie in der Musik nur eine Zukunft haben, wenn sie außergewöhnlich gut sind“, sagt Mutter Elisabeth. Ihre Kinder hätten sich immer gegenseitig angestachelt, wobei Clara die Ehrgeizigste des Trios sei. „Wir haben ihnen lediglich die Liebe zur Musik vermittelt. Wenn sie dann nicht aus eigenem Willen ein Instrument spielen wollen, bringt kein Druck irgendwas“, ergänzt Vater Jens.

Bei den Heises liege die Begabung in den Genen, glaubt Moritz Kuhn, Musiker im Brandenburgischen Staatsorchester und langjähriger Lehrer von Constantin. „Der Junge ist etwas Besonderes, ein Einser-Schüler und Musiker, der stets den Stücken mit dem nächsten Schwierigkeitsgrad entgegenfiebert“, beschreibt Kuhn.

In seiner Freizeit hört der Musiker-Nachwuchs gern mal etwas anderes als klassische Musik. Die Älteste steht auf den „King of Pop“, Michael Jackson, ihre Schwester auf Popsternchen Ariana Grande und Filmfan Constantin schwört auf Soundtracks. Bevor der Ernst des Musiklebens richtig losgeht, macht die musikalische Familie im Sommer nochmals zusammen Urlaub in Dänemark. „Drei Wochen ohne Instrument - einfach herrlich“, freut sich Clara, während ihre Geschwister begeistert nicken.  

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