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Kreative Alltagsgegenstände bewahren : Museum sammelt DDR-Selbstgemachtes

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zu DDR-Zeiten funktionierten viele handwerklich Begabte Materialien um – einiges davon gibt es noch

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die Zugschnur einer Toilettenspülung ist jetzt der Henkel einer Handtasche und aus einem alten Benzinkanister wurde eine Aufbewahrungskiste: Im Brandenburgischen Textilmuseum in Forst (Spree-Neiße) trudeln zurzeit viele solcher Objekte ein. DDR-Bürger stellten sie einst her. Nachdem das Museum im November 2016 einen Aufruf startete, weil es für den Sommer eine Ausstellung zu Selbstgemachtem aus DDR-Zeiten plant, sind viele Lausitzer bei sich zuhause fündig geworden. Dutzende Objekte sind zusammengekommen.

Mit der Schau solle einerseits die Kreativität von Heimwerkern gezeigt werden und andererseits das Phänomen der Mangelwirtschaft in der DDR. Die führte häufig dazu, dass Materialien umfunktioniert wurden, sagt Museumsleiterin Michaela Zuber. Es galt zu improvisieren: „Man musste nehmen, was man hatte.“ Zugleich will das Museum, das in einer früheren Tuchfabrik eingerichtet ist, mit den Objekten ein Stück Zeitgeschichte der Region bewahren. „Vieles wurde nach der Wende weggeworfen“ betont der Vorsitzende des Museumsvereins, Kristian Schmidt.

Handwerklich Begabte hätten zu DDR-Zeiten allerlei Materialien gesammelt, um sie irgendwann wieder einzusetzen. Manches sei auch in Betrieben „abgezweigt“ worden, wie das Museum berichtet. Demnach kursierte in der Kleinstadt Forst unter Einwohnern zum Beispiel der Begriff „Mausi-Wolle“.

Was ist für die Schau schon zusammengekommen? Rasenmäher, die vermutlich aus Waschmaschinenmotoren gebaut wurden. Kleidungsstücke, Taschen aus Bast, Schmuck aus Kupferdraht und eine Aktentasche, die aus ausrangierten Maschinen-Lederwalzen hergestellt wurde. Aus Schaumstoff-Schwämmen wurden Deko-Objekte gebastelt - kleine Püppchen zum Beispiel. Dem Museum schwebt vor, bis zur Ausstellung einen Kleintraktor zu besorgen, der zu DDR-Zeiten selbstgebaut wurde.

Die Objekte stammen vor allem von Forstern, darüber hinaus kamen sie aus Cottbus, Guben (Spree-Neiße) Lübben (Dahme-Spreewald), Falkenberg (Elbe-Elster), aber auch aus dem sächsischen Bad Muskau. Das Museum erwaret, dass in der Schau im Sommer mehrere hundert Ausstellungsstücke präsentiert werden.

Dase Ausstellungskonzept ist nicht neu. 2016 gab es eine Schau im Stadtmuseum Jena in Thüringen („Man muss sich nur zu helfen wissen. Selbstgemacht in der DDR“). Das Museum will herausfinden, ob es für die Lausitz Typisches gab, das zu DDR-Zeiten besonders oft selbst hergestellt wurde.  

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