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Brandenburg : Museen benötigen mehr Platz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Einrichtungen im Land verfügen über zehntausende Exponate. Doch die Depots bieten selten ideale Bedingungen

Die Museen in Brandenburg klagen über zu wenig Platz und unzureichende Lagerungsbedingungen in ihren Depots. Das ergab eine dpa-Umfrage. „Zu oft sind die Sammlungen mangelhaft untergebracht“, sagt die Geschäftsführerin des Landesmuseumsverbands, Susanne Köstering. „Die problematischen Lagerbedingungen führen in manchen Fällen zu Schimmelbefall und allmählichem Sammlungsverlust.“ Die Sanierung der Museumsgebäude habe sich auf die Ausstellungsbereiche konzentriert, Alt- oder Außendepots seien kaum verbessert worden.

Den Schimmelbefall in ihren alten Lagerräumen, einem ehemaligen Dienstgebäude der DDR-Staatssicherheit, hatten die Mitarbeiter des kulturhistorischen Museums Viadrina in Frankfurt(Oder) vor einigen Jahren noch rechtzeitig bemerkt. „Wir haben die Bestände aus dem Depot evakuieren und an einem neuen Standort unterbringen können“, erinnert sich Museumsdirektor Martin Schieck. Jetzt lagerten sie in einem ehemaligen Bürokomplex, auf demselben Gelände wie die rund 11  000 Grafiken, Bilder und Plastiken des Museums Junge Kunst. „Für die Exponate des Viadrina-Museums reicht der Platz aus“, sagt Schieck. Doch für die Bestände des Kunstmuseums werde es langsam eng.

Auch stammten viele Stellmöglichkeiten noch aus DDR-Zeiten. Hier müsse zeitnah eine Lösung gefunden werden. Vielleicht schon im kommenden Jahr, im Zuge der Fusion mit dem Cottbuser Kunstmuseum zum Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst. „Wichtig dabei ist, dass unsere Sammlung in Frankfurt bleibt“, hofft Schieck.

Auch die Lagerbedingungen in den zwei Außenmagazinen des Museums Alte Bischofsburg in Wittstock, das eine Dauerausstellung zur Heimatgeschichte und bundesweit die einzige zum Dreißigjährigen Krieg beherbergt, sind nach Einschätzung von Museumsleiterin Antje Zeiger „suboptimal“. Nur die robustesten der gut 25 000 Objekte ihrer Sammlungen seien in den Außenmagazinen untergebracht. Eines der Depots befinde sich auf einem landwirtschaftlich genutzten und für Museumsmitarbeiter schwer zugänglichen Betriebsgelände.

Seit langem suche sie schon passende Alternativen, doch für bessere Räumlichkeiten sei kein Geld vorhanden. „Wenn wir die Außenmagazine nicht hätten, stünden wir auf der Straße“, sagt die Museumsleiterin. Lediglich die beiden Innenmagazine böten komfortable Bedingungen für empfindliche Exponate wie Handschriften. Die benötigten nämlich eine konstante Luftfeuchtigkeit von bis zu 45 Prozent.

Und noch ein weiteres Problem haben viele Museen: zu wenig Personal. „In den frühen 90er Jahren sind viele Stellen abgebaut worden“, blickt Susanne Köstering zurück. Neu gegründete Museen seien von vornherein entweder mit Ehrenamtlichen oder mit minimalem Personal ausgestattet worden. „Der langfristige Trend zu mehr Professionalisierung in den Museen hat sich in den letzten Jahrzehnten ins Gegenteil verkehrt“, mahnt sie. Insbesondere im Bereich der Sammlungspflege und Forschung fehlten Mitarbeiter. Zum Restaurieren fehle oft das Geld. Oft würden aber Spenden weiterhelfen. So wie bei dem aktuellen Projekt „Bürger von heute für Bürger von damals“, bei dem wertvolle Epitaphe gerettet werden sollen. „Die Spender übernehmen Patenschaften für die Grabdenkmäler und helfen so, diese zu erhalten“, erläutert der Museumsdirektor.

Daneben gibt es aber auch viel Positives aus den Museen zu berichten. „Die Museumsgebäude wurden saniert und mit neuen Dauerausstellungen versehen“, lobt Köstering. Nur wenige Museen harrten noch auf Erneuerung. Auch die kulturelle Bildungsarbeit sei intensiviert worden. Herkunftsforschung und Digitalisierung von Kulturgütern schritten erfolgreich voran. Das Erreichte hebt auch Zeiger hervor. Dass sich gerade die Ausstellungsräume in einem guten Zustand befinden, sei besonders wichtig. „Damit locken wir schließlich die Leute an“, erklärt sie.

Wenig zu klagen hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Potsdam. „Natürlich ist die Depotsituation nicht perfekt, aber die Unterbringungsbedingungen sind doch andere als in vielen kleineren Einrichtungen“, sagt Stiftungssprecher Frank Kallensee. Ende 2016 soll laut Kallensee das neue Wissenschafts- und Restaurierungszentrum (WRZ) am Rande des Parks von Sanssouci fertig gestellt werden. „Hier wird neben Restaurierungswerkstätten die umfangreiche Graphische Sammlung einziehen“, kündigt er an. Für Möbel, Gemälde und Textilien werde im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms für die preußischen Schlösser und Gärten bis Ende 2017 ein Zentrales Depot (ZED) am Potsdamer Hauptbahnhof gebaut.

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