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Brandenburg

21. November 2017 | 16:47 Uhr

Randowbruch : Moorschutz ausgebremst

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bauern und Umweltschützer wollen das Randowbruch renaturieren

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Ein bedeutendes Naturschutzvorhaben ist ins Stocken geraten. Dabei waren sich bei der Renaturierung des Randowbruchs in der Uckermark ausnahmsweise mal Umweltschützer und Landwirte einig, dass die Region davon profitieren würde.

Eines der größten zusammenhängenden und weitgehend unbesiedelten Niedermoore Deutschlands soll nach seiner komplexen Melioration in den 70er-Jahren gerettet werden. In der Projektbeschreibung wird vor extremen Mengen an Treibhausgasen gewarnt, die durch die Austrockung der früheren Moorflächen freigesetzt werden. Seltene Tiere vom Schreiadler über den Kreuzdorn-Zipfelfalter bis zum Großen Mausohr – einer Fledermaus-Art – sollen erhalten werden.

Der euphorische Ton gehört zum Geschäft, schließlich geht es um den Kauf von 1000 Hektar Land und Kosten von 27 Millionen Euro. Dreiviertel dieser Summe kämen aus einem speziellen Fördertopf des Bundesumweltministeriums, 15 Prozent vom Land und zehn vom Projektträger. Letzterer könnte der Wasser- und Bodenverband Welse in Kooperation mit dem Landkreis und der Nabu-Stiftung sein.

Landwirt Lars-Andreas Sieh vom Gut Schmölln bringt das Anliegen so auf den Punkt: Natürlich kann er heute auf den entwässerten Flächen gute Erträge erzielen. Aber der Torfboden zersetzt sich. „Meine Kinder und Enkel sollen hier noch Landwirtschaft betreiben können“, sagt Sieh. Das geht aber nicht, wenn dann nur noch schwarzer Sand übrig geblieben ist.

Deshalb hat der Landwirt das Vorhaben unterstützt, das neben der Renaturierung auch Flächen für verschiedene Formen der landwirtschaftlichen Nutzung vorsieht. Das reicht von Rinder- und Schafhaltung bis zum Anbau von Schilf und dessen Nutzung als Energiequelle.

Der Kreisbauernverband Uckermark unterstützte das Vorhaben in einem Schreiben vom 31. Mai 2016 ausdrücklich. Dazu könnte auch beigetragen haben, dass die Projektbetreiber 700 Hektar Fläche von der bundeseigenen BVVG erwerben wollen. Damit würde eine Versteigerung des immer teurer werdenden Bodens verhindert und eine spätere Verpachtung an einheimische Bauern möglich.

Landrat Dietmar Schulze (SPD) hat noch einen anderen Blick auf das Projekt: Er war früher Staatssekretär im Umweltministerium und für den Wasserbereich zuständig. Das Randowbruch war eines der letzten großen Entwässerungsprojekte der DDR, berichtet er. Inzwischen ist ein Großteil der Meliorationsbauwerke marode. Schulze sieht deswegen dringenden Handlungsbedarf.

Er kann nicht verstehen, dass das Umweltministerium das Projekt nicht vorantreibt. Seit einem Jahr passiere nichts. Auch bei Landwirten der Region und den Naturschützern in Potsdam wird man unruhig. Von Überlastung des Landesumweltamtes ist die Rede und davon, dass die Naturschutzprojekte generell auf Sparflamme gefahren werden. Eine Anfrage dieser Zeitung zur Zukunft des Naturschutzgroßprojektes wurde gar nicht erst beantwortet.

 

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