Bürgerverein baut Dorfzentrum : Mittendrin und miteinander

Käte Roos vom Bürgerverein 'Märkische Mitte' steht vor der ehemaligen Thomas-Müntzer-Schule. Mit einer Investition von knapp 2,5 Millionen Euro errichtet der Bürgerverein in der Ortschaft Reichenberg (Märkisch-Oderland) in der ehemaligen Schule ein Gesundheits- und Generationenzentrum.

Käte Roos vom Bürgerverein "Märkische Mitte" steht vor der ehemaligen Thomas-Müntzer-Schule. Mit einer Investition von knapp 2,5 Millionen Euro errichtet der Bürgerverein in der Ortschaft Reichenberg (Märkisch-Oderland) in der ehemaligen Schule ein Gesundheits- und Generationenzentrum.

Die Versorgung der Bewohner in vielen brandenburgischen Dörfern ist schwierig. In der Märkischen Schweiz baut ein Verein eine alte Schule zu einem Gesundheits- und Generationenzentrum um.

svz.de von
12. September 2018, 20:45 Uhr

Käte Roos sprüht vor Energie. „Wenn hier was ist, wird sich was tun - wenn man nix hat, passiert auch nichts“, sagt die 69-Jährige überzeugt. Roos steht vor der ziemlich heruntergekommenen, ehemaligen Thomas-Müntzer-Schule, in der bis zur Schließung im Jahr 1998 rund 1000 Schüler unterrichtet wurden. Dort baut der Bürgerverein „Märkische Mitte“ unter dem Vorsitz von Roos ein Gesundheits- und Begegnungszentrum: Zunächst mit einer Kita, einer Tagesstätte für ältere und behinderte Menschen, einem Vereinsraum mit Bibliothek und einem Dorfladen samt Bistro. „Dies wollen wir zum 1. Januar in Betrieb nehmen“, sagt Roos strahlend.

Reichenberg gehört zur Gemeinde Märkische Höhe (Märkisch-Oderland).„Das Einzugsgebiet für das Versorgungszentrum umfasst im Umkreis von 15 Kilometern 18 Dörfer mit rund 28 000 Einwohnern“, sagt Ortsvorsteher Theo Trachternach. Während nach der Wende viele Einwohner weggezogen sind, gebe es seit 2012 wieder starken Zuzug, etwa von Familien aus Berlin. „Von hier aus sind es nur 50 Kilometer bis zum Alex“, so Trachternach. „Alle alten Bauernhöfe sind inzwischen schon weg.“

Ortsnahe Gesundheitsversorgung

Doch nicht nur die jungen Zugezogenen bräuchten etwa die Kita in dem Versorgungszentrum, meint Trachternach. Die älteren Bewohner seien auf eine ortsnahe Gesundheitsversorgung angewiesen. „Der Landkreis hat uns beraten, welche gesundheitlichen Dienste notwendig sind.“ So entsteht im Erdgeschoss eine Arztpraxis, die im kommenden Frühjahr startklar sein soll. Im ersten Obergeschoss sollen in einem zweiten Bauabschnitt bis Juli 2019 neben Seniorenwohnungen auch Räume für therapeutische Dienste entstehen. „Die Praxis soll von verschiedenen Fachärzten genutzt werden“, erläutert Roos das Konzept. „Dafür haben schon einige Ärzte Interesse angemeldet.“ 1,2 Millionen Euro hat der Verein an Kosten für den 1. Bauabschnitt im Erdgeschoss veranschlagt. Mit knapp 749 000 Euro Förderzusage sollen knapp zwei Drittel davon aus EU- und Landesmitteln kommen.

Rund 450 000 Euro muss der Verein also selbst aufbringen. „Dafür haben wir einen Kredit bekommen von einer Bank, die an uns glaubt“, erläutert Roos. Der zweite Bauabschnitt ist mit 1,4 Millionen Euro kalkuliert. Dies muss der Verein über Kredite selbst finanzieren.

Große Probleme bereite allerdings die schleppende Auszahlung der Fördermittel durch das zuständige Landesamt für ländliche Entwicklung in Fürstenwalde (Oder-Spree), beklagt Roos. „Wir haben schon 400 000 Euro verbaut und erst 100 000 Euro in der Erstattung“, sagt sie. „Wollen die, dass wir oder die Handwerker in Konkurs gehen?“ Sehr problematisch sei, dass der Verein für jede Ausschreibung sieben Angebote vorlegen solle. „So viele Angebote kriegen wir hier draußen nie“, sagt Roos.

Mindestens drei Angebote

Mindestens drei Angebote müssten mit der Rechnung beim Landesamt eingereicht und nur der Günstigste dürfe genommen werden. „Doch dieser ist häufig auch der schwächste im Qualitätsbereich, und es kommt zu massiven Nachträgen und Korrekturarbeiten und diese wiederum führen zu massiven Fördermittelabzügen“, sagt Roos.

Der Sprecher des Ministeriums für ländliche Entwicklung, Hans-Joachim Wersin, bestätigt, dass es bei der Vergabe von EU-Mitteln strenge Anforderungen gebe. Verzögerungen bei der Auszahlung der Fördermittel vermag Wersin jedoch nicht zu erkennen. Der Verein habe Ende März knapp 90 000 Euro Fördermittel beantragt, doch die letzten fehlenden Unterlagen seien erst im August eingegangen. Am 30. August seien dann gut 50 000 Euro Fördermittel ausgezahlt worden, berichtet Wersin. „39 299,01 Euro mussten unter anderem wegen Kosten, die nicht dem Antragsgegenstand entsprachen, gekürzt werden.“ So werde der Verein womöglich nur einen Bruchteil der Fördersumme bekommen, befürchtet Roos. „Wir verstehen mittlerweile, dass Träger wie wir in Konkurs gehen oder auch am Jahresende die EU-Mittel von Brandenburg nicht abgerufen sind.“

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