Ausstellung : Mit „Wolfsmenschen“ Zeichen gegen Rechts

Künstler und Unternehmer Rainer Opolka aus dem brandenburgischen Storkow setzt ein starkes Zeichen gegen die aktuelle Rechtsentwicklung in Deutschland.
Künstler und Unternehmer Rainer Opolka aus dem brandenburgischen Storkow setzt ein starkes Zeichen gegen die aktuelle Rechtsentwicklung in Deutschland.

Storkower Künstler und Unternehmer eröffnet Ausstellung mit 66 Skulpturen vor Dresdner Frauenkirche

svz.de von
15. März 2016, 08:00 Uhr

Der Storkower Künstler und Unternehmer Rainer Opolka will mit eindrucksvollen Skulpturen ein Zeichen gegen Rechts setzen. Er baut 66 „Wolfsmenschen“ vor der Frauenkirche in Dresden auf. Morgen wird die Ausstellung eröffnet.

Kaum werden die ersten der bis zu 400 Kilogramm schweren Skulpturen mit einem Kran auf das Pflaster gehievt, bildet sich schon eine kleine Menschentraube. Mit vier großen Sattelschleppern sind die aus Bronze und Eisen gegossenen Ungetüme nach Dresden transportiert worden. Gestern waren die „Wolfsmenschen“ schon vollzählig – kurz vor Beginn der Pegida-Demonstration.

Die mächtigen Skulpturen sollen sich dem fremdenfeindlichen Aufmarsch, der wöchentlich das Dresdner Zentrum in einen Ausnahmezustand versetzt, entgegenstellen. Der Künstler Rainer Opolka hat die zähnefletschenden und teils bewaffneten Ungetüme als Symbol für eine Gesellschaft ohne Ordnung, Respekt und Menschlichkeit gewählt. Gleichzeitig verkörpern sie den Hass, der Flüchtlingen vielerorts entgegenschlägt.

Die Anregung für die Skulpturen lieferte der englische Philosoph Thomas Hobbes, der in seiner 1641 verfassten Schrift „Vom Bürger“ formulierte: „Der Wolf ist des Menschen Wolf.“ Dieser Satz sei zeitlos, meint Opolka und verweist darauf, wie schnell sich rechtes Gedankengut derzeit ausbreitet. „Die Landtagswahlen und die Erfolge der AfD belegen dies“, sagt der 60-jährige Künstler und Unternehmer aus Storkow (Oder-Spree).

Schon kurz nach der Ankunft auf dem Dresdner Neumarkt wurde er in Diskussionen verwickelt. „Die meisten Menschen hier sind aufgeschlossen und begrüßen die Aktion“, berichtet Opolka, der mit einer Firma für LED-Taschenlampen ein Vermögen verdient hat und zusammen mit seinem Bruder Harald das Schloss Hubertushöhe bei Storkow erworben hat. Das einstige Luxus-Hotel wollen beide für die Öffentlichkeit zugänglich machen und dort Kulturveranstaltungen anbieten. Seit Jahren engagieren sie sich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus.

Dennoch sei er in der sächsischen Landeshauptstadt auch mit heftiger Kritik konfrontiert worden, er erhielt zudem Droh-Mails. „Man muss mit allen Leuten reden, dazu gibt es keine Alternative“, so Opolka. Eine Woche lang ist er in Dresden vor Ort und hat sich vorgenommen, Tausende Gespräche zu führen. „Die Resonanz ist schon jetzt überwältigend“, berichtet der Künstler. Dabei spüre er, wie unangenehm manchen Menschen die Konfrontation mit den „Wolfsmenschen“ ist, „als würde ihnen ein Spiegel vorgehalten“. Schülergruppen erkunden dagegen begeistert die Skulpturengruppe. „Die klettern herum und machen Selfies.“

Dabei betont Opolka, dass dieses Projekt zwar eine Reaktion auf die politische Entwicklung darstellt, aber einen langen Vorlauf hatte. „Ich habe ein Jahr lang täglich fünf Stunden an den Entwürfen gearbeitet“, berichtet er. 18 Figuren kamen in die engere Auswahl, acht wurden produziert. Aber nicht in Deutschland, sondern in China, wo sein Taschenlampen-Unternehmen rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt. „Hier hätte mich das 1,3 Millionen Euro gekostet, wir mussten es günstiger realisieren.“ Dass es 66 „Wolfsmenschen“ wurden, sei reiner Zufall, meint er.

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