zur Navigation springen

Hundetraining für die Jagd : Mit Wild spielt man nicht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Viele Waidmänner schließen sich zusammen, um mit ihren Hunden für die tierschutzgerechte Jagd zu üben

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2016 | 04:45 Uhr

Hunde gehören zur Jagd, wie die Munition zum Gewehr. Um die Tiere richtig dafür auszubilden, müssen die Jäger viel Zeit und Geld investieren. Auch, um die Hunde vor Gefahren während der Jagd zu schützen.

Der Labrador-Welpe ist 18 Wochen alt und wirkt noch sehr verspielt. Fröhlich springt er neben seinem Frauchen, einer Jägerin aus Klein Machnow, umher, während Petra Schneller, versteckt in einem lichten Waldstück, die blutige Fährte auslegt. Die Rinderleber dafür hat die Jagdhund- trainerin in einem großen Joghurtbecher mitgebracht. Um die Fleischstücke möglichst geruchsintensiv über den Boden ziehen zu können, packt Schneller sie in ein Netz. Ab und an lässt sie einen Brocken als Anreiz liegen. „Die Arbeit soll ja auch Spaß machen“, sagt die Tiertrainerin, bevor sie die kleine schwarze Hündin an den Anfang der Blutspur führt.

Mit klappernden Nasescheidewänden nimmt diese sofort Witterung auf. Auch von dem Geruch des Mooses, das Sauen nach Käfern durchgewühlt haben, lässt sie sich nicht ablenken. „Sie macht das heute schon sehr zielgerichtet“, lobt Schneller, nachdem der Welpe den letzten großen Fleischhaufen entdeckt hat. Der soll das angeschossene Wild simulieren.

Damit Rehe, Hirsche und Wildschweine nicht lange leiden müssen, haben die Jäger laut Gesetz die Pflicht, ihnen durch das Dickicht zu folgen und sie mit dem Gnadenschuss zügig zu erlösen. Für die sogenannte Nachsuche brauchen sie kräftige, wildscharfe Hunde mit GPS-Sendern. Doch ein Hund darf erst mit auf die Jagd, wenn er eine entsprechende Prüfung bestanden hat.

In Brandenburg ist diese besonders hart, erklärt Schneller. Über 600 Meter müssen die Hunde der Blutspur folgen können. Aber es sind nicht nur die Vorschriften, die Jäger anhält, viel Herzblut in die Ausbildung ihrer Tiere zu investieren, denn ihre Schützlinge leben gefährlich. So mancher Jagdhund wurde schon von Sauen angegriffen, von einer Waschbär-Meute getötet oder wurde vom Auto überfahren. Die 500 Euro, die ein Jäger für einen toten geprüften Hund bekommt, können den Verlust nicht einmal materiell ersetzen. „Die Hunde werden für viele Jäger zu Familienmitgliedern“, weiß Tino Erstling. Der Sprecher des Brandenburger Landesjagdverbandes trifft sich selbst jeden Sonntag um sieben Uhr in Phöben bei Werder mit Gleichgesinnten, um mit seinem Deutsch-Drahthaar zu trainieren. Täglich kommen noch Übungen im Grundgehorsam dazu.

Ein antrainiertes Verhalten, das an einer viel befahrenen Straße Hundeleben retten kann. „Geprüfte Jagdhunde sind für eine tierschutzgerechte Jagd unabdingbar und werden vom Gesetzgeber vorgeschrieben“, sagt Erstling. Da aber ihre Haltung und Ausbildung sehr kosten- und zeitintensiv ist, appelliert er an die Landesregierung, geprüfte Jagdhunde Diensthunden gleichzustellen – und damit von der Hundesteuer zu befreien. „Schließlich ist ihr Einsatz ein Dienst an der Gemeinschaft“, sagt Erstling.

Um die Kosten für die Ausbildung gering zu halten, tun sich in Brandenburg viele Jäger zusammen. „Man hilft sich gegenseitig“, sagt Petra Schneller. Gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen hat die pensionierte Tierärztin vor zehn Jahren in Trebbin (Teltow-Fläming) den Jagd- Gebrauchshundverein gegründet. „Das 1800 Hektar große Trainings-Revier bekommen wir von einem befreundeten Jagdpächter für die Übungen kostenlos gestellt“, erklärt die Hunde-pädagogin, die sich auch zur Prüferin hat fortbilden lassen.

An diesem sonnigen Morgen stakst sie mit ein paar Jägern durch das kniehohe Gras. Die nächste Übungs-Disziplin ist das Aufspüren von Wild im Feld. Die Hundetrainerin hat dazu eine tote Haustaube in einem Rollnetz mitgebracht. Helge Beißel, der sonst ein Revier im Havelland bejagt, wirft lieber Stoff-Dummys und eine Plastik-Ente aus. „Mein Hund muss zuerst lernen, dass man mit verletztem oder totem Wild nicht spielt“, erklärt der Jäger aus Berlin-Spandau. Das gebiete allein schon der Respekt vor dem Wild. Sein junger Flat-Coated-Retriever hält die Nase gegen den Wind. Auf Kommando apportiert er die Säcke zu seinem Herrchen und bekommt dafür etwas Wurst aus der Waidmanns-Tasche.

„Hunde reagieren auf alles, was flitzt, das ist ihr wölfisches Erbe“, erklärt die Ausbilderin. Bei den Rassen, die als Jagdhunde ausgewählt werden, sei diese Anlage noch stärker ausgeprägt. In den Schulungen gehe es darum, diese Eigenschaften zu kontrollieren. Ein langer Weg, der viel Geduld erfordert und mit dem ein Jagdhundeführer möglichst früh beginnen sollte. „Am besten schon im Alter von zehn Wochen“, rät die Expertin. „Das ist wie Vokabeln üben. Wenn man die Übungen nur oft genug wiederholt, ist die Festplatte im Kopf irgendwann programmiert.“
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen