Weihnachts-Musical : Mit „Snowy“ durch den Advent

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Ein tollpatschiger Schneemann ist der Star der Kinder in Eisenhüttenstadt / Jedes Jahr in der Weihnachtszeit erlebt er neue Abenteuer

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04. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Gut zwei Stunden braucht Timo Gramsch jedes Mal in der Maske, um sich in Schneemann „Snowy“ zu verwandeln. Mittels Fatsuit, roter Rübennase und mehreren Schichten weißer Schminke wird er zu einer Figur, die bei Kindern in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) und Umgebung seit 23 Jahren der absolute Star ist. Wenn das Musical-Abenteuer auf der Bühne des Friedrich-Wolf-Theaters vorbei ist, gibt „Snowy“ noch heiß begehrte Autogramme - statt wie im wahren Leben an der Europa-Universität „Viadrina“ in Frankfurt (Oder) zu studieren.

Für Gramsch ist es „eine absolute Ehre“, in die Rolle des Helden zu schlüpfen. Seit vier Jahren ist er beim alljährlichen Weihnachts-Musical dabei, zum zweiten Mal in der Rolle des Schneemanns. „Snowy ist herzlich, immer optimistisch und er gibt niemals auf“, beschreibt der 21-Jährige den Protagonisten. Dass er nach Stunden immer völlig schweißgebadet aus dem Fatsuit steigt, nimmt der junge Mann gern in Kauf. „Der Vorteil: Ohne Kostüm und Schminke erkennt mich niemand“, sagt er lächelnd.

Es ist nicht selbstverständlich, dass die Erfolgsgeschichte von „Snowy“ fortgeschrieben wird. Vor zwei Jahren starb der Komponist des Musicals, Axel Titzki. „Mein Mann war der Dreh- und Angelpunkt. Er hatte Snowy 1997 mit erfunden, schrieb jedes Jahr neue Songs“, erzählt Andrea Titzki. Die IT-Spezialistin hatte sich all die Jahre um die Internet-Seite von „Snowy“ und die Vermarktung des Musicals gekümmert.

Stadtverwaltung und langjährige Darsteller überzeugten sie letztlich, die Geschäfte komplett in die Hand zu nehmen. „Auch mir wurde klar, dass wir Snowy nicht sterben lassen dürfen.“ Glückliche Fügung: Titzkis 18-jährige Tochter Allanah hat offenbar das Talent geerbt und komponiert inzwischen die Lieder zu den Abenteuern des Schneemanns. 19 Titel sind es in diesem Jahr, die Hälfte davon stammt aus Allanahs Feder.

„Wir sind bemüht, die Qualität unseres Musicals ständig zu verbessern, offenbar funktioniert es“, freut sich Andrea Titzki. Ein großer Pluspunkt sei die große Bühne des Friedrich-Wolf-Theaters, auf der sich die Musical-Macher bei Kulissen und Choreografie kreativ ausprobieren können.„Snowy ist ein Projekt von Stadt und Theater und inzwischen unser Aushängeschild“, sagt Stadtsprecher Frank Eckert. Die Kommune unterstütze die Produktion jedes Jahr aufs Neue finanziell. Konkrete Angaben dazu machte er allerdings nicht.

Das neue Abenteuer heißt „Snowy und das schönste Geschenk“. Am 8. Dezember ist Premiere. Seit September wird an den Wochenenden geprobt. „75 Leute sind wir vor und hinter den Kulissen, die meisten ehrenamtlich“, erzählt Andrea Titzki. Die Castings für die Neubesetzung begannen im Frühjahr.

„Die Proben sind eigentlich das Spannendste“, sagt Hauptdarsteller Gramsch. „Wir experimentieren viel, fühlen uns in die Szenen ein, lernen die Choreografien zu den Liedern“, beschreibt er. Diesmal muss sich der Schneemann um Kinder kümmern, die aus einem Waisenhaus ausgerissen sind und eine neue Familie suchen. Zu den wiederkehrenden Figuren zählen Katrin und Peter, die „Snowy“ einst schufen, Polizist Otto, Putzfrau Adele und das Schneesternchen. In jedem Abenteuer gibt es auch einen bösen Gegenspieler: In diesem Jahr ist es die strenge und kalte Waisenhaus-Leiterin.

Elf Vorstellungen wird es geben, viele davon sind ausverkauft. Das liegt auch an moderaten Preisen. Knapp zehn Euro bis 15 Euro kostet eine Karte. Den Besuch könne sich ganze Familie in der Vorweihnachtszeit leisten, sagt Birgit Kunkel, Sprecherin der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH. Die Eisenhüttenstädter Eigenproduktion sei ein Beispiel nicht-kommerzialisierter Angebote. „Snowy ist ein kultureller Höhepunkt in der Adventszeit“, ergänzt Ellen Rußig, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree.

Mehr als 7000 Besucher kämen jährlich ins Eisenhüttenstädter Theater, um sich in Weihnachtsstimmung versetzen zu lassen. Andrea Titzki ist sich sicher: Dass alle Darsteller auf der Bühne Laien sind, merke der Zuschauer durch die professionelle Inszenierung nicht.

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